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Kommentar Vom Steuervorteil für E-Dienstautos profitieren vor allem die Autobauer

Die Bundesregierung fördert elektrische Dienstwagen künftig mit einer Steuererleichterung. Mit Ökologie hat das allerdings herzlich wenig zu tun.
Update: 01.08.2018 - 22:41 Uhr Kommentieren
BMW-Mitarbeiter arbeiten in der Produktion des BMW i8 im BMW-Werk Leipzig. Quelle: dpa
BMW-Werk Leipzig

BMW-Mitarbeiter arbeiten in der Produktion des BMW i8 im BMW-Werk Leipzig.

(Foto: dpa)

DüsseldorfAuf den ersten Blick scheint die Bundesregierung es ernst zu meinen mit der Elektromobilität. Arbeitnehmer müssen den geldwerten Vorteil für ihren Dienstwagen künftig nur noch mit 0,5 Prozent versteuern, wenn sie sich für ein Elektroauto entscheiden. Bisher liegt der Satz bei ein Prozent.

Die Neuregelung gilt für Elektro- und Hybridfahrzeuge, die vom 1. Januar 2019 bis zum 31. Dezember 2021 angeschafft oder geleast werden. Ein neuer 5er BMW ist damit schon für 250 Euro im Monat oder noch weniger zu haben, das Modell liegt mit einem Listenpreis von 56.150 Euro.

Das Praktische: Je höhere der Listenpreis ausfällt, desto höher ist auch der Steuerrabatt. Am Ende fördert der Steuerzahler damit besonders große Autos, die nicht einmal, wenn sie rein elektrisch betrieben werden, auf eine gute Umweltbilanz kommen.

Einige Elektromodelle dürften gar nicht in den Genuss des Vorteils kommen: Denn auf Initiative des SPD-geführten Finanzministeriums wird sie nur bis zum Jahr 2021 gezahlt. Damit kommt die Prämie für viele rein batteriebetriebenen Elektromodelle zu früh.

Viele reichweitenstarke Elektroautos, die heute von den deutschen Herstellern angekündigt werden, sollen erst Anfang des nächsten Jahrzehnts in Serie gehen. Bei den aktuellen Lieferzeiten, die oft ein Jahr überschreiten, dürfte die Zahl der rein elektrischen Dienstwagen nicht allzu hoch ausfallen. Elektrische Kleinwagen, die heute den überwiegenden Teil des Angebots ausmachen, können nur einen Teil der Dienstwagen-Nachfrage abdecken.

Das Motiv hinter der neuen Steuerförderung dürfte ein anderes sein: Da der Dieselanteil an den Verkäufen nach dem VW-Betrug rasant abgenommen hat, steigt der Flottenschnitt der Hersteller. Es drohen Milliardenstrafen aus Brüssel.

Das Problem: Im Vergleich zum Verbrenner sind die halbelektrischen Plug-in-Hybridmodelle noch teuer. Das Interesse der preissensiblen Flottenkunden hält sich in Grenzen, obwohl die deutschen Hersteller Milliarden in die Entwicklung neuer Modelle investiert haben.

Mit den neuen Steuervorteilen dürfte die Rechnung für viele Dienstwagenfahrer nun aufgehen. Der Plug-in-Hybrid wird zur echten Alternative. Denn nur er bringt auch die nötige Reichweite für Vielfahrer mit.

Ist das nicht gut für die Umwelt? Nicht unbedingt: In den Niederlanden hat man in den vergangenen Jahren Erfahrungen mit dem Plug-In-Hybrid gesammelt – und ihn mittlerweile von der staatlichen Förderung wieder ausgeschlossen. Denn die Kunden nahmen zwar die Steuervorteile mit, doch den immer noch beschwerlichen Weg zur Ladestation traten sie selten an.

Rettung für Flottenziele der Hersteller

Die Plug-in-Hybride wurden darum viel zu oft allein mit dem Verbrenner betrieben – und verbrauchten damit mehr als ein vergleichbarer Diesel- oder Benzinmotor. Denn neben dem normalen Motor sind die halbelektrischen Modelle „mit zusätzlichem Gepäck“ unterwegs. Batterie und Elektromotor machen die Fahrzeuge schwerer.

Das macht sich vor allem auf der Langstrecke bemerkbar. Während Plug-in-Hybride auf dem Prüfstand absurd niedrige Normverbräuche vorweisen können, die nichts mit der Realität zu tun haben, schneiden sie auf der Langstrecke enorm schlecht ab.

Schon beim vergleichsweise kleinen VW Golf GTE lag der reale Verbrauch um 220 Prozent über dem angegebenen Normverbrauch, errechnete zuletzt der ADAC. Mit dem Spritverbrauch ist auch der reale CO2-Ausstoß 220 Prozent höher, als vom Hersteller ausgewiesen.

Mit einer umweltfreundlichen Verkehrspolitik hat der neue Steuervorteil darum wenig zu tun. Vielmehr dürfte er die teuren Investitionen und die Flottenziele der deutschen Premiumhersteller retten, die gerade allesamt einen Milliardengewinn vorgelegt haben. Mit angepeilten Steuerausfällen von 1,9 Milliarden Euro fallen die Ausgaben dafür mehr als dreimal so hoch aus wie für die Kaufprämie für Elektroautos.

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