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Donald Trump

Der „am meisten Stellen schaffende Präsident in der Geschichte“?

(Foto: AFP)

Kommentar Trumps Steuerreform hat Manager in einen Rausch versetzt – nun folgt der Kater

Auf den ersten Blick scheint die Reform des US-Präsidenten der US-Wirtschaft genutzt zu haben. Doch sie ist nicht mehr als ein Strohfeuer.
3 Kommentare

Donald Trump war wieder einmal in Höchstform: Die Börsen und die Wirtschaft würden noch sehr lange nach oben gehen, wenn die Steuerreform erst einmal voll verstanden sei, prophezeite der US-Präsident Ende 2017, während das Paket gerade durch den Kongress geschleust wurde. „Genießt es!“, jubelte er dem Wahlvolk via Twitter entgegen.

Elf Monate später zeigt sich, dass der „am meisten Stellen schaffende Präsident in der Geschichte“ (Trump über Trump) ein gigantisches Strohfeuer entzündet hat – sowohl an den längst hochnervösen Märkten als auch in der noch etwas robusteren Realwirtschaft.

Dabei sieht die Lage auf den ersten Blick gar nicht so schlecht aus: Die US-Wirtschaft wuchs im dritten Quartal mit stolzen 3,5 Prozent, die Arbeitslosigkeit ist auf dem niedrigsten Niveau seit mehreren Jahrzehnten, und der private Konsum brummt.

Alles bestens also? Nein, ganz im Gegenteil: Ein Blick hinter die Fassade zeigt nicht nur, dass dieses Haus auf Sand gebaut ist, sondern auch, dass es langsam, aber sicher zu sinken beginnt.

Der beste Indikator dafür sind die Aktienmärkte. An den Börsen werden Erwartungen an die Zukunft gehandelt. Das zeigt sich auch im Fall der Trump’schen Steuerreform – der größten seit 30 Jahren, mit der Unternehmen und private Haushalte in der Spitze um 280 Milliarden Dollar entlastet wurden. Bereits im Jahr 2017 haben die Anleger in freudiger Erwartung an dieses Megaprojekt die Kurse des Dow Jones um fast ein Viertel nach oben getrieben.

Doch nach zwei weiteren, kurzen Euphoriephasen im Januar und über den Sommer ist das Strohfeuer an den Märkten erloschen: Der Dow ist seit dieser Woche im Jahresverlauf im Minus. Und die großen Technologiewerte wie Amazon, Apple und Co., die zuletzt stets der größte Kurstreiber waren, befinden sich mit einem Minus von mehr als 20 Prozent in den vergangenen Wochen längst im Bärenmarkt.

Märkte mögen nach unten wie oben übertreiben, doch in der groben Richtung nehmen sie fast immer sehr genau die Zukunft vorweg. Und der Seismograf der Börsen meldet größere wirtschaftliche Erschütterungen, die nicht nur auf die USA zukommen.

Das verwundert nicht, wenn man einmal genauer analysiert, was für ein wirtschaftliches Aufflackern Trump mit seiner Großtat verursacht hat: So ist der wirtschaftliche Aufschwung in den USA rein vom Staat und vor allem vom privaten Konsum getrieben – und damit wenig nachhaltig. Die für langfristiges Wachstum so wichtigen Unternehmensinvestitionen dagegen treten auf der Stelle – die Produktivität ebenso.

Noch schlimmer: Die Unternehmen wissen gar nicht, wohin mit der Geldschwemme; sie nutzen sie daher, um mit rekordhohen Aktienrückkäufen von 190 Milliarden Dollar allein im dritten Quartal die Kurse künstlich aufzupeppen. Dass die Börsen trotz dieser Manipulation zuletzt in den Sinkflug übergegangen sind, sollte als ein Alarmsignal gelten.

Es ist nicht das einzige. Wie sich in den vergangenen Wochen gezeigt hat, trauen die Finanzmärkte den Wachstums- und Gewinnprognosen der Unternehmen nicht mehr. Und dafür haben sie gleich mehrere gute Gründe.

Erstens zeigt Trumps aggressive Handelspolitik erste wirtschaftliche Auswirkungen. Schon im ersten Halbjahr ist das Wachstum des globalen Handelsvolumens laut der Welthandelsorganisation deutlich gefallen, auf nur noch 0,6 Prozent im zweiten Quartal. Und die globalen Seefrachtraten sind gemessen am Baltic Dry Index in den vergangenen zwei Wochen um ein Drittel eingebrochen – ein Frühindikator für die Konjunktur.

