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Kommentar US-Präsident Trump wird zum Risiko im Kampf gegen die Coronakrise

Der US-Präsident wirkt in der Coronakrise gnadenlos überfordert. Sein mangelhaftes Krisenmanagement erschwert den weltweiten Kampf gegen das Virus.
13.03.2020 - 10:25 Uhr Kommentieren
Anfangs verharmloste US-Präsident Donald Trump die Lage, nun will er durchgreifen. Quelle: AP
US-Präsident Donald Trump

Anfangs verharmloste US-Präsident Donald Trump die Lage, nun will er durchgreifen.

(Foto: AP)

Orientierungslosigkeit, Hilflosigkeit, Fassungslosigkeit – die Menschen flüchten in historische Analogien, um zu verstehen. Sie suchen nach Maßstäben, um diese Krise einzuordnen. All das will nicht so recht gelingen, angesichts der Wucht der Ereignisse: abstürzende Börsen, gelähmte Volkswirtschaften, eingefrorenes Sozialleben. Wann hat es das schon in dieser Form gegeben?

Wer noch vor einem Monat prognostiziert hätte, dass ein Virus einen neuen Lehman-Moment herbeiführen würde, wäre der Hysterie bezichtigt worden. Doch spätestens seit der Garantieerklärung der Bundesregierung – rhetorisch auffällig angelehnt an die „Whatever it takes“ -Erklärung des ehemaligen EZB-Präsidenten Mario Draghi – dürfte auch dem Letzten klar geworden sein: Es geht ums Ganze. Auch der Finanzminister sprach wie Draghi von einer „Bazooka“ – so als verfügte der Staat wie die Notenbanken über unendliche Mittel.

In solchen Tagen ist es so unermesslich wichtig, wie die politisch Verantwortlichen auftreten, welchen Ton sie anschlagen und vor allem: ob ihnen die äußerst schwierige Gratwanderung gelingt, den Menschen den Ernst der Lage klarzumachen, ohne Panik zu schüren; das Leben der Menschen zu retten, ohne deren Lebensgrundlage zu zerstören, also die Wirtschaft komplett abstürzen zu lassen. 

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    Wenig überraschend ist, dass es wieder einmal Donald Trump ist, der in dieser äußerst diffizilen Aufgabe neue Maßstäbe setzt – und zwar im negativen Sinne. Erst verharmloste der US-Präsident die Pandemie. Sie sei nicht schlimmer als eine Grippe und die Regierung habe dank seines „hervorragenden Krisenmanagements“ alles im Griff, ließ Trump zunächst wissen. 

    Erst als die Kurse an der Wall Street einbrachen, kam der Sinneswandel. Auch darüber wundert sich niemand. Schließlich betrachtet Trump die Entwicklung der Aktienmärkte als das Kriterium für die Beurteilung seiner Präsidentschaft – und in den vergangenen drei Jahren ließ er kaum keine Gelegenheit verstreichen, die positive Entwicklung an den Börsen als sein Verdienst darzustellen. 

    Schuldzuweisungen aus Washington

    Das geht jetzt nicht mehr. Und so ist es jetzt Zeit, Phase zwei einzuläuten und Schuldige zu finden – erstens für den Absturz der Kurse, zweitens für die Pandemie als Ganzes. Für Trump die leichteste aller Übungen. Für ersteres schob er die Verantwortung der „armseligen und viel zu langsamen“ US-Notenbank zu, die nicht entschlossen genug die Zinsen senke.

    Für zweiteres bezichtigte er die Europäer, die nicht in der Lage gewesen seien, das Virus effizient zu bekämpfen und die es dann auch noch nach Amerika einschleppten. In der trumpschen Logik haben Viren neuerdings sogar Nationalitäten. Als wäre das alles nicht schon grotesk genug, verfügte das „stabile Genie“ (Trump über Trump) einen 30-tägigen Einreisestopp für Europäer - und bescherte dem Dow Jones den größten Tagesverlust seit vielen Jahren.

    Das, was für Trump noch vor wenigen Tagen nicht viel mehr als ein „harmloser Schnupfen“ war, ist jetzt auf einmal Grund genug, den nationalen Notstand auszurufen, damit die Amerikaner auf einen Notfonds im Volumen von 50 Milliarden Dollar zugreifen können.

    Es ist eine Kehrtwende – immerhin. Trotzdem stellt sich inzwischen sogar die Frage, ob von den USA nicht sogar die größte Gefahr in dieser Krise ausgeht. Die angebliche niedrige Zahl der Infizierten – derzeit 2500 – ist vor allem deshalb so niedrig, weil in den USA kaum getestet wird. Der Grund: Es fehlt an Tests. Während Südkorea 12.000 Menschen täglich testet, waren es in den USA bislang rund 15.000 insgesamt.

    Noch bedrohlicher: Die 30 Millionen US-Bürger ohne Krankenversicherung werden sich kaum in ärztliche Behandlung begeben, um sich testen zu lassen. Sie stellen nicht nur die große Unbekannte in der US-Statistik dar. Sie sind zugleich der größte potenzielle Infektionsherd. Jetzt rächt sich zudem, dass Trump als einer seiner ersten Amtshandlungen den Stab für Pandemien im Weißen Haus aufgelöst hat. Der Präsident ist nicht nur ein notorischer Wissenschaftsverächter, er fordert auch seit Jahren massive Etatkürzungen für Forschungseinrichtungen.

    Auch Europa ist überfordert

    Es gibt also wenig Anlass für Trump, auf Europa herabzuschauen. Auch die europäischen Regierungen sind sichtlich überfordert in dieser Krise, agieren planlos und uneinheitlich. Aber ist gibt entscheidende Unterschiede. Das zeigt schon die Haltung der Verantwortlichen.

    Frankreichs Präsident Emmanuel Macron etwa zeigt sich demütig. Er forderte keine Abschottung, sondern internationale Zusammenarbeit – und mehr Solidarität. Auch Kanzlerin Angela Merkel macht aus ihrer Macht- und Orientierungslosigkeit keinen Hehl. Sie setzt auf wissenschaftlichen Rat und betreibt ihre vorsichtige Politik des Versuchs und Irrtums – um sich an den richtigen Weg heranzutasten.

    Die Herausforderung ist gewaltig. Die sieben größten Volkswirtschaften (G7) plus China sind gleichzeitig in einer Schockstarre, sowohl was die Angebots- als auch die Nachfrageseite angeht. Auch das hat es so in dieser Form noch nie gegeben.

    Es ist nicht unwahrscheinlich, dass am Ende die bescheideneren, kooperativen und wissenschaftsgetriebenen Ansätze der Europäer erfolgreicher bei der Überwindung dieser Krise sein werden als der konfrontative Ansatz des US-Präsidenten. Für Trump ist diese Pandemie vor allem eine weiterer Bestätigung seines isolationistischen Abschottungskurses.

    Mehr: Trumps 180-Grad-Wende – USA rufen nationalen Notstand aus

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