Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Überforderte Notenbanken

Die Europäische Zentralbank sollte sich und ihre geldpolitischen Mittel nicht überschätzen. Und die Nebenwirkungen der Geldpolitik werden immer schädlicher.
Kommentieren
Heiligt der geldpolitische Zweck wirklich noch die Mittel? Quelle: dpa
Zentrale der Europäischen Zentralbank in Frankfurt

Heiligt der geldpolitische Zweck wirklich noch die Mittel?

(Foto: dpa)

Für Europas Banken ist es ein echter Schock: Die erhoffte geldpolitische Wende fällt nicht nur aus, die Europäische Zentralbank (EZB) könnte ihre Zinsen sogar noch weiter senken. Nach der Rede von EZB-Präsident Mario Draghi im portugiesischen Sintra geht die Mehrheit der Volkswirte davon aus, dass die Notenbank ihren Einlagensatz für Banken im September von minus 0,4 Prozent auf minus 0,5 Prozent senken wird. Für die ohnehin eher schwache Profitabilität vieler europäischer Banken ist das Gift.

Entsprechend laut fallen die Klagen aus dem Bankenlager über die künftig wahrscheinlich noch lockerere Geldpolitik aus, die die Geldhäuser zusätzliche Milliarden kosten würde. Die EZB scheint das nicht zu beeindrucken, obwohl die Notenbank auch für die Aufsicht über die Großbanken in der Euro-Zone zuständig ist.

Völlig zu Recht konzentriert sich Draghi auf das zentrale Ziel der EZB: die Preisstabilität. Die scheint nach dem jüngsten Einbruch der Inflationserwartungen tatsächlich wieder in Gefahr. Diese Daten kann die Notenbank nicht ignorieren.

Aber Draghi und seine Kollegen müssen sich fragen, wie viel sie mit ihren Instrumenten noch ausrichten können. Lässt sich die Kreditversorgung der Wirtschaft im Euro-Raum mit noch niedrigeren Minuszinsen tatsächlich stimulieren? Nach ihrem massiven Einsatz zur Milderung der Folgen der Finanzkrise droht den Notenbanken langsam, aber sicher, die Munition auszugehen.

Deshalb wird es höchste Zeit, dass die Politik wieder mehr Verantwortung für die Stabilisierung der Konjunktur übernimmt. Dazu zählt die Fiskalpolitik in denjenigen Staaten, die sich zusätzliche Ausgaben oder Steuersenkungen leisten können, aber auch dringend notwendige Strukturreformen.

In einem Punkt haben die frustrierten Banken recht: Die Nebenwirkungen der Geldpolitik werden immer schädlicher. Deshalb müssen die Notenbanker sehr sorgfältig abwägen, ob der geldpolitische Zweck wirklich noch die Mittel heiligt.

Mehr: Noch niedrigere Zinsen würden deutsche Banken Hunderte Millionen Euro kosten. Die Politik der EZB birgt die Gefahr, dass Privatkunden die Zeche zahlen.

Startseite

Mehr zu: Kommentar - Überforderte Notenbanken

0 Kommentare zu "Kommentar: Überforderte Notenbanken"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.