Zweitens leuchten auch andere Frühindikatoren dunkelorange: Beispielsweise häufen sich die Gewinnwarnungen aus Branchen wie der Chemieindustrie. Drittens entziehen die Zentralbanken mit dem Ende ihrer ultralockeren Geldpolitik dem selbst inszenierten Aufschwung die Basis. In den USA und Europa kehrt die Inflation zurück, und gleichzeitig steigen an den Finanzmärkten die Zinsen.

Ein Trend, der durch die Steuerreform in den USA beschleunigt wurde. Ohne diese hätte die Federal Reserve die Leitzinsen wohl etwas langsamer erhöht. Das führt zum vierten Alarmsignal: Auch an den Kreditmärkten steigen die Risikoaufschläge wieder, wodurch sich die künftige Finanzierung der im Schnitt sehr hoch verschuldeten Unternehmen verteuern wird.

Zu dieser wenig verheißungsvollen Gemengelage kommen schwer kalkulierbare politische Risiken hinzu: beispielsweise der Streit über den italienischen Haushalt oder der Austritt der Briten aus der EU.

Und auch weil die Notenbanken nicht mehr jede politische und wirtschaftliche Krise mit Wertpapierkäufen übertünchen, schlagen diese Risiken auf die Stimmung der Anleger durch. Statt der lange geltenden Devise „buy the dip“ („nach einem Kursknick wieder zukaufen“) herrscht jetzt die Angst vor, ins fallende Messer zu greifen.

Die Anleger haben die US-Steuerreform schon lange und sehr gut verstanden – nur interpretieren sie sie gänzlich anders als ihr Schöpfer Trump.

Erste Zeichen von Angst und Panik belasten die US-Börsen

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3 Kommentare zu "Kommentar: Trumps Steuerreform hat Manager in einen Rausch versetzt – nun folgt der Kater"

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  • Erlauben Sie mir zwei Auszüge aus dem Artikel, die in ihrer Gegensätzlichkeit herausstechen:
    "Das führt zum vierten Alarmsignal: Auch an den Kreditmärkten steigen die Risikoaufschläge wieder, wodurch sich die künftige Finanzierung der im Schnitt sehr hoch verschuldeten Unternehmen verteuern wird."

    Demgegenüber hieß es vier Absätze zuvor: "Die Unternehmen wissen gar nicht, wohin mit der Geldschwemme; sie nutzen sie daher, um mit rekordhohen Aktienrückkäufen von 190 Milliarden Dollar allein im dritten Quartal die Kurse künstlich aufzupeppen."

    Vielleicht hätten die Manager besser die Schulden abgebaut als die Kurse zu stützen (und damit Ihr besonders in den USA häufig an den Aktienkurs gekoppeltes Gehalt aufgebessert...). So richtig ernst zu nehmen ist in den USA aktuell leider wohl weder die politische noch die wirtschaftliche Führung.

  • Schutzzölle - wenn sie nicht nur von kurzer Dauer sind-- schaden der heimischen Wirtschaft mehr als dass sie nutzen! Schutzzölle senken durch Preissteigerungen den heimischen Konsum und Lebensstandard! Steuersenkungen sind nur dann von volkswirtschaftlichen Nutzen, wenn der Staat sich deshalb nicht verschulden muss. Am Ende steigen die Steuern wieder.


    America first - nach unten!

  • Sehr geehrter Herr Schäfer,

    "an den Börsen werden Erwartungen an die Zukunft gehandelt", meinen Sie. In dieser allgemeinen Form ist Ihre Aussage wahrscheinlich richtig. Aber man darf Ihren Satz auch nicht mißverstehen. Neben den wirtschaftlichen Perspektiven werden an den Börsen noch sehr viele andere Einflußfaktoren gehandelt.

    Beispiele dafür sind geopolitische Entwicklungen oder der vermutete Kurs der Geldpolitik. Nicht zu vergessen, dass die Börsianer einem Herdentrieb folgen, zwischen den Gemütslagen Euphorie und Todesangst permanent hin und her schwanken und dabei nach oben wie nach unten gewaltige Kursübertreibungen produzieren. Und wenn Sie einmal die Börsengeschichte oder auch nur den Bitcoin-Kurs verfolgen, kommen Sie vielleicht zu der Meinung, dass es eine Geschichte von Irrtümern ist. Vielleicht hatte Kostolany doch recht. Kosto bezeichnete seine Mitanleger stets als "Idioten". Dass ihr agieren überhaupt kein Prognoseinstrument für die künftige Wirtschaftsentwicklung ist, sollte jedem einleuchten.

    Oft verwendet man deshalb das Bild von einem Herrn und seinem Hund. Die Wirtschaft ist der Herr, die Börse ist der Hund. Aber dieser Hund läuft nicht bei Fuß. Er tollt stattdessen herum. Läuft lange und weit seinem Herrn voraus. Dann wieder lange und weit hinterher.