Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Unitymedia

Der Kabelnetzbetreiber Unitymedia baut ein teilöffentliches WLAN-Netz auf und nutzt dazu die Router seiner Kunden.

(Foto: dpa)

Kommentar Unitymedia rüttelt am Vertrauen der Nutzer

Unitymedia darf Router ohne vorheriges Okay der Kunden für öffentliches WLAN nutzen. Doch der Sieg vor dem Bundesgerichtshof könnte sich noch rächen.
Kommentieren

Eigentlich ist es eine gute Idee: Schnelles Internet in vielen deutschen Großstädten, das Datenvolumen spielt keine Rolle - und es entstehen keine Extra-Kosten. Das will der Kabelnetzbetreiber Unitymedia seinen Kunden bieten. Dafür schaltet das Unternehmen Router in den Wohnungen der seiner Kunden für andere Unitymedia-Nutzer frei.

Unitymedia tut das, ohne seine Kunden vorher um Erlaubnis zu fragen. Das halten Verbraucherschützer für Falsch. Der Streit zog sich über Monate hin. Jetzt hat der Bundesgerichtshof Unitymedia Recht gegeben.

Juristisch mag das Vorgehen in Ordnung sein, strategisch ist es ein Fehler. Denn eigentlich muss es der Firma in erster Linie darum gehen, Vertrauen zu seinen Kunden aufzubauen. Und das schafft das Unternehmen nicht, wenn es seine Nutzer vor vollendete Tatsachen stellt. 

Zu Recht sind Online-Foren voll von Beschwerden über die Praxis. Auch wenn das Unternehmen wieder und wieder betont, der private Datentransfer werde durch den zweiten Hotspot auf dem Router nicht eingeschränkt, könnte das Vertrauensverhältnis trotzdem gestört sein. Kunden empfinden das Vorgehen als Eingriff in ihre Privatsphäre. Schließlich steht das Gerät bei ihnen Zuhause und verbraucht Strom. 

Unitymedia sollte sich wie ein freundlicher Gast verhalten und artig um Erlaubnis bitten. 

Juristisch steht Unitymedia auf der sicheren Seite. Das BGH sah die Widerspruchsmöglichkeit gegen das Aufschalten des WLAN-Signals als ausreichend an. Andere Netzbetreiber wie die Deutsche Telekom und Vodafone gehen mit der Einrichtung öffentlicher Hotspots ähnliche Wege wie Unitymedia.

Wollen die Firmen wirklich ein Vertrauensverhältnis zu ihren Kunden aufbauen und halten, sollten sie sehr behutsam vorgehen. Der Aufbau eines Netzes von Hotspots ist eine gute Idee. Die nichtkommerzielle Initiative Freifunk macht sei vielen Jahren vor, wie sich das Konzept umsetzen lässt. Doch dort müssen Verbraucher aktiv ihr Netzwerk für andere freigeben. Das ist der richtige Ansatz. Hier sind haben die Anwender zu jedem Zeitpunkt die Kontrolle.

Genau das fehlt jedoch bei Konzepten wie von Unitymedia. Ein Kunde muss sich aktiv dazu entscheiden, den Dienst zu deaktivieren. Das führt zu einem gefühlten Kontrollverlust. Hier sollte die Firma besser zwischen dem Interesse am schnellen Aufbau eines Netzes, und einem vertrauensvollen Verhältnis zu ihren Kunden abwägen.

(Az: I ZR 23/18)

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Kommentar - Unitymedia rüttelt am Vertrauen der Nutzer

0 Kommentare zu "Kommentar: Unitymedia rüttelt am Vertrauen der Nutzer"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.