Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar US-Wahlkampf: Trumps Unbesiegbarkeit ist nur ein Märchen

Nach dem Prognosedebakel von 2016 verfallen die USA nun ins andere Extrem und halten Donald Trump für unbesiegbar. Das ist auch falsch.
19.05.2020 - 04:03 Uhr 1 Kommentar
Kaum jemand wagt, die eigentlich fälligen Abgesänge auf Trump anzustimmen – aus Angst, die Stimmung in der Bevölkerung erneut falsch einzuschätzen. Quelle: AP
Donald Trump

Kaum jemand wagt, die eigentlich fälligen Abgesänge auf Trump anzustimmen – aus Angst, die Stimmung in der Bevölkerung erneut falsch einzuschätzen.

(Foto: AP)

Die US-Präsidentschaftswahl 2016 war das wahrscheinlich größte Desaster, das die Kaste der professionellen Politikbeobachter je erlebt hat. Demoskopen, Journalisten, die einschlägigen Thinktanks – kaum jemand hatte den Wahlsieg von Donald Trump korrekt vorausgesagt oder auch nur als realistische Option eingepreist. Die wenigen, die mit ihren Prognosen richtig lagen, drangen nicht durch gegen den Chor der herrschenden Meinung, die da lautete: Niemals werden die Amerikaner den Politclown Trump ins Weiße Haus wählen.

Für die nun am 3. November anstehenden Präsidentschaftswahlen sind die professionellen Politikbeobachter vorsichtig geworden, übervorsichtig geradezu. Der Vorsprung des demokratischen Bewerbers Joe Biden vor Amtsinhaber Trump in den Meinungsumfragen ist nach allen gängigen Maßstäben solide. Landesweit liegt Biden im Schnitt der Umfragen rund fünf Prozentpunkte vor Trump.

Mit einer ähnlichen Marge führt Biden auch in den wichtigsten „Swing States“ Florida, Michigan, Pennsylvania und Wisconsin. Hillary Clinton hatte 2016 in allen vier Staaten verloren. Diese Bundesstaaten entscheiden faktisch über die Mehrheit im Wahlmännergremium und damit über den nächsten Präsidenten.

Um Biden zum sicheren Sieger auszurufen, reichen diese Prognosen zwar noch nicht aus. Schließlich beginnt der Wahlkampf in den USA gerade erst, und noch ist völlig unklar, zu wessen Gunsten sich die dabei geltenden Corona-Beschränkungen auswirken werden.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Doch schon jetzt lässt sich sagen: Wenn Trump die Stimmung der Wähler in den kommenden Monaten nicht grundsätzlich dreht, wird er sich in die ruhmlose Riege der „one-termer“ einreihen – jener Präsidenten, die vom Wähler nach nur einer Amtszeit aus dem Weißen Haus gejagt wurden.

    Andere Präsidenten verloren Amt in Wirtschaftskrisen

    Jimmy Carter ist das zuletzt bei den Demokraten passiert und George Bush senior bei den Republikanern. Beide verloren ihr Amt in einer Wirtschaftskrise, die weit weniger dramatisch war als die Rezession, in der die USA derzeit stecken.

    Doch seltsam ist: Kaum jemand wagt, die eigentlich fälligen Abgesänge auf Trump anzustimmen – aus Angst, die Stimmung in der Bevölkerung erneut falsch einzuschätzen. Lautete das Mantra 2016 noch „Einer wie Trump kann einfach nicht gewinnen“, dominiert nun die Stimmung „Einer wie Trump kann einfach nicht verlieren“.

    Wie die Experten sind auch die US-Bürger in diesem Zwiespalt gefangen: 55 Prozent gehen davon aus, dass Trump die Wahl gewinnt – obwohl sich eine etwa ebenso große Mehrheit einen Wechsel im Weißen Haus wünscht.

    Trump ist nicht unbesiegbar. Genau genommen hat er bereits 2016 nur äußerst knapp gewonnen. Und zwar gegen die schwache Gegenkandidatin Hillary Clinton, die bei gleich drei wichtigen Wählergruppen der Demokraten nicht gut ankam: bei weißen Wählern der Arbeiterschicht, die stattdessen für Trump stimmten. Bei Afroamerikanern, die Clinton nicht im gleichen Maße zur Stimmabgabe bewegen konnte wie zuvor Barack Obama.

    Und schließlich bei linken Wählern, die sich lieber Bernie Sanders als demokratischen Kandidaten gewünscht hätten. Was Clinton aber letztlich den Wahlsieg gekostet hat, war wenige Tage vor der Wahl die Ankündigung der US-Bundespolizei, die Ermittlungen gegen Clinton in der sogenannten E-Mail-Affäre wieder aufzunehmen.

    Biden ist kein politisches Supertalent

    Auch Biden ist kein politisches Supertalent. Doch seine Fähigkeit, jedem Bürger mit Respekt und Empathie zu begegnen, macht ihn in der afroamerikanischen Community beliebt. Er hat gute Chancen, bei dieser Wählergruppe eine höhere Wahlbeteiligung zu erreichen als Clinton.

    Die linken Anhänger von Bernie Sanders versucht Biden, mit inhaltlichen Zugeständnissen auf seine Seite zu ziehen, etwa einer teilweisen Streichung von Studiengebühren. Bei der weißen Arbeiterschaft setzt er auf all jene, die von Trumps Corona-Krisenmanagement enttäuscht sind.

    Was Biden am ehesten zum Verhängnis werden könnte, wären neue Anschuldigungen wegen angeblicher sexueller Übergriffe oder Zweifel an seinem Gesundheitszustand. Biden ist immerhin 77, und tatsächlich wirkt er in Interviews nicht immer wie der Fixeste im Kopf. Zyniker sagen, die Wahlaussichten für die Demokraten seien umso besser, je weniger die Wähler vom Kandidaten Biden zu sehen bekämen.

    Genau an diesem Punkt setzt die Wahlkampfstrategie der Republikaner an. Sie karikieren Biden als senilen Trottel. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob das „negative campaigning“ bei den wenigen Wechselwählern verfängt, die letztlich darüber entscheiden, wer ab 2021 im Weißen Haus sitzt.

    Die beiden „one-termer“ Carter und Bush konnten sich nach ihren Niederlagen damit trösten, dass sie gegen die jeweils größten politischen Talente ihrer Zeit verloren hatten – gegen Ronald Reagan beziehungsweise Bill Clinton. Wenn Trump im November verliert, dann sicher nicht wegen der Stärke seines Gegenkandidaten. Sondern weil die Mehrheit der Amerikaner ihn für einen schlechten Präsidenten hält.

    Mehr: Wie die Krise der Trump-Hotels die Interessenkonflikte des US-Präsidenten verschärft, lesen Sie hier.

    Startseite
    Mehr zu: Kommentar - US-Wahlkampf: Trumps Unbesiegbarkeit ist nur ein Märchen
    1 Kommentar zu "Kommentar: US-Wahlkampf: Trumps Unbesiegbarkeit ist nur ein Märchen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • stimmt...aber bis zur Wahl ist noch lang hin...und Trump ist leider ein Meister der Politik der verbrannten Erde...aber unbesiegbar ist er sicherlich nicht!

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%