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Kommentar Von der Impfstoff-Hoffnung könnten besonders die Schwellenländer profitieren

Die Aussicht auf einen Impfstoff könnte besonders für Staaten wie Brasilien, Indien oder Südafrika positive Effekte haben. Denn gerade sie stehen an den Finanzmärkten unter Druck.
18.11.2020 - 17:58 Uhr Kommentieren
Die Corona-Pandemie hat viele Schwellenländer besonders hart getroffen. Quelle: AP
Aktienkurse bei einem Broker in Peking

Die Corona-Pandemie hat viele Schwellenländer besonders hart getroffen.

(Foto: AP)

Die Corona-Pandemie hat viele Schwellenländer wie Brasilien, Indien oder Südafrika besonders hart getroffen. Entsprechend groß ist die Hoffnung auf eine Trendwende durch die Aussicht auf einen Impfstoff. Seit die Nachricht darüber die Runde machte, ging es an den Börsen in Mumbai, São Paulo oder Jakarta besonders deutlich nach oben, und Währungen wie der brasilianische Real, der mexikanische Peso oder der südafrikanische Rand legten im Vergleich zum Dollar kräftig zu.

Nach einem langen Abwärtstrend gibt es nun Anlass für vorsichtigen Optimismus. Natürlich sind damit akute Probleme wie die hohen Corona-Infektionszahlen und die Wirtschaftskrise nicht schnell behoben. Aber es rücken andere Argumente wieder stärker in den Vordergrund, die für viele Schwellenländer sprechen.

Dazu zählt die sehr niedrige Bewertung ihrer Währungen, die dafür sorgt, dass Vermögenswerte dort im weltweiten Vergleich niedrig bewertet sind. Seit 2012 haben Währungen wie Real, Peso oder Rand mit kurzen Unterbrechungen stark gegenüber dem Dollar abgewertet. Der US-Währung wiederum hat einen jahrelangen Zyklus der Aufwertung hinter sich.

Für viele Schwellenländer wirkt ein starker Dollar wie eine Straffung der Geldpolitik und bremst ihre Wirtschaft entsprechend. Weil sich in Ländern wie Brasilien, der Türkei oder Südafrika viele Unternehmen und auch Staaten stark in ausländischer Währung verschuldet haben, steigt dadurch die Last ihrer Schulden und die Finanzierungsbedingungen werden straffer.

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    Durch die Aussicht auf einen Impfstoff, aber auch durch die Wahl Joe Bidens zum neuen US-Präsidenten besteht nun die Hoffnung, dass der Zyklus des immer stärkeren Dollars zu einem Ende kommt. Viele Investoren haben in der Corona-Pandemie massiv Kapital aus den Schwellenländern abgezogen, vor allem wegen der Sorge, dass diese sich irgendwann nicht mehr finanzieren können. Nun ist zu erwarten, dass wieder mehr Kapital dorthin zurückkehrt.

    Auch Bidens Sieg bei den Präsidentschaftswahlen in den USA könnte helfen. Der bisherige Amtsinhaber Donald Trump hat vor allem durch den Handelskonflikt mit China viel Unsicherheit geschürt, was dazu beitrug, dass Investoren Risiken stärker gemieden haben. Darunter haben vor allem die Schwellenländer gelitten. Entsprechend würden sie von einer Beruhigung unter Amtsnachfolger Biden profitieren.

    Konjunkturerholung hilft Rohstoffexporteuren

    Zudem dürfte ihnen auch die Abwertung ihrer Währungen wirtschaftlich bald zugutekommen. Denn dadurch werden ihre Exporte auf dem Weltmarkt günstiger und damit wettbewerbsfähiger. Wenn sich also die weltweite Nachfrage erholt, könnten sie davon in besonderem Maße profitieren.

    Außerdem sind viele Länder wie Brasilien, Russland oder Südafrika sehr abhängig von den Rohstoffpreisen. Diese sind extrem zyklisch und in der Krise besonders stark gefallen. Umgekehrt bietet sich viel Spielraum nach oben, wenn die Weltkonjunktur wieder anzieht.
    Die Zinsen in den USA und Europa werden durch die Krise wahrscheinlich deutlich länger niedrig bleiben. Hauptprofiteure davon wären die Schwellenländer.
    Schon in der Finanzkrise haben die Notenbanken zunächst deutlich unterschätzt, wie lange sich diese Krise auf die Inflation niederschlägt. Das wiederum würde die Europäische Zentralbank und die US-Notenbank wahrscheinlich dazu veranlassen, die Zinsen länger niedrig zu halten.

    Für Schwellenländer wäre dies günstig, weil sie höhere künftige Wachstumsraten versprechen. Je niedriger die aktuellen Zinsen, desto attraktiver wird es für Investoren, auf künftige Gewinne zu warten. Hingegen fallen die künftigen Gewinne bei höheren Zinsen weniger ins Gewicht, weil sie auf den gegenwärtigen Wert abgezinst werden.

    Einen ähnlichen Effekt gibt es bei Technologieaktien wie zum Beispiel Tesla. Sie sind aktuell vergleichsweise wenig profitabel – ihre Bewertung bildet vor allem die Hoffnung auf künftige Gewinne ab. Aktuell macht sich dieser Zinseffekt für die Schwellenländer nicht bemerkbar, weil Investoren wegen der Corona-Pandemie Risiken scheuen und sie deshalb meiden. Das wird sich aber wahrscheinlich wieder ändern.

    Nach der Finanzkrise sind viele Schwellenländer schneller auf die Beine gekommen als die Industrieländer. Das lag natürlich auch daran, dass die Krise ihren Ursprung in den USA hatte. Aber auch an einem riesigen Konjunkturpaket, das die chinesische Regierung damals auflegte – und von dem Länder wie Brasilien, Argentinien oder Südafrika als Rohstoffexporteure besonders profitierten.

    Die Corona-Pandemie dagegen hat die Schwellenländer besonders hart getroffen. Manche von ihnen wie China, Korea oder Taiwan haben sich – dank niedriger Corona-Infektionszahlen – vergleichsweise schnell erholt. Für die meisten aber hängt das Schicksal besonders stark von einem Corona-Impfstoff ab. Es gibt viele Argumente, die für die Schwellenländer sprechen. Sie kommen aber wohl nur dann zur Geltung, wenn sich die positiven Impfstoffnachrichten der vergangenen Tage bestätigen.

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