Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Versichern statt entschädigen – Dürre-Hilfen für Landwirte sind der falsche Ansatz

Die Bundesregierung muss dem Vorbild anderer Länder folgen: Die Förderung von Versicherungen sollte staatliche Dürre-Nothilfen künftig ersetzen.
3 Kommentare
Dürre-Hilfen für Landwirte sind der falsche Ansatz Quelle: dpa
Getreideernte in Niedersachsen

Die wochenlange Dürre könnte aus Sicht des Deutschen Bauernverbands viele Landwirte ohne rasche Hilfe in Existenznöte treiben.

(Foto: dpa)

Berlin Extreme Wetterereignisse bergen stets ein hohes wirtschaftliches Risiko. Nach der Hitzewelle 2003 betrugen die ökonomischen Verluste im europäischen Agrarsektor insgesamt etwa 13 Milliarden Euro. Für die deutschen Landwirte wurden seinerzeit Schäden von „nationalem Ausmaß“ festgestellt. Erst dann kann der Bund überhaupt Finanzhilfen leisten. Damals flossen an acht betroffene Bundesländer 36 Millionen Euro.

Dieses Szenario könnte sich jetzt wiederholen – allerdings womöglich zu einem deutlich höheren Preis. In weiten Teilen Deutschlands gibt es seit Monaten große Trockenheit. Der Deutsche Bauernverband hat bereits Alarm geschlagen und seine Forderung adressiert: Der Bund möge eine Milliarde Euro für die Landwirte bereitstellen.

Das ist viel Geld. Und niemand kann jetzt schon mit Gewissheit sagen, ob es nicht noch mehr werden wird. Denn erst Ende August soll die Abschlussbilanz der Ernte vorliegen. Erste Schätzungen verheißen jedoch nichts Gutes. Deswegen ist die Forderung der Landwirte ernst zu nehmen. Doch ist sie auch berechtigt?

Fakt ist: Wetterextreme lassen sich nicht planen. Deswegen wäre es falsch, Hilfe zu verweigern. Natürlich kann man die Frage aufwerfen, ob witterungsbedingte Ernteausfälle nicht schlicht zum unternehmerischen Risiko gehören. Doch diese Perspektive wird dem komplexen Problem nicht gerecht.

Man kann von der Landwirtschaft verlangen, ein wirksames und eigenverantwortliches Risikomanagement in den Betrieben vorzunehmen. Denn sowohl ein beschleunigter Klimawandel als auch globalisierte Agrarmärkte machen der Branche seit Jahren zu schaffen und stellen manchen Bauern vor existenzielle Herausforderungen.

Doch gegen Hagel oder Sturm können sich Bauern versichern – gegen Trockenheit aber de facto nicht. Zwar gibt es auch Versicherungsangebote für Schäden durch Dürre. Doch die dafür nötige Risikoprämie liegt so hoch, dass die Mehrheit der Landwirte derzeit nicht bereit ist, eine derartige Versicherung abzuschließen.

Hier sollte die Politik ansetzen: Wenn sie nicht will, dass immer gleich nach staatlicher Unterstützung gerufen wird, sollte sie Anreize dafür schaffen, dass sich die Landwirtschaft gegen lange anhaltende Dürreperioden versichert. In anderen EU-Ländern ist die Unterstützung von Versicherungsprämien längst Realität.

Großflächige Dürren können die finanziellen Schäden schnell in sehr große und nur schwer beherrschbare Dimensionen steigen lassen. Genau deshalb ist eine umfassende Versicherung des Risikos besser als die Hoffnung auf undefinierte staatlichen Hilfen.

Startseite

Mehr zu: Kommentar - Versichern statt entschädigen – Dürre-Hilfen für Landwirte sind der falsche Ansatz

3 Kommentare zu "Kommentar: Versichern statt entschädigen – Dürre-Hilfen für Landwirte sind der falsche Ansatz"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Auf GAR KEINEN FALL dürfen die Landwirte für ihre umwelt- und menschenfeindlichen Anbaumethoden auch noch entschädigt werden. Die Leugner des Klimawandels in der AfD, das sind zum größten Teil Landwirte und Leute, die niemals auf die Idee kommen würden, Bioprodukte zu kaufen ud dafür etwas mehr Geld auszugeben. Wer in der Vergangenheit durch riesige Monokulturen und Giftspritzerei Millionen scheffelte, der muss auch mal ein Dürrejahr durchhalten können. Fördern würde ich nur Biobauern, die nachweislich durch ihren Landbau, durch kleinparzellige Äcker mit Baumbestand an den Rändern, durch Mischkulturen und alte Sorten den Boden gegen solche Trockenheit weitgehend unempfindlich machen. Wer um jeden Preis Rekorderträge erzielen will, der muss bestraft werden. Wir brauchen Qualität, nicht Quantität.

  • Wer A sagt muss auch zu B stehen
    Stolz berichtete der deutsche Bauerverband von seinen Erfolgen in der Tiermast. 2017 war Deutschland Exportweltmeister für Schweinefleisch. Jahrelang wurden in der Massentierhaltung Unmengen an Methangasen in die Atmosphäre emittiert. Und jetzt wo man die Quittung bekommt wird händeringend nach Hilfe gerufen. Wenn der Vorsitzende der Kreisbauernschaft Oberberg meint, dass die Landwirtschaft es nötig hat „dringend neue Wege zu finden sich dem Klimawandel anzupassen“ dann kann das doch nur eine radikale Abkehr von der industriellen Nahrungsmittelproduktion in Deutschland bedeuten – ob das der oberste Bauerverbandsvorsitzende Herr Rukwied mit seinem 290 Hektar Wirtschaftsfläche auch wirklich erst nimmt?

  • Stimme Ihnen zu, das dies der bessere Weg sein wird.

Serviceangebote