Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Unternehmen brauchen in der Coronakrise klare Vorgaben

Unternehmen tragen eine große Verantwortung für Mitarbeiter und Kunden. Sie brauchen vom Staat aber auch klare Anweisungen – und Hilfen.
10.03.2020 - 16:58 Uhr Kommentieren
Viele Gewerbetreibende, aber auch etliche Mittelständler geraten in eine ernste Schieflage. Quelle: dpa
Leerer Konferenzraum

Viele Gewerbetreibende, aber auch etliche Mittelständler geraten in eine ernste Schieflage.

(Foto: dpa)

Der Kampf gegen die Corona-Epidemie ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe geworden. Das Gesundheitswesen wird auf eine harte Belastungsprobe gestellt, die Behörden auch, jeder Einzelne muss mit Hygiene und Umsicht seinen Beitrag leisten. Aber auch die Unternehmen sind gefordert.

In diesen Wochen gilt es, das Streben nach Umsatz und Ertrag ein Stück weit hinter die Verantwortung für Mitarbeiter, Kunden und Geschäftspartner zu stellen. Und im Großen und Ganzen kommen die Unternehmen dieser Verantwortung auch erstaunlich gut nach. Auf breiter Front wurden schon frühzeitig Geschäftsreisen in Risikogebiete verboten oder Mitarbeiter zu mehr Homeoffice ermutigt.

Soweit es im Einflussbereich des einzelnen Unternehmens liegt, ist das auch eine Selbstverständlichkeit. Im gleichen Maße, wie die Unternehmen Verantwortung zeigen müssen, dürfen sie aber auch entschlossene Ansagen von Regierung und Behörden erwarten. Vor allem wenn es um das öffentliche Leben geht, beispielsweise bei Messen oder Veranstaltungen, sind klare Richtlinien nötig – und in letzter Konsequenz auch Entschädigungen und finanzielle Hilfen für die betroffenen Firmen.

In Deutschlands Unternehmen werden derzeit die gleichen Diskussionen geführt wie in der gesamten Bevölkerung. Die Ausbreitung des Coronavirus bereitet den meisten Mitarbeitern Angst. Allerdings stellen sich viele Mitarbeiter auch die Frage, ob die Reaktion nicht hysterisch ist. Manager und Unternehmer müssen sicher abwägen, was eine angemessene Reaktion ist. Im großen Stil entscheiden sie sich im eigenen Einflussbereich aber richtigerweise für den verantwortungsvollen Umgang mit dem Virus.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    In den großen Konzernen haben sich rasch Krisenteams gebildet, zuerst wurden Geschäftsreisen nach China und dann nach Italien untersagt. Reihenweise stornieren Unternehmen eigene Veranstaltungen – interne Treffen wie Managementtagungen oder Betriebsversammlungen, aber auch externe Präsentationen wie Pressekonferenzen werden per Video oder Telefon angeboten. Viele Unternehmen schränken selbst interne Meetings ein und bitten ihre Mitarbeiter in großem Rahmen, von zu Hause aus zu arbeiten.

    Es geht um Existenzen

    Das mag im Einzelfall schmerzen – die Deutsche Bank hat lange gezögert, bis sie ihre 150-Jahr-Feier abgesagt hat. Doch die Entscheidungen sind wirtschaftlich verkraftbar, und sie helfen, die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Damit kommen die Unternehmen nicht nur ihrer gesamtgesellschaftlichen Aufgabe nach, sie schützen auch sich selbst.

    Eine von den Behörden verhängte Quarantäne in einer Konzernzentrale oder einem Werk kann teuer werden. Und je schneller die Epidemie bekämpft werden kann, umso schneller wird die Wirtschaft wieder zur Normalität zurückfinden – und die Auswirkungen auf die Bilanzen werden gedämpft.

    „Das zentrale wirtschaftliche Problem ist die Angst der Menschen“

    Geschäftsreisen lassen sich für eine gewisse Zeit einschränken, Managementtagungen vergleichsweise leicht verschieben, Pressekonferenzen im Internet übertragen. Es gibt aber Entscheidungen, die nicht so leicht zu fällen sind. Mit und auf Messen werden viele Millionen bewegt. Sport- und Kulturveranstaltungen mögen gemessen an jedem Todesfall, der vermieden werden kann, verzichtbar erscheinen. Für die Veranstalter aber sind sie ein großes Geschäft – es geht um Umsätze und Existenzen.

    Für die Politik ist es legitim, die Gesundheit der Bürger über wirtschaftliche Interessen zu stellen. Wenn auch Virologen oder das Robert-Koch-Institut dringend dazu raten, die Ausbreitung des Virus mit maximalem Einsatz einzudämmen, ist das richtig. Es gibt bisher eben weder Medikamente zur Behandlung noch einen Impfstoff. Die Folgen einer flächendeckenden Verbreitung sind nicht abzuschätzen.

    Der Staat muss entscheiden

    Für Unternehmen ist es aber legitim, die Verhältnismäßigkeit infrage zu stellen. Hier ist es Aufgabe des Staates, die nötigen Entscheidungen zu treffen. Wenn es darum geht, Veranstaltungen abzusagen, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, müssen Regierungen und Behörden klare und zügige Entscheidungen treffen. Die Aussage von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn vom vergangenen Wochenende, er würde empfehlen, Veranstaltungen mit mehr als 1 000 Teilnehmern abzusagen, muss von den zuständigen Behörden in Bundesländern und Landkreisen zügig umgesetzt werden.

    Handelsblatt Morning Briefing - Corona Spezial

    Im gleichen Maße müssen Unternehmen, die über Gebühr unter Vorsichtsmaßnahmen leiden, finanziell unterstützt werden. Viele Gewerbetreibende, aber auch etliche Mittelständler geraten in eine ernste Schieflage. Die von der Bundesregierung beschlossenen Hilfszusagen sind deshalb wichtig, sie werden aber vermutlich nicht reichen.

    Die Bewältigung der Coronakrise ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Die Unternehmen müssen mit all ihrer Verantwortung dazu beitragen, die Epidemie zu beherrschen und die Zahl der Todesfälle möglichst gering zu halten. Sie können im Gegenzug aber weitgehende Unterstützung durch den Staat erwarten.

    Mehr: Das Coronavirus verschärft die Probleme der Krankenhäuser.

    Startseite
    Mehr zu: Kommentar - Unternehmen brauchen in der Coronakrise klare Vorgaben
    0 Kommentare zu "Kommentar: Unternehmen brauchen in der Coronakrise klare Vorgaben"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%