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Kommentar Voreilige Wette auf den Aufschwung

Jetzt auf einen Boom zu spekulieren, nur weil die tiefe Rezession ausbleibt, ist zu früh und fahrlässig. Es gibt aber Gründe für die Aktienkäufe.
31.10.2019 - 04:08 Uhr Kommentieren
Für Euphorie zu früh. Quelle: AFP/Getty Images
Börsianer an der Wall Street

Für Euphorie zu früh.

(Foto: AFP/Getty Images)

Amerikas Börsen eilen von Rekord zu Rekord, selbst der Dax ist davon nur noch knapp entfernt. Bis auf fünf Prozent hat der Index sich dem Allzeithoch von 13.560 Punkten aus dem Januar 2018 angenähert.

Doch die Erwartungen und Spekulationen an der Börse scheinen nicht mit dem rauen Alltag der Realwirtschaft zusammenzupassen.

Weltweit wächst die Wirtschaft so langsam wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr. Deutschlands Industrie verharrt in einer Rezession: Die Erträge in den Schlüsselbranchen Automobil, Maschinenbau und verarbeitendes Gewerbe entwickeln sich nun schon seit drei Quartalen schlechter als im jeweiligen Vorjahreszeitraum.

Der Spezialchemiekonzern Covestro bilanzierte für das dritte Quartal einen um 70 Prozent eingebrochenen Nettogewinn, und der sehr viel größere Chemieriese BASF hält an seiner um bis zu 30 Prozent gekappten Ertragsprognose fest.

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    Woche für Woche senken Analysten ihre Gewinnschätzungen, allein für die 30 größten börsennotierten Unternehmen, wie sie im Dax notieren, fielen sie in den vergangenen drei Monaten um weitere fünf Prozent – nachdem bereits seit über einem Jahr die Erwartungen stetig herabgesetzt wurden.

    Dass sich die Börse diesem Abwärtstrend so kraftvoll entgegenstemmt, ist beachtlich. Entweder Anleger sehen was, was andere (noch) nicht sehen – einen neuen Aufschwung etwa.

    Oder aber sie rennen ins Verderben, weil der Rückschlag umso größer ausfällt, je mehr die Kurse jetzt steigen. Die Wahrheit dürfte, wie so oft, in der Mitte liegen.

    Drei Gründe für den vernünftigen Aktienkauf

    Börsianer mögen derzeit vielleicht risikofreudig über viele Schwächen hinwegsehen. Doch ganz so unbedacht, wie es auf den ersten Blick erscheint, kaufen sie Aktien gar nicht. Dazu drei Argumente:

    Erstens, der Abschwung in der Realwirtschaft fällt bislang schwächer aus als zuvor befürchtet. Trotz Handelskonflikt, eines drohenden Endes der Globalisierung durch Protektionismus in weiten Teilen der industrialisierten Welt und einer Chinaschwäche landen wir nicht in einer weltweiten Rezession.

    Ein Einbruch wie vor zehn Jahren, als die Welt nach dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman in eine Schockstarre verfiel, ist ausgeblieben. Positiv wirkt zudem, dass der ungeordnete Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union, worunter auf dem Festland vor allem die vielen exportstarken deutschen Unternehmen angesichts langer Wartezeiten und neuer Zölle leiden würden, mit wachsender Wahrscheinlichkeit ausbleiben könnte.

    Konjunkturempfindliche Unternehmen, zu denen in vorderster Front Covestro und BASF zählen, bilanzieren zwar Gewinneinbrüche, aber keine Verluste.

    Daraus folgt zweitens: Die starken Kursverluste vieler Aktien, vor allem die der Automobilhersteller, ihrer Zulieferer und anderer Industriekonzerne im vergangenen Jahr waren offenbar übertrieben.

    Die Börse holt 2019 ein Teil dessen auf, was sie 2018 in Erwartung düsterer Zeiten verloren hatte. Die Flut an Gewinnwarnungen, wie wir sie noch in der ersten Jahreshälfte 2019 erlebt haben, wiederholt sich im zweiten Halbjahr nicht.

    Die Unternehmen haben mit ihren vielen Warnungen zwar nicht zu tief gestapelt, aber der 2018 begonnene und Anfang 2019 forcierte Abschwung wird nicht größer wie befürchtet. Das honorieren die Börsen.

    Drittens, und das ist das stärkste Argument gegen fallende Kurse: Anlegern fehlen die Alternativen. Anleihen erwirtschaften angesichts der Nullzinspolitik der Notenbanken und deren Aufkauf von Staats- und Firmenanleihen schon lange keine Renditen mehr.

    Dasselbe gilt fürs Sparbuch. Die Preise für Immobilien sind kräftig gestiegen, und Rohstoffe eignen sich aufgrund des engen Marktes und hoher Kursschwankungen kaum als langfristige Anlage.

    Bleiben Aktien als vermeintlich einzige Alternative. Dass sie immer teurer werden, weil die Kurse steigen, gleichzeitig aber die Gewinne der Unternehmen sinken, nehmen Anleger in Kauf.

    Diese Argumente mögen erklären, warum die Aktienkurse nicht fallen. Allerdings, auf einen baldigen Aufschwung zu spekulieren, wie es die Börse seit Wochen vormacht, ist zu früh und fahrlässig.

    Denn zur ganzen Wahrheit gehört auch, dass BASF, Covestro und Co. weit und breit keine Signale für einen Aufschwung, geschweige denn einen neuen Boom erkennen.

    Im Gegenteil, die Herausforderungen und Risiken bleiben groß, wie etwa BASF-Chef Martin Brudermüller betont.

    Gut möglich, dass die Konjunktur und die vielen deutschen Industrieunternehmen vor einer langen Phase stehen, in der sich Stagnation und allenfalls schwaches Wachstum abwechseln. Eben weil Asien und das für deutsche Konzerne so wichtige China nur noch schwach wachsen, in den USA der Boom zu Ende geht und in weiten Teilen Europas, vor allem in Deutschland, die Zeiten hoher Wachstums‧raten angesichts alternder Gesellschaft und gesättigter Nachfrage vorbei sind.

    Zu solch einem Szenario passen allerdings keine rasant steigenden Aktienkurse, wie wir es seit Wochen erleben.

    Mehr: Die erfolgreichsten deutschen Unternehmen wirtschaften international. Deshalb brauchen sie auch internationales Spitzenpersonal.

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