Kommentar: Und wieder Springer, und noch so ein „Döpfner-Beben“

Der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer SE hat mit seinen fragwürdigen Nachrichten schlechten Führungsstil gezeigt.
Foto: IMAGO/Chris Emil JanßenSchon wieder Axel Springer! Schon wieder Mathias Döpfner! Normalerweise setzt ein Verlagshaus Inhalte über andere in die Welt, ausgerechnet die Heimstatt von „Bild“ aber wartet damit auf, abträgliche Nachrichten über sich selbst zu produzieren. In der Sprache der Boulevardzeitung: noch so ein „Döpfner-Beben“.
Dieses Beben entstand, weil erneut Zitate aus mitternächtlicher privater Onlinekommunikation in der deutschen Presselandschaft zirkulieren, eruptiv dahingeworfen in männerbündlerischer Uns-gehört-die-Welt-Prosa. Da werden vom CEO und Großaktionär Döpfner pauschal „Ossis“ als „Kommunisten oder Faschisten“ diffamiert, da taucht Angela Merkel als „Sargnagel der Demokratie“ auf und sind führende Politiker auf einmal Leute, die „hätten früher nicht mal ne Sparkasse führen dürfen“.
Manches mag im (misslungenen) Versuch entstanden sein, satirisch zu übertreiben. Auch fehlt der Kontext. Abstriche sind zu machen. Und doch zeigen die Fundstücke aus etlichen Chats und Mails, in welche Richtung der erste Mann bei Springer denkt.
Und wie ordinär die Wahl der Worte bei einem sein kann, der sich selbst als „Schöngeist“ versteht, kluge Essays schreibt und mit Künstlern wie Georg Baselitz große Zeitungsgespräche führt. Für seinen Posten in einem meinungsmächtigen Unternehmen hat sich Döpfner mit dieser Causa disqualifiziert. Das wirre Geschreibsel ist von Führungsqualität so weit entfernt wie „Bild“ vom Pulitzerpreis.