Kommentar Tschechien wählt den Status quo

Die tschechische Bevölkerung will keine großen Veränderungen. Deshalb wird Miklos Zeman neuer Staatspräsident. Das Land hat damit die Chance verpasst, einen politischen Neuanfang zu wagen.
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Stefan Menzel ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien. Quelle: Pablo Castagnola

Stefan Menzel ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien.

(Foto: Pablo Castagnola)

WienSchade, die Tschechen hätten sich am Samstag bei der Neuwahl des Staatspräsidenten für einen richtigen Neubeginn in der Politik entscheiden können. Doch mit der Berufung des Sozialdemokraten Milos Zeman in das höchste Staatsamt passiert das genau nicht. Der 68-Jährige steht für die Generation der tschechischen Politiker, die seit gut zehn Jahren die Geschicke des Landes bestimmen. Zemans Gegenkandidat Karl Schwarzenberg hätte als Staatspräsident für eine etwas andere Tschechische Republik gesorgt.

Der neue Staatspräsident Miklos Zeman ist von seiner Tradition her ein linker, sozialdemokratischer Politiker. Interessant ist dabei, dass ihn Noch-Präsident Vaclav Klaus in den vergangenen Wochen während des Wahlkampfes massiv unterstützt hat. Als ausgesprochen konservativer Politiker hätte sich Klaus gegen den linken Miklos Zeman stellen müssen, seinen klaren politischen Gegner.

Dass sich Klaus für Zeman ausgesprochen hat, unterstreicht vor allem eines: Er glaubt, dass Zeman als Staatspräsident in der Prager Burg mit großer Wahrscheinlichkeit seine eigene Politik fortsetzen wird. Zeman steht für eine in sich gekehrte, tendenziell verschlossene Tschechische Republik. Zeman wird in Fragen der europäischen Einigung oder beim möglichen Beitritt seines Landes zur Euro-Zone nicht ganz so radikale Positionen wie Vaclav Klaus vertreten. Aber Zeman geht stärker auf Distanz zu Europa wie das sein Konkurrent Karl Schwarzenberg getan hätte.

Schwarzenberg ist der Atlantiker, der westliche orientierte Politiker. Sein Exil in Österreich während der kommunistischen Herrschaft hat ihn viel weltoffener, liberaler geprägt. Deshalb war er auch jetzt der Kandidat des städtischen Bürgertums, besonders in der Hauptstadt Prag. Diese Wähler haben in Schwarzenberg einen Präsidenten gesehen, der ihr Land ein großes Stück weiter nach Europa gebracht und den Kurs von Noch-Präsident Vaclav Klaus ziemlich stark gedreht hätte.

Der neue Staatspräsident Zeman ist vor allem in den Kleinstädten und auf dem Land gewählt worden. Von Menschen, die sich gegen einen allzu großen Wandel in der tschechischen Politik aussprechen. In Zeman sehen sie den Garanten dafür, dass sich Tschechien nicht zu schnell zu stark verändern wird. Ganz genau, wie das auch Vaclav Klaus möchte.

Parteipolitik spielt dabei überhaupt keine Rolle, links oder rechts ist nicht die entscheidende Frage. Es geht vielmehr darum, ob der neue Präsident eine mehr traditionelle oder mehr weltoffene Position vertritt. Und Miklos Zeman ist nun einmal der Mann des Status quo.

Schade, Tschechien hätte sich in den nächsten Jahren ein wenig stärker verändern und öffnen können. Aber ganz offensichtlich ist die Mehrheit der Bevölkerung nicht dazu bereit.

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12 Kommentare zu "Kommentar: Tschechien wählt den Status quo"

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  • Stefan Menzel schreibt ein Unfug. 60% der Zeman-Wähler haben eben für eine Änderung - gegen die aktuelle Regierung - gewählt. Lebt Herr Menzel in Tschechien? Wenn er null Ahnung hat, sollte er keine Berichte darüber schreiben!

  • Seit wann muss ein Atlantiker (Schwarzenberg) denn auch unbedingt ein guter Europäer sein ???

    Ist noch gar nicht so lange her da wollten d. USA Europa in gut + schlecht / ja+nein-Sager aufteilen.
    Und die Ikone der Demokratie (Vazlav Havel) ist damals einem US-Präsidenten beigesprungen dessen demokratische Legitimierung mehr als fragwürdig war (G.W.Bush)!

  • Ganz genau!!! Annis Kommentar ist abwegig! Ich möchte wissen, wie alt sie damals war, dass sie sich alles so perfekt merkt und dass sie sich eine Spezialistin nennt!

  • Sei nicht witzig, das ist ein ernsthaftes Thema. Selber Schwarzenberg har ein Korruptionsverhalten als Aussenminister toleriert. Meistens geht es aber um die Subventionen aus Brüssel - das sollte v. a. die Deutschen interresieren

  • Die Korruption in der Politik ist jetzt in Tschechien auf dem Minimum. Hier geht es um das, daß die Wähler die Sparmaßnahmen der Regierung nicht verstehen und wollen. Die Korruption blühte in den Jahren 1998-2002 als Milos Zeman Premierminister war.

  • Aber, alles umgekehrt. Die Tschechen wollten eine Änderung! Die Tschechen haben genug der Korruption in der Politik und derjenigen Politik, die alles andere macht als das, was die Menschen wollen. Die Regierung ist bei 8 (acht) % der Bevölkerung beliebt. Dazu ist Schwarzenberg doch seit 6 Jahren der tschechische Aussenminister. Also dieser Kommentar ist total falsch und unkorrekt.

  • Der Name von dem neuen Präsidenten ist Miloš Zeman und nicht Miklos!

  • Daß der deutsche Mainstream anderen immer den Weg ins Glück zeigen will, ist in Anbetracht des sozialen Verhängnisses schon absurd genug. Noch absurder werden da die Sorgen des deutschen Michl, der einen draufsetzt und resummiert, Großbritanien gehe bei einem EU-Austritt unter. Man wünscht halt, daß es den Briten genauso gehe wie einem selbst. Und wen nicht anders möglich, sollten die Negativisten bitte mit Gewalt zur Fahrt ins Glück gezwungen werden.
    Mit Art. 23 GG haben die Parteifunktionäre die Büchse der Pandorra geöffnet nicht nur für das deutsche Volk, sondern für alle Völker der Welt.
    Deutschland, das Vorbild. Ich werde nicht wieder ...






  • "Das Land hat damit die Chance verpasst, einen politischen Neuanfang zu wagen." ...man hat als Land absolut gar nichts verpasst, wenn man Brüssel etwas kritischer begegnet. Das einzige was man verpassen könnte ist die bedingslose Versklavung durch das totalitäre EU-Regime.

  • Nun ja, auch unser gebeuteltes Land bietet Alternativen, leider werden diese im Mainstream totgeschwiegen. Es gibt Euro- und EU-kritische Parteien... und genau die sollte man wählen, Kann man sich dazu nicht durch ringen, dann halt die Tierschutzpartei, Graue Panther oder ähnliches wählen. DAS tut unserer "Elite" richtig weh. Auch wenn diese Art der Wahl nicht "politisch korrekt" ist.

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