Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Wall Street

Die Euphorie an den Märkten ist trügerisch.

(Foto: dpa)

Kommentar US-Investoren finden in fast allen Wahl-Szenarien etwas Gutes – doch sie freuen sich zu früh

Ein gespaltener Kongress ist gut für die Märkte – so lautet die Wall-Street-Weisheit. Doch vor lauter Euphorie übersehen Anleger wichtige Warnsignale.
06.11.2020 - 05:48 Uhr 1 Kommentar

Ohne zu zögern haben Anleger in der Nacht zum Mittwoch umgeschaltet. Aus der Blauen Welle wird nichts? Kein Problem. In Windeseile wurden Portfolios umgeschichtet. Joe Biden, so die neue Argumentation, würde immer noch ins Weiße Haus einziehen. Und wenn die Mehrheit im Senat bei den Republikanern bleibt, dann würde Biden immerhin nicht zu weit nach links schwenken und die Steuererhöhung würde auch ausfallen.

Die Drohung von US-Präsident Donald Trump, zur Not bis zum Obersten Gerichtshof gegen das Wahlergebnis zu klagen, schienen die Anleger überhört zu haben. Die Stimmung war am Mittwoch und am Donnerstag ungebrochen gut. Obwohl zu der Zeit der Sieger der US-Präsidentschaftswahl immer noch nicht feststand.

Es ist die Rally, die niemals endet. In fast allen Szenarien lässt sich eben etwas Gutes finden. Ende der Diskussion.

Doch die Anleger haben sich zu früh gefreut.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Erstens: Selbst wenn am Freitag der Sieger feststehen sollte, ist die Sache noch längst nicht beendet. Die Klagewelle hat begonnen. Mit seinem Statement am Donnerstagabend hat Trump zudem das Land schockiert. Den unfundierten Angriff auf Amerikas Wahlsystem und den demokratischen Prozess fanden drei TV-Stationen so schockierend, dass sie die Live-Übertragung aus dem Weißen Haus abbrachen.

    „Trump verbreitet Lügen über die Auszählung“ titelte die „New York Times“. Statt sich um das Konjunkturpaket und um die Folgen der Pandemie zu kümmern, wird Trump die kommenden Wochen nur mit diesem Thema beschäftigt sein. Es sollte niemanden überraschen, dass er bereit ist, mit Klagen, Lügen und dem verdeckten Aufruf zu Gewalt um sein Amt zu kämpfen. Das wird die Euphorie an den Märkten zumindest dämpfen. Die Futures drehten am frühen Freitagmorgen ins Minus.

    Zweitens: Die Zahl der Corona-Infektionen steigt dramatisch an. Es ist gerade einmal eine Woche her, dass die neue Welle für schlechte Stimmung an den Aktienmärkten sorgte. Wenn sich die Aufregung um das Wahlergebnis legt, dann wird die harte Realität wieder einsetzen.

    Mit mehr als 100.000 neuen Infektionen am Tag wütet die Pandemie damit schlimmer als zur ersten Phase im März. Eine ganze Reihe von Bundesstaaten steht kurz davor, neue Lockdowns anzuordnen, weil die Krankenhäuser überlastet sind. Gouverneure raten von Reisen zu Thanksgiving ab, was Ende November eigentlich das größte Familienfest der Amerikaner ist und mit viel Reisen verbunden ist. Und bis ein neues, und deutlich kleineres Konjunkturpaket auf den Weg gebracht wird, wird es noch Monate dauern.

    Drittens: Das tief gespaltene Land, das Trump und Biden dieses knappe Wahlergebnis beschert hat, ist kein gutes Omen. Es wird es extrem schwierig machen, die Pandemie in den Griff zu bekommen, vor allem, weil Trump das Maskentragen immer noch politisiert. Bis ein Impfstoff auf dem Markt ist und die Menschen auch tatsächlich geimpft sind, wird länger dauern, als sich das viele derzeit vorstellen. Auch alle kommenden Krisen werden vermutlich nur schwer, wenn überhaupt, lösbar sein.

    Wenn es künftig keine oder nur schlechte Impulse aus der Politik gibt, rückt die Notenbank wieder stärker in den Fokus. Die Rettungsaktion, die im März begann und dank der Anleihekäufe immer noch andauert, ist gelungen.

    Doch Anleger sollten sich darauf einstellen, dass die nächsten Maßnahmen der Federal Reserve nicht so wirksam sein können. Schließlich können die Währungshüter die fehlenden fiskalpolitischen Maßnahmen nur zum Teil abfedern. Fed-Chef Jerome Powell merkte bei der Pressekonferenz am Donnerstag an, dass die Notenbank zwar mehr Anleihen kaufen aber nicht ein Gesundheitssystem stützen können.
    Zu viel gute Laune ist daher fehl am Platz.

    Mehr: Die geordnete Machtübergabe in den USA ist gefährdet

    Startseite
    Mehr zu: Kommentar - US-Investoren finden in fast allen Wahl-Szenarien etwas Gutes – doch sie freuen sich zu früh
    1 Kommentar zu "Kommentar: US-Investoren finden in fast allen Wahl-Szenarien etwas Gutes – doch sie freuen sich zu früh"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Der Name Astrid Dörner sollte man sich merken. Sehr nüchtern analysiert. Ich bin gespannt wie die Bilanz am Monatsende ausfallen wird und ob ein Konjunkturpaket überhaupt eine Aussicht auf Erfolgt haben wird oder werden sich die beiden Lager nur gegenseitig blockieren und die Schuld zuweisen.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%