Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Vorbild Tesla: VW sollte sein E-Auto-Geschäft an die Börse bringen

Autohersteller sollten nicht länger über die hohe Börsenbewertung von Tesla klagen. Sie könnten ihre E-Sparten selbst an die Börse bringen, allen voran VW.
08.09.2020 - 15:48 Uhr 2 Kommentare
Quelle: Kostas Koufogiorgos
Karikatur
(Foto: Kostas Koufogiorgos)

Der Unterschied ist gewaltig. Keine 400.000 Autos hat der US-Elektrohersteller Tesla im vergangenen Jahr produziert. Beim Volkswagen-Konzern waren es fast elf Millionen Fahrzeuge, also fast 30-mal so viel. Doch bei der Börsenbewertung ist es genau umgekehrt: Volkswagen kommt auf eine Marktkapitalisierung von fast 80 Milliarden Euro, bei Tesla sind es rund 320 Milliarden.

Konventionelle Autohersteller wie Volkswagen oder General Motors fühlen sich von den Börsen ungerechnet behandelt. Dass sie sich auf dem Feld der Elektromobilität mindestens genauso anstrengen wie der Auto-Neuling Tesla, wird von Investoren und Anlegern kaum gewürdigt.

Doch es gibt eine aussichtsreiche Chance, bei der Börsenbewertung etliche Milliarden aufzuholen: Volkswagen und Co. müssten wie Tesla einfach nur selbst das neue Elektrogeschäft an die Börse bringen.

Die Finanzmärkte blicken vor allem nach vorn. Deshalb hat es Tesla innerhalb weniger Jahre geschafft, zum absoluten Börsenliebling unter den Autowerten aufzusteigen. Tesla verspricht hohe Erträge in der Zukunft, deshalb gehen Anleger die Wette ein und investieren beim amerikanischen Newcomer.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Tesla hat die Chancen in Sachen Elektromobilität frühzeitig entdeckt. Die Reichweiten sind aus Kundensicht vollkommen akzeptabel, außerdem haben die Amerikaner die Bedeutung eines umfassenden Ladenetzes von Beginn an gesehen. Und Tesla ist noch viel mehr: Die Autos kommen dem Ideal eines „Smartphones auf vier Rädern“ schon weit entgegen. Die Autos werden auf Basis der Fahrzeugsoftware entwickelt, Computerprogramme kommen nicht erst nachträglich dazu.

    Tesla hat keine Altlasten

    Dann hilft natürlich auch noch der Faktor, dass Tesla keine Altlasten wie die etablierten Autohersteller mitschleppen muss. Es gibt kein verästeltes Produktprogramm in Tausenden von Modellvarianten vom Kleinwagen bis hin zum Transporter. Die neuen Fabriken von Tesla sind modern und hochproduktiv.

    Alte Fabriken müssen nicht erst mit Milliardenaufwand umgebaut werden, damit die ersten Elektromodelle von den Bändern laufen können. Dass über Jahrzehnte gewachsene Belegschaften einem grundlegenden Wandel mindestens kritisch gegenüberstehen, macht das Geschäft der konventionellen Autohersteller alles andere als einfach.

    Warum nicht also auch an der Börse einen Neubeginn wagen wie Tesla? Aus anderen Branchen gibt es genügend Beispiele dafür, dass sich die Aufspaltung in Alt- und Neugeschäft in jeder Hinsicht gelohnt hat. Der Essener Energiekonzern RWE ist eines dieser Beispiele: Die RWE-Aktie hat von der Aufspaltung nachhaltig profitiert. Zusätzliche Werte werden dadurch gehoben. Werte, die sonst im undurchsichtigen Geflecht von Alt und Neu innerhalb eines großen Konzerns verloren gehen.

