Kommentar Verlage müssen das Lesen als Qualitätszeit vermarkten

Der Buchhandel kämpft mit der Digitalisierung. Eine Antwort auf die Herausforderung könnte die Vermarktung von Lesen als Entschleunigung sein.
Kommentieren
Die weltgrößte Buchmesse findet bereits zum 70. Mal statt. Dabei befindet sich die Literaturbranche im Taumel. Quelle: imago/Michael Schick
Die Frankfurter Buchmesse

Die weltgrößte Buchmesse findet bereits zum 70. Mal statt. Dabei befindet sich die Literaturbranche im Taumel.

(Foto: imago/Michael Schick)

Ein Jubiläumsjahr lässt Lust am Feiern aufkommen. Es ist aber auch ein guter Anlass, genau zu erforschen, wie viel Zukunft der Jubilar noch hat. Dieser Doppelherausforderung sieht sich in diesen Tagen die Buchbranche ausgesetzt. Die Frankfurter Buchmesse, weltweit die größte ihrer Art, wird zum 70. Mal veranstaltet. Es ist ein Magnet für alle Marktteilnehmer, was zu allen möglichen Rekordwerten bei Ausstellern, Besuchern und Journalisten führt.

Es ist also „Bookfest“, doch wer hinter die Fassaden schaut, erblickt auch eine Branche im Orientierungstaumel, die mehr als 70.000 Titel im Jahr produziert und feststellen muss, dass ein geschlossener Kreis von „heavy usern“ weiter unverdrossen kauft – auch zu höheren Preisen –, während jüngere Milieus sich lieber am Nonstop-Sehen von Netflix-Serien delektieren, was das Nonstop-Lesen von Werken spannungsbegabter Autoren sekundär macht.

Anders gesagt: Der Branche fehlen für ihr ambitioniertes Angebot Käufer, was frei nach Adam Smith und Adam Riese unweigerlich irgendwann zu weniger Titeln, Verlagen und Buchhandlungen führen muss.

Bis dahin wird der Vorbereitungskampf ums Überleben geführt, um die beste Antwort auf die Digitalisierung. Es gibt dabei übrigens nicht wenige Buchhändler, die Verlagen raten, einfach etwas weniger zu machen und nicht immer mehr vom Gleichen.

Wonach sich alle sehnen, ist der direkte Zugang zum Leser, natürlich über die Datenweisheiten der Verkaufsmaschine Internet. Das macht die Verkäufer von IT-Systemen zunächst einmal genauso zu Gewinnern wie jene Literaturagenten, die Stoffe ihrer Autoren zum großen Abkassieren anbieten, auch zur multimedialen Verwertung.

Doch was fehlt, sind nicht Lizenzen, sondern ein tragfähiges Geschäftsmodell fürs Wohlergehen neben der Allmacht von Amazon. Eine erste Antwort liegt darin, das Lesen von Büchern stärker als Qualitätszeit jenseits digitaler Hektik zu vermarkten, als Mittel der Entschleunigung.

Startseite

Mehr zu: Kommentar - Verlage müssen das Lesen als Qualitätszeit vermarkten

0 Kommentare zu "Kommentar: Verlage müssen das Lesen als Qualitätszeit vermarkten"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%