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Kommentar Trumps Treffen mit Kim ist die Belohnung für ein billiges Versprechen

US-Präsident Trump trifft sich nun doch mit Kim Jong Un. Zusätzlich kassiert er auch Maximalpositionen von Hardlinern in seiner Regierung ein.
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US-Präsident reduziert die Erwartungen an das Treffen mit Kim Jong Un auf ein realistisches Maß. Quelle: AFP
Donald Trump

US-Präsident reduziert die Erwartungen an das Treffen mit Kim Jong Un auf ein realistisches Maß.

(Foto: AFP)

TokioNoch ist es zu früh, um im Poker um Nordkoreas Atomwaffen einen Sieger auszurufen. Immerhin hat US-Präsident Donald Trump am Freitag die Messlatte für seinen erst ab- und jetzt wieder zugesagten Gipfel mit Nordkoreas Führer Kim Jong Un am 12. Juni in Singapur so niedrig gelegt, dass er das historische Spektakel sehr wahrscheinlich als Erfolg verkaufen kann.

Nachdem ihm Kims Vertrauter Kim Yong Chol einen Brief des Diktators in einem etwa Din-A3 großem Umschlag überreicht hatte, schien Trump bisherigen Forderungen der USA gleich reihenweise einzukassieren.

Auf einmal will Trump nicht darauf bestehen, was Hardliner wie sein Sicherheitsberater John Bolton fordern: dass Nordkorea schon auf dem Gipfel einer kompletten, überprüfbaren und unwiderruflichen atomaren Abrüstung im Detail zustimmt.

Auch muss es nun nicht mehr rasant vorangehen. Stattdessen stufte Trump das erste Gipfeltreffen zwischen einem amtierenden US-Präsidenten und einem Führer Nordkorea zum Beginn eines Verhandlungsprozesses ab. Er will Nordkorea auch ein bisschen Zeit geben und währenddessen keinen Druck durch neue Sanktionen aufbauen.

Gerade Washingtons Falken, die die brutale ostasiatische Diktatur am liebsten heute als morgen stürzen würden, dürften nun über die Aufgabe der Maximalposition aufschreien. Selbst moderate Korea-Experten monieren, dass Trump womöglich den Druck auf Kim zu sehr zurückgeschraubt hat. Aber generell ist sehr zu begrüßen, dass Trump die hochgepeitschten Erwartungen endlich auf ein realistisches Maß stutzt.

So paradox es sich für Freunde harter Diplomatie auch anhört: Damit vermeidet Trump das große Risiko, dass schon historische Treffen zu einem dramatischen Showdown mit unabsehbaren Folgen für die Welt eskaliert.

Tatsächlich lief die Welt Gefahr, dass schon der Gipfel scheitert und damit die Kriegsgefahr in Ostasien sofort wieder in die Höhe schnellt. So hat die Diplomatie wenigstens für ein paar Monate den Hauch einer Chance, den Konflikt um Nordkoreas Atomwaffen zu lösen. Mehr aber auch nicht. Zu groß ist schon die Kluft zwischen den Positionen.

Atomwaffen sind Nordkoreas Sicherheitsgarantie

Nordkorea bekennt sich zwar zum Ziel einer Denuklearisierung, und dies schon seit langem. Aber dies war bislang nur ein Lippenbekenntnis.

Das Regime wollte seine Atomwaffen nur unter Bedingungen aufgeben, die bisher als unakzeptabel für die USA galten. Zum Beispiel ein Ende der Sicherheitsallianz mit Südkorea und den Abzug von US-Truppen, Friedensvertrag und Aufhebung von Sanktionen inklusive.

In der Realität waren die Nordkoreaner hingegen nie bereit, ihre Atomwaffen gänzlich aufzugeben. Zu wichtig waren und sind sie als Sicherheitsgarantie gegen Sturzversuche der USA oder Südkoreas.

Außerdem stärken sie auch seine Position gegenüber der Schutzmacht China, der die Nordkoreaner traditionell massiv misstrauen. Und bisher hat Kim öffentlich nicht signalisiert, dass der Norden seine Position radikal geändert hat. Auch südkoreanische Minister sowie Trump oder sein Außenminister Mike Pompeo haben nicht verraten, was Nordkorea überhaupt zugesagt hat.

Als bestes Szenario ist daher derzeit eine Einschränkung oder sehr langsame Reduzierung von Atomwaffen und Langstreckenraketen denkbar, vielleicht gepaart mit der sofortigen Abgabe einiger Bomben als vertrauensbildende Maßnahme.

Verglichen mit einer weiteren Aufrüstung wäre ein solches Management von Nordkoreas Bedrohung zwar ein Fortschritt und auch gerechtfertigt. Nordkoreas Arsenal an Atomwaffen und Langstreckenraketen ist so groß, dass selbst eine ernstgemeinte Denuklearisierung nach Ansicht vieler Experten ohnehin zehn oder mehr Jahre benötigen würde.

Das Problem ist nur, dass auch das beste Szenario keineswegs ein gutes ist. Denn wenn die Vergangenheit ein Wegweiser für Zukunft ist, könnte Nordkorea tatsächlich auf das zurückgreifen, vor dem die Hardliner in Trumps Regierung sowie die meisten Experten warnen: Nordkoreas berüchtigte Taktik zu verzögern, hinzuhalten, Krisen zu provozieren und die Großmächte gegeneinander auszuspielen, um am Ende weiter atomar aufzurüsten.

Trump muss aufpassen nicht, vorgeführt zu werden

In diesem Fall könnte Trump nach sechs bis zwölf Monaten genug haben und wieder auf Konflikt umschalten. Dies gilt umso mehr, als dass der US-Präsident Nordkorea ohne Not schon jetzt eine riesige Konzession gewährt hat. Die Kim-Dynastie träumte schon lange davon, durch ein Gipfeltreffen mit dem mächtigsten Mann der Welt daheim und im Ausland aufgewertet zu werden.

Zurecht sahen US-Diplomaten und -Präsidenten vor Trump diese Fotogelegenheit als ultimative Belohnung für überzeugende Abrüstungsschritte des Nordens – und nicht für billige Versprechen. Doch Trump hat sich aus irgendeinem Grund Kim hingeschenkt und damit die amerikanische Position geschwächt. Denn läuft der Verhandlungsprozess erstmal lange genug, dürfte es Trump schwerfallen, Südkorea und China wieder in seine Sanktionsfront einzureihen.

Er muss daher noch mehr aufpassen als seine Vorgänger, nicht von den Nordkoreanern vorgeführt zu werden. Doch immerhin bleibt mit den Gesprächen die Hoffnung, dass die USA und Nordkorea trotz der brisanten Gemengelage doch irgendwie ihren Konflikt dauerhaft entspannen können. Denn eine Alternative zur Diplomatie wäre weiterhin Krieg.

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