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Kommentar Verdis widersprüchliche Tarifpolitik ist ein Schlag ins Gesicht

Gewerkschaften kämpfen für eine Aufwertung des Staatsdienstes. Gleichzeitig versprechen sie Angelernten das Blaue vom Himmel. Das geht nicht zusammen.
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Verdi verlangt 20 Euro Stundenlohn für Sicherheitskontrolleure an Flughäfen. Quelle: dpa
Streik

Verdi verlangt 20 Euro Stundenlohn für Sicherheitskontrolleure an Flughäfen.

(Foto: dpa)

An diesem Montag treffen sich in Berlin die Länderarbeitgeber mit den Gewerkschaften zur ersten Verhandlungsrunde. Und schon bald wird man die ersten Krankenschwestern oder Lehrer streiken sehen.

Verdi und Beamtenbund trommeln für eine Aufwertung des Staatsdienstes, damit dem angesichts anstehender Pensionierungswellen nicht irgendwann der Nachwuchs ausgeht. Deshalb sollen – ähnlich wie beim Abschluss mit dem Bund und den Kommunen vom vergangenen Jahr – gezielt bestimmte Berufsgruppen aufgewertet werden: IT-Fachkräfte, Planungsingenieure, Pflegerinnen.

Doch wie glaubwürdig ist der Einsatz für die begehrten Fachkräfte, wenn Verdi und Beamtenbund zugleich 20 Euro Stundenlohn für die privaten Sicherheitskontrolleure an den Flughäfen fordern und dafür den Luftverkehr lahmlegen? Gehaltssprünge zwischen 17 und 36 Prozent in einem Anlernberuf, die die Anhebung auf 20 Euro bedeuten würde, sind ein Schlag ins Gesicht für Krankenschwestern oder Polizisten, die teils deutlich weniger verdienen. Wer Qualifikation und Erfahrung stärker belohnen will, darf nicht auf der anderen Seite Angelernten das Blaue vom Himmel versprechen.

Auch bei der jetzt startenden Runde im öffentlichen Dienst zeigen die Gewerkschaften wieder ein Herz für die unteren Lohngruppen. Die Entgelte sollen um sechs Prozent, mindestens aber um 200 Euro angehoben werden. Allerdings entfaltet diese soziale Komponente weniger Wirkung als bei den Kommunen, weil diese deutlich mehr Beschäftigte am unteren Ende der Einkommensskala haben als die Länder.

Die Arbeitgeber werden alles daransetzen, gezielt Mangelberufe aufzuwerten – und das zu Recht. Ohne IT-Fachkräfte, ohne Planungsingenieure lässt sich die von den Gewerkschaften geforderte Investitionsoffensive nun mal nicht realisieren. Angesichts der sehr unterschiedlichen Finanzlage der Länder und der ab 2020 greifenden Schuldenbremse sollte das in der Einkommensrunde zu verteilende Geld nicht mit der Gießkanne ausgeschüttet, sondern zielgerichtet verteilt werden.

Gut investiert wären zusätzliche Lohnprozente bei Auszubildenden, Berufseinsteigern und in den Berufen, in denen Knappheit am Arbeitsmarkt herrscht. Das löst nicht auf einen Schlag die Personalprobleme des öffentlichen Dienstes, weil es auf vielen Feldern einfach zu wenig ausgebildetes Personal gibt und die Privatwirtschaft im Zweifel doch noch mehr zahlt.

Doch attraktive Einstiegskonditionen und Karriereoptionen könnten auf Dauer dazu führen, dass sich auch wieder mehr gut Qualifizierte für den Staatsdienst entscheiden. Un- und Angelernte an anderer Stelle überproportional zu belohnen ist da aber sicher das falsche Signal.

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