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Kommentar Vier-Tage-Woche ist kein Wundermittel zur Rettung von Arbeitsplätzen

Eine Vier-Tage-Woche macht nur Sinn, um eine kurzfristige Krise zu überwinden. Sie ist aber kein geeignetes Instrument für den Strukturwandel.
17.08.2020 - 04:00 Uhr 1 Kommentar
Gerade die Autoindustrie ist vom Strukturwandel betroffen. Quelle: dpa
Autoindustrie

Gerade die Autoindustrie ist vom Strukturwandel betroffen.

(Foto: dpa)

IG-Metall-Chef Jörg Hofmann hofft auf ein zweites „Wunder von Wolfsburg“. Als Volkswagen anfang der 1990er-Jahre in einer tiefen Absatzkrise steckte, führte der Autobauer die Vier-Tage-Woche ein – und rettete so Tausende Jobs. Geht es nach dem Chef von Deutschlands größter Gewerkschaft, könnte dieses Modell in der nächsten Metalltarifrunde bundesweit ausgerollt werden.

Doch ist aus mehrfacher Hinsicht Skepsis angebracht. Zuerst stellt sich die Frage der Entgelteinbuße. Selbst in der Metall- und Elektroindustrie, wo im Schnitt rund 4.500 Euro pro Monat verdient werden, hält der IG-Metall-Boss „einen gewissen Lohnausgleich“ für notwendig, damit die Beschäftigten sich die Verkürzung leisten können. Die Bereitschaft der durch Corona gebeutelten Arbeitgeber, diesen zu leisten, dürfte sich allerdings in Grenzen halten.

Es wird also auch darum gehen, den Mitarbeitern selbst einen Beitrag zum Joberhalt abzuverlangen. Die Möglichkeit der Arbeitszeitverkürzung gibt es längst. Schon im vorletzten Metall-Tarifabschluss hatten Arbeitgeber und Gewerkschaft vereinbart, dass Beschäftigte auf bis zu 28 Wochenstunden heruntergehen können – aber eben auf freiwilliger Basis und ohne Lohnausgleich.

Sinn macht eine Vier-Tage-Woche zudem nur, wenn sie hilft, eine kurzfristige Krise zu überwinden. Sie ist aber kein geeignetes Instrument für den Strukturwandel, in dem vor allem die Autoindustrie steckt. Ähnlich wie bei einer Verlängerung des Kurzarbeitergelds, für die sich Vizekanzler Olaf Scholz am Wochenende stark gemacht hat, besteht auch bei einer Arbeitszeitverkürzung die Gefahr, überkommene Strukturen zu zementieren.

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    Der Bau von Elektromotoren erfordert weniger Personal als der von Verbrennern. Wer glaubt, hier alle Jobs durch die Verteilung der Arbeit auf mehr Schultern retten zu können, sitzt einer Illusion auf. Im Zweifel ist den Beschäftigten durch den Wechsel in eine Transfergesellschaft, wo sie auf neue Aufgaben vorbereitet werden, mehr gedient, als sie um jeden Preis im Automobilbau halten zu wollen.

    Klar ist aber auch: Weder die Kosten der Coronakrise noch die des Strukturwandels können einseitig bei den Beschäftigten oder den Arbeitgebern abgeladen werden. Bei den Tarifverhandlungen Ende des Jahres wird es also vor allem um eine faire Lastenverteilung gehen. Die Vier-Tage-Woche kann ein Instrument sein, um schwierige Zeiten zu überbrücken. Ein Allheilmittel für alle Branchen, so wie es Linken-Chefin Katja Kipping vorschwebt, ist sie aber sicher nicht.

    Mehr: IG Metall schlägt Vier-Tage-Woche zur Jobsicherung vor

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    1 Kommentar zu "Kommentar: Vier-Tage-Woche ist kein Wundermittel zur Rettung von Arbeitsplätzen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Wechsel (d.h. Kündigung) in eine Transfergesellschaft, da werden die Beschäftigten Herrn Specht gewiss zujubeln. An Dreistigkeit kaum zu überbieten.

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