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Kommentar Viele Firmen bleiben bei ihren CO2-Versprechen zu vage – das trifft auch Anleger

Steigt mit dem Umsatz eines Unternehmens der CO2-Ausstoß, wäre das ein guter Indikator, dass es noch von einem veralteten Geschäftsmodell abhängig ist.
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Viele Firmen bleiben bei ihren CO2-Versprechen vage. Quelle: dpa
Kraftwerke im Ruhrgebiet

Viele Firmen bleiben bei ihren CO2-Versprechen vage.

(Foto: dpa)

Der 14. März 2011 war für viele Umweltaktivisten ein Tag des Sieges, für deutsche Energiemanager aber ein Schock. Denn quasi über Nacht entschied damals die Bundesregierung nach dem Reaktorunglück im japanischen Fukushima, innerhalb von nur zehn Jahren komplett aus der Atomenergie auszusteigen.

Wenige Wochen später war der Energiekonzern RWE nur noch die Hälfte wert – und hat sich bis heute nicht wirklich davon erholt. Mehr als zehn Milliarden Euro Börsenwert wurden seither vernichtet. Die Lehre, die Manager daraus ziehen können, lautet: Im Zweifel sind politische Entscheider auch zu einer radikalen Kehrtwende bereit, wenn der Druck aus der breiten Gesellschaft eines Tages zu groß wird.

Ähnlich könnte es irgendwann beim globalen Klimaschutz aussehen. Nicht nur protestieren jeden Freitag Tausende Schüler gegen den weltweit immer noch wachsenden Ausstoß klimaschädlicher Gase wie CO2 oder Methan. Auch deren Eltern, darunter Wissenschaftler und Politiker, haben die Dringlichkeit des Themas erkannt. Und so stellt sich heute kaum noch ein Unternehmen die Frage, ob die CO2-Emissionen für den Klimaschutz überhaupt gesenkt werden müssen. Es geht nur noch ums Wie.

Doch genau hier liegt der Knackpunkt. Denn so begrüßenswert es auch ist, dass Firmen wie die Lufthansa, Bayer oder Adidas sich selbst ambitionierte Klimaziele für die beiden Stichjahre 2030 und 2050 setzen: Wirklich planen lässt sich damit nicht. Das gilt einerseits für Klimaforscher, deren Berechnungen auf absoluten Emissionswerten basieren. Es gilt aber auch für Investoren, die sich für die Zukunftsfähigkeit eines Geschäftsmodells interessieren.

Klar ist: Bis 2050 darf die Welt nur noch 420 Gigatonnen CO2 ausstoßen, um die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Geht es im bisherigen Tempo weiter, ist dieses Budget in weniger als zehn Jahren aufgebraucht. Unternehmenslenker müssen also damit rechnen, dass auf sie schon deutlich vor 2050 strenge Emissionsgrenzen zukommen werden. Nur so können die rund 200 Staaten, die das Pariser Klimaabkommen ratifiziert haben, ihre Zusagen nach jetzigem Stand auch tatsächlich einhalten.

Für Firmen, deren Geschäftsmodell im Moment unweigerlich auf dem Ausstoß von CO2 basiert, verheißt das nichts Gutes. Dazu zählen zum Beispiel Fluggesellschaften, aber auch Zement- und Stahlhersteller, Logistiker, einige Energiekonzerne, ebenso IT-Firmen und Chemiehersteller.

Deren Investoren müssen sich fragen: Was sind meine Aktien noch wert, wenn der Verzicht auf CO2-Emissionen eines Tages gesetzlich vorgeschrieben wird? Lässt sich das Geschäft ohne größere Schwierigkeiten dekarbonisieren – oder droht im Zweifel ein Kursabsturz wie bei RWE nach dem beschlossenen Atomausstieg?

Es bestehen erhebliche Zweifel

In einigen Chefetagen ist diese Erkenntnis angekommen. Zum Beispiel beim Industriekonzern Thyssen-Krupp, der seine Stahlproduktion in den nächsten Jahrzehnten mithilfe von Wasserstoff völlig auf den Kopf stellen und so bis 2050 klimaneutral werden will.

Doch was ist zum Beispiel mit den Fluggesellschaften? Deren erklärtes Ziel ist es bisher, die Emissionen in den nächsten drei Jahrzehnten im Vergleich zu 2005 immerhin zu halbieren. Doch bekommen die Firmen tatsächlich so lange Zeit? Daran bestehen im Moment erhebliche Zweifel.

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) brachte es auf den Punkt, als sie beim Besuch eines Stahlwerks von Thyssen-Krupp am Dienstag darauf hinwies, dass die regulatorischen Maßnahmen später umso drastischer ausfallen müssen, je langsamer der CO2-Ausstoß sinkt.

Für Investoren ist es deshalb wichtig zu wissen, wie schnell und wie hoch die individuellen Einsparungen bei den Emissionen in der kurzen Frist ausfallen sollen. Denn nur so lässt sich ungefähr abschätzen, wie gut ein Unternehmen gegen eine plötzliche harte Regulierung abgesichert wäre. Auch lässt sich anders kaum abschätzen, ob die selbst gesteckten Klimaziele der Firmen tatsächlich ausreichen – und ob sie realistischerweise überhaupt eingehalten werden können.

Analog zu den Prognosen, die Börsenunternehmen in regelmäßigen Abständen zu Umsatz und Gewinn veröffentlichen, sollten die Firmen daher auch konkrete Emissionsziele für das Folgejahr festlegen und transparent kommunizieren. Denn steigt mit dem Umsatz automatisch auch der CO2-Ausstoß, ist das ein guter Indikator dafür, dass das Unternehmen im Moment von einem Geschäftsmodell abhängig ist, das in einer dekarbonisierten Welt nicht funktionieren würde. Dass wir darauf zusteuern, wird kaum bestritten. Die Frage ist nur, wie schnell.

Längst haben das auch Finanzdienstleister erkannt, die zum Teil schon heute die Emissionswerte von Unternehmen in ihre Entscheidung über eine Kreditvergabe einbeziehen. In welcher Geschwindigkeit und Intensität die CO2-Reduktion erfolgt, entwickelt sich damit zu einem entscheidenden Kriterium für den Geschäftserfolg. Nur mit Zielen für 2030 und 2050 kann sich daher kein Investor zufriedengeben.

Mehr: Im vergangenen Jahr haben die größten deutschen Börsenkonzerne ihre Emissionen nur leicht senken können. Einige haben sogar kräftig zugelegt.

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