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Kommentar Unternehmen zahlen ihren Vorständen die falschen Boni

Die Sonderzahlung bei Thyssen-Krupp sorgt für Streit. Es zeigt sich, dass die Vergütungssysteme in der Wirtschaft noch zu sehr auf Rendite getrimmt sind.
08.12.2020 - 18:17 Uhr 1 Kommentar
Der Aufsichtsrat hat dem Vorstand einen Sonderbonus bewilligt. Quelle: AFP
Zentrale von Thyssen-Krupp in Essen

Der Aufsichtsrat hat dem Vorstand einen Sonderbonus bewilligt.

(Foto: AFP)

Der Stahlkonzern Thyssen-Krupp will seinen Vorständen trotz miserabler wirtschaftlicher Lage einen Jahresbonus zahlen. Nach den Regeln des konzerneigenen Vergütungssystems fällt der zwar aus, aber der Aufsichtsrat hat sich zu seiner Sonderzahlung entschieden. Und begründet das mit „individuellen Leistungen“ in einer „Ausnahmesituation“. Keine gute Argumentation, denn damit ließe sich in diesem Jahr so ziemlich alles begründen.

Bonus bezeichnet im Lateinischen das Gute, den Tüchtigen und Uneigennützigen. Bonus steht aber auch für begütert und reich. Diese recht unterschiedlichen Wertungen erklären denn auch den Streit, den die geplante Sonderzahlung bei Thyssen-Krupp auslöst.

Der Aufsichtsrat belohnt den Tüchtigen, der Betriebsrat hat kein Verständnis dafür, dass er Mitarbeitern den drohenden Verlust des Arbeitsplatzes erklären muss, während der ohnehin begüterte Vorstand auch noch belohnt werden soll.

Was sich bei dem Industriekonzern Thyssen-Krupp gerade abspielt, werden wir in den kommenden Monaten noch mehrfach erleben. Vorstände von Unternehmen in Krisenlagen werden keinen Jahresbonus bekommen oder nur einen ganz kleinen. Denn meist sind es betriebswirtschaftliche Kriterien, nach denen Boni bemessen sind, Gewinnkennziffern, Renditen, Umsatzziele. Da sieht es bei einigen Unternehmen in diesem Jahr nicht gut aus.

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    Wenn Boni dann ausfallen, ist das eigentlich logisch, und es beweist, dass die Vergütungssysteme der Unternehmen funktionieren. Kein wirtschaftlicher Erfolg, also auch keine Belohnung. So gesehen macht der Aufsichtsrat des Ruhrkonzerns gerade einen großen Fehler. Er korrigiert im Nachhinein ein mit den Investoren des Unternehmens abgesprochenes Steuerungssystem.

    Rückkehr zu reinem Fixgehalt ist keine Lösung

    Solche Systeme sind ja nicht von der Stange, sondern bewusst so ausgestaltet, dass sie dem Vorstand Anreize setzen, die Unternehmen dorthin zu steuern, wohin ihre Eigentümer sie gesteuert haben wollen.

    Doch die Lage ist in diesem Jahr in der Tat eine ganz besondere. Niemand konnte auch nur im Ansatz mit der Pandemie und deren Folgen rechnen. Kein noch so perfekt austariertes Vergütungssystem wäre in der Lage, einen solchen Einbruch angemessen zu spiegeln. Jedenfalls kein Vergütungssystem, wie wir es kennen.

    Solange Jahresprämien wie auch Langfristtantiemen an Gewinn, Aktienkursen und ökonomischen Performance-Kriterien bemessen werden, so lange werden wir auch keine Managergehälter bekommen, die breite Akzeptanz finden und die auch einem Notfall wie der Pandemie halbwegs standhalten. Daran hat auch die seit Jahren andauernde Optimierung und Verkomplizierung der Vergütungssysteme nichts geändert.

    Vieles spricht also dafür, die Bezahlung der Führungskräfte neu auszurichten. Einen Trend haben übrigens die dafür verantwortlichen Aufsichtsräte schon vorgegeben: War es zur Jahrtausendwende noch schick, auch den Kontrolleuren Erfolgsvergütungen zu zahlen, so ist das heute gänzlich unschicklich. Die Festvergütung ist inzwischen State of the Art. Begründung: Gute Arbeit gilt es auch in schlechten Jahren angemessen zu entlohnen.

