Kommentar Trumps Protektionismus kann der deutschen Wirtschaft wenig anhaben

Deutschlands Wirtschaftsstruktur ist inzwischen völlig anders als vor 15 Jahren. Nicht alles ist auf den Export ausgelegt. Das sorgt für Stabilität.
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Die Wirtschaftsstruktur zeigt sich ausbalancierter als sie es in den Zeiten des vorherigen Booms vor der Finanzkrise war. Quelle: dpa
Containerhafen in Duisburg

Die Wirtschaftsstruktur zeigt sich ausbalancierter als sie es in den Zeiten des vorherigen Booms vor der Finanzkrise war.

(Foto: dpa)

Die gute Nachricht am Ende des herbstlichen Konjunkturprognose-Reigens lautet: Deutschlands Binnenkonjunktur zeigt sich überaus robust. Seit mehr als vier Jahren wachsen die auf das Inland konzentrierten Branchen ebenso stark oder – wie jetzt – stärker als die Exportwirtschaft. Die Wirtschaftsstruktur zeigt sich deshalb heute ausbalancierter, als sie es in den Zeiten des vorherigen Booms vor der Finanzkrise war.

Insgesamt bringt das mehr Stabilität. Nicht jedes Schwächeln der Exporte führt zu steigender Arbeitslosigkeit, wie es noch Anfang der Nullerjahre war. Und es gibt nicht mehr ausschließlich hochqualifizierte neue Jobs, sondern auch einfache bezahlte Tätigkeiten im Einzelhandel, in der Gastronomie, in Pflegeberufen und Dienstleistungen. „Wir können uns nicht alle gegenseitig nur die Haare schneiden lassen“, lautete ein Spruch aus jenen Export-fixierten Zeiten.

Heute zeigt sich: Wenn der Arbeitsmarkt gut läuft, mehr Menschen mehr Geld verdienen, dann geben sie gern auch mehr für den Friseur aus. Wäre Deutschland noch so total abhängig vom Export wie früher, hätte Trumps Protektionismus der Konjunktur viel mehr geschadet.

Deutschland geht es nicht schlechter

Das Problem von Prognose-Korrekturen nach unten ist ja, dass sie das Gefühl vermitteln: Es geht uns schlechter. Nur stimmt das nicht: Korrigiert wird an diesem Donnerstag von der Bundesregierung nur die Erwartung, dass die Wirtschaft noch dynamischer wachsen würde. Die um einen halben Prozentpunkt auf 1,8 Prozent gesenkte Wachstumsrate bedeutet immer noch einen für eine reiche Volkswirtschaft beachtlichen Wohlstandsgewinn.

Entscheidend auch für die politische Stabilität wird sein, dass von diesem Wohlstandszuwachs möglichst alle profitieren. Die Wahl von Populisten führte der IWF jetzt auch darauf zurück, dass in den USA und einigen EU-Staaten zu lange zu wenige den Aufschwung spürten. Die versprochenen Mauern um den Nationalstaat lösen das Problem jedoch nicht. Sie verkleinern nur den zu verteilenden Kuchen.

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