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Kommentar Unternehmen sollten bei ihren Prognosen mehr Mut zeigen

BASF, Fuchs Petrolub und Krones haben die Märkte mit korrigierten Prognosen schockiert. Doch die Rückkehr zu ambitionslosen Vorhersagen wäre keine Hilfe.
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Der Chemiekonzern musste seine Prognose gleich um 30 Prozent zurücknehmen. Quelle: obs/Accor Hotellerie Deutschland GmbH
Labor bei BASF

Der Chemiekonzern musste seine Prognose gleich um 30 Prozent zurücknehmen.

(Foto: obs/Accor Hotellerie Deutschland GmbH)

Als BASF in dieser Woche die Gewinnerwartungen für 2019 drastisch senkte, war die Aufregung groß. Nicht nur Anleger fragten sich, wie ein Weltkonzern sich derart verkalkulieren kann. Anstelle eines um bis zu zehn Prozent höheren Betriebsergebnisses sollen es plötzlich bis zu minus 30 Prozent werden.

Verantwortlich macht BASF eine ganze Reihe von Problemen: fallende Weltmarktpreise, merklich schwächelnde Kundenindustrien wie die Autobranche, Handelskonflikte und noch dazu Überschwemmungen in den Agrarregionen der USA.

Bemerkenswert ist, dass die Anleger dies dem Chemiekonzern nicht sonderlich übel nahmen. Am Ende des Tages stand ein Kursverlust von weniger als fünf Prozent. Klar ist aber: Es darf in diesem Jahr nicht noch eine Gewinnwarnung geben. Sie würde an der Börse mit der ultimativen Höchststrafe geahndet – dem nachhaltigen Vertrauensentzug.

BASF liegt im Trend. In den vergangenen Tagen kassierten einige Unternehmen ihre Prognosen, darunter die Weltmarktführer Krones, Hersteller von Abfüllanlagen, und Fuchs Petrolub, Produzent von Schmierstoffen, sowie der Autozulieferer Aumann. Dem Halbleiterkonzern Infineon ist es zuvor passiert. 2018 kappte jedes dritte börsennotierte deutsche Unternehmen mindestens einmal seine Prognose.

Es trifft meist Firmen, die sich konkrete und ambitionierte Ziele fürs Jahr setzen – und nicht die, die nur zahlenfreie, schwammige Prognosen geben. Die Enttäuschung über jede einzelne Gewinnwarnung sollte die Firmen jetzt aber nicht dazu verleiten, möglichst unkonkret zu bleiben, bloß um am Ende nichts einkassieren zu müssen. Die Rückkehr zu ambitionslosen Vorhersagen ist keine Alternative.

Lange Zeit sahen sich die meisten Unternehmen in der Tradition des legendären Deutsche-Bank-Chefs Hermann Josef Abs. Er verweigerte kategorisch Prognosen. Heute können sich Unternehmen dem nicht mehr entziehen. Das musste vor einem Jahrzehnt Merck lernen.

Der Pharma- und Chemiespezialist hatte in seinem Geschäftsbericht 2008 unter Verweis auf die Finanzkrise ganz auf die Vorhersage für 2009 verzichtet. Die Prüfstelle für Rechnungslegung erkannte solch eine Verweigerung nicht an. Die Börsenaufsicht Bafin bestätigte diese Auffassung und stufte das Versäumnis als „wesentlichen Fehler“ ein, denn für Anleger und Analysten hätten Prognosen eine hohe Bedeutung.

Anleger haben das Vertrauen verloren

Seither drückt sich niemand mehr um Prognosen. Doch sie blieben zunächst vage. 2011 meinte der Autobauer BMW mit Blick auf 2012, „über den nötigen Spielraum“ zu verfügen, „um auch in einem hochvolatilen Umfeld unsere starke Wettbewerbsposition zu halten“. Auch diese Zeiten sind zum Glück vorbei.

Vor allem ausländische Aktionäre, die mit 55 Prozent Anteilsbesitz die Mehrheit an den Dax-Konzernen halten, leiten ihre Anlageentscheidungen aus Prognosen ab, die mit Kennzahlen unterlegt sind. So verlangen sie es auch von deutschen Konzernen. Verfehlte Prognosen werden in aller Regel mit Verkäufen und Kursabschlägen bestraft.

Die Unternehmen und ihre immer wichtiger gewordenen Finanzchefs stehen dabei vor einem Spagat: Sie sollen prägnante Jahresprognosen abgeben, die allen künftigen Entwicklungen standhalten und für die sie moderne Systeme zur Risikokontrolle einsetzen.

Dass so etwas nicht 100-prozentig funktioniert, erfuhren die Anleger von Continental. Im April 2018 und noch einmal im August senkte der Autozulieferer seine Prognose. Bis heute hat sich der lange Zeit von Rekord zu Rekord eilende Aktienkurs davon nicht erholt. Anleger haben das Vertrauen verloren, weil zu oft Falsches versprochen wurde.

Dabei zählt Vorstandschef Elmar Degenhart keineswegs zu den notorischen Daueroptimisten, die sich der Realität verweigern. Continental wurde vielmehr Opfer seiner punktgenauen Vorhersage, den Umsatz auf 47 Milliarden Euro zu erhöhen und eine Profitabilität (Ebit-Marge) von 10,5 Prozent zu erreichen. Weil auch die erste gesenkte Prognose noch sehr zielgenau blieb und darüber hinaus nur wenig von der Ursprungsvorhersage abwich, kam es zur zweiten Korrektur. Sie löste das Kursdesaster aus.

Damit sich das nicht wiederholt, weicht Continental diesmal auf eine Bandbreite aus und visiert einen Umsatz von 45 bis 47 Milliarden Euro und eine Marge von acht bis neun Prozent an. Auch BASF hält sich nun mit der Formulierung „bis zu 30 Prozent weniger Gewinn“ einige Türen offen. Der Konzern hat die Latte so niedrig gelegt, dass eine zweite Gewinnwarnung in diesem Jahr vermieden werden soll.

Die ist zwar nicht ausgeschlossen, zumal die Konjunktur schwächelt. Doch Continental und BASF machen nicht den Fehler, auf blumige Absichtserklärungen auszuweichen. Sie helfen keinem, weder den Firmen noch den Investoren. Beides, die Spekulation mit Aktien und die Steuerung eines Unternehmens, ist immer mit Risiken verbunden.

Die Firmen sollten daher Mut zu Prognosen beweisen, die so genau wie möglich sind. Trotz aller Rückschläge, wie sie BASF jetzt verkünden musste.

Mehr: Die eingetrübte Weltwirtschaft und Handelskonflikte machen der Chemiebranche immer mehr zu schaffen. Der Branchenverband senkt erneut die Prognose für 2019.

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