    Auch bei den Vorstandsvergütungen verschiebt sich die Bezahlung zunehmend Richtung Grundgehalt, zwei Millionen Euro pro Jahr sind unter den Dax-Chefs keine Seltenheit mehr. Allerdings: Obendrauf kommen immer noch Boni und Tantieme – und zwar üppige. Da fragt man sich schon, ob der einmalige Bonusausfall wirklich so schmerzhaft für den einzelnen Vorstand ist, dass er mit Sonderzahlungen ausgeglichen werden muss.

    Grafik

    Die Rückkehr zum reinen Fixgehalt für Vorstände wäre allerdings keine Lösung. So war das früher einmal, als Generaldirektoren über die deutschen Konzerne herrschten. Und als Prestige noch die härteste Währung war, um Topmanager zu bezahlen. Heute wird über Geld gesteuert. Umso wichtiger ist es, die richtigen geldwerten Anreize zu setzen.

    Die Pandemie hat wie kaum eine Krise zuvor gezeigt, dass Unternehmen sich nicht im luftleeren Raum bewegen. Unternehmen sind Bestandteil der Gesellschaft, abhängig von Politik und Umwelt. Geld zu verdienen ist die eine Seite der Strategie, das sichert das Überleben des Unternehmens. Klimaziele zu beachten oder Sozialstandards zu respektieren muss die andere Seite sein, das sichert das Überleben der Gesellschaft.

    Darauf sollten auch die Managervergütungen ausgerichtet sein. Kapitalrenditen zählen genauso wie die gesellschaftliche Rendite. Einen Vorstand dafür zu bestrafen, dass er das Unternehmen auf saubere Lieferketten verpflichtet, Arbeitsplätze sichert oder die Dekarbonisierung über das gesetzlich geforderte Maß hinaus umsetzt, das ist Vergütungspolitik von gestern.

    Spontane, vom Aufsichtsrat verteilte Sonderboni allerdings geben ein falsches Signal. Wenn damit Fehlkonstruktionen des Vergütungssystems korrigiert werden sollen, dann muss eben die Konstruktion geändert werden.

    Mehr: Thyssen-Chefkontrolleur Russwurm verteidigt die Sonderzahlung an den Vorstand

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    1 Kommentar zu "Kommentar: Unternehmen zahlen ihren Vorständen die falschen Boni"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Das Beispiel thyssenkrupp illustriet den Irrsinn der Vergütung von Aufsichtsräten und Vorständen hervorragend: Letztlich herrscht Verantwortungslosigkeit und eine Kultur des "Nicht-Haftens". Es ist völlig egal, dass durch Entscheidungen des Vorstands, stets vom Aufsichtsrat abgenickt, Unternehmen ruiniert werden - weder Vorstand noch Aufsichtsrat werden in irgendeiner Form zur Verantwortung gezogen, und sei es durch Kürzung der Vergütung auf 0. Seit Jahren haben Vorstände (und die nicht kontrollierenden Aufsichtsräte) thyssenkrupp ruiniert: Vorstand will mitten in einem (seltenen) Stahlboom ein Werk in Brasilien (wo schon so viele deutsche Unternehmen gescheitert sind) und eine Walzstraße in Alabame errichten? Na klar, Aufsichtsrat schreit vor Glück und stimmt zu - obwohl die Mannschaft unterhalb des Vorstands schon damals genau wusste, dass alle Zahlen schön gerechnet, die Risiken enorm und Widrigkeiten überhaupt nicht berücksichtigt waren. Jeder der unbefangen auf diese Strategie geschaut hatte, wusste dass das nicht gut gehen konnte. Folge: Das Unternehmen war so gut wie ruiniert. Danach kam nach einer kurzen Phase einer rationalen Strategie unter Heinrich Hiesinger Frau Merz an das Ruder - und zwar, weil die Vorsitzende des Kuratoriums der Stiftung, Frau Gather, die Macht zu Kopf gestiegen war, sie in den Aufsichtsrat einzog, obwohl sie komplett ahnungslos war. Frau Merz stütze erst Hiesinger und Kerkhoff bei dem Versuch, thyssenkrupp um die einzig profitable Sparte neu aufzustellen, schwenkte aber dann als Vorstandsvorsitzend auf den irrsinnigen Plan des Verkaufs von Elevator ein. Zurück blieben nur noch Verlustbringer. Wieso hat irgendeiner der Vorstände der letzen Jahre einen Bonus verdient? Wieso haben die ganzen Fehlleistungen keine persönlichen Konsequenzen? Wie kann es sein, dass Vorstände - gedeckt durch den Aufsichtsrat - mit abstrusen Strategien Unternehmen ruinieren, Boni bekommen und nie zur Verantwortung gezogen werden? Wo ist die Verantwortung?

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