    Volkswagen wird sich in den nächsten Jahren zum größten Hersteller von Elektroautos weltweit entwickeln. Es dürfte nur noch zwei Jahre dauern, dann werden die Wolfsburger den Konkurrenten aus Kalifornien nach Stückzahlen überholen. Jahr für Jahr kommen neue Fabriken dazu, die VW komplett auf die E-Fertigung umstellt. Tesla dürfte Schwierigkeiten bekommen, bei diesem Tempo mitzuhalten. Und auch das Thema Software gewinnt bei den etablierten Autoherstellern wie Volkswagen immer mehr an Bedeutung.

    GM hat Cruise, Ford hat Argo AI ausgegliedert

    Bei den traditionellen US-amerikanischen Autoherstellern gibt es bereits die ersten Beispiele für eine teilweise Ausgliederung des Neugeschäfts. So hat etwa General Motors (GM) die Tochter Cruise ausgegliedert, die Konzerneinheit zur Entwicklung autonomer Fahrersysteme. Ähnliches ist beim Ford-Konzern mit dessen Autonom-Tochter Argo AI passiert. Solche Ausgliederungen helfen dabei, zusätzliche Investoren für das automobile Geschäft der Zukunft zu gewinnen.

    Autohersteller brauchen zudem viel Kapital für den Aufbau der Batterie- und Batteriezellwerke, ohne die der umfassende Einstieg in die Elektromobilität nicht möglich wäre. Dieses dringend benötigte Kapital könnte nach einem Börsengang der Elektrosparten ebenfalls von Investoren und Anlegern kommen. Tesla zeigt, dass so etwas geht. Denn die Amerikaner fertigen ihre Batterien zu großen Teilen selbst, an der Börse wird diese Strategie also honoriert.

    Gegner eines Börsengangs der Elektrosparten wenden ein, dass die Fertigung konventioneller Fahrzeuge in einer Art von „Bad Bank“ lande, in der wie bei einem Kreditinstitut nur die schlechten Risiken gebündelt würden. Das ist aber zu einseitig gedacht. Das traditionelle Geschäft mit Benzin- und Dieselmotoren wird nicht von heute auf morgen verschwinden. In den nächsten zwei Dekaden werden die Verbrenner noch eine wesentliche Bedeutung besitzen. Das dort investierte Geld ist also nicht verloren.

    Neues, zusätzliches Kapital von Investoren sollte besser dafür eingesetzt werden, die Elektromobilität schneller voranzubringen. Nach einer Abspaltung der Elektrosparten würden diese Mittel dort eingesetzt, wo höhere Renditen locken – im Zukunftsgeschäft mit sauberen und umweltgerechten E-Motoren. Neues Geld würde also neue Werte schaffen, wie es Tesla vormacht.

    Volkswagen mit seiner komplizierten Eigentümerstruktur dürfte sich mit einem Börsengang des eigenen Elektrobereichs viel schwerer tun als die US-Konkurrenz. Doch das heißt nicht, dass die Wolfsburger diese Idee gleich zu Beginn wieder in der Schublade verschwinden lassen müssen.

    Ein Kompromiss aus Wolfsburger Sicht wäre immerhin denkbar: VW könnte den eigenen Elektrobereich teilweise an die Börse bringen. Zusätzliches Kapital würde trotzdem fließen. Es wird dann eben nur weniger als beim US-Vorbild Tesla.

    Mehr: „Für ein weniger sportliches Auto ganz in Ordnung“ – Video zeigt Testfahrt von Elon Musk im VW ID.3

    Startseite
    Mehr zu: Kommentar - Vorbild Tesla: VW sollte sein E-Auto-Geschäft an die Börse bringen
    2 Kommentare zu "Kommentar: Vorbild Tesla: VW sollte sein E-Auto-Geschäft an die Börse bringen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Quatsch - VW wird niemals sein E-Auto-Geschäft an die Börse bringen, Diess möchte seinen Freund Musk nicht weh tun!

    • Schön, dass es für e-Auto Liebhaber eine Alternative für Investitionen gibt. Davon wird Teslas Aktienkurs nicht profitieren.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%