Kommentar Vorurteile mit reinem Gewissen

Verwahrloste Kinder, bettelnde „Zigeuner“: Die Deutschen haben Angst vor Armutsmigration. Die CSU schürt mit ihren Parolen die Vorurteile. Gut, dass das Thema Armutsmigration nun einen festen Rahmen bekommt – endlich!
16 Kommentare
Maike Freund ist Politik-Redakteurin.

Maike Freund ist Politik-Redakteurin.

Es sind Klischeebilder, die in den Köpfen spukten, wenn es um Armutszuwanderung von Rumänen und Bulgaren geht. Und diese Vorstellungen von bettelnden „Zigeunern“ und verwahrlosten Kindern in Problemhäusern bekommen neues Futter, weil die CSU mit markigen Worten wettert, Bulgaren und Rumänen wollten in Deutschland nur Sozialleistungen erschleichen. Das schürt Angst, denn wer will schon Schmarotzer im Land? Plötzlich klingt der Vorstoß der Christsozialen, die „Anreize für Migration ins soziale Sicherheitssystem zu verringern“, ganz vernünftig. Und das ist schrecklich. Denn obwohl die Partei Vorurteile schürt, gibt es das Ganze mit reinem Gewissen.

Zwar gilt: Wer durch Neukölln in Berlin oder die Nordstadt in Dortmund geht, weiß, dass solche Szenen oder ähnliche zur Wirklichkeit in Deutschland gehören – doch sind sie nur ein Teil der Wahrheit. Denn die Zahlen sagen auch: Es gibt viele hochgebildete Zuwanderer, auch aus Rumänien und Bulgarien, und Deutschland ist auf diese Fachkräfte angewiesen. Es gibt nicht nur die eine oder die andere Seite, nicht nur Schwarz oder Weiß. Und so streitet in den Deutschen das Ja mit Nein, Gut mit Böse, Vermutungen mit Fakten, Gefühl mit Verstand. Und kommt zu keinem richtigen Schluss.

Die Deutschen sind zerrissen, das zeigen auch die neusten Umfragen von „Stern“ und RTL: Die eine Hälfte der Deutschen findet es falsch, dass für Bulgaren und Rumänen nun die volle Freizügigkeit gilt, die andere Hälfte findet es richtig. Die Zahlen sagen aber auch, dass die Angst der Deutschen vor Armutszuwanderung groß ist: 60 Prozent glauben, dass sie berechtigt ist. Und da ist es wieder, dieses Irrationale, das, was sich nicht wegdiskutieren lässt, die Angst vor den Fremden.

Deshalb ist es gut, dass die Debatte nun institutionalisiert wird – endlich. Denn nun setzt das Kabinett einen Staatssekretärs-Ausschuss ein, der sich damit beschäftigt, wie möglicher Missbrauch von Sozialleistungen verhindert werden kann. Das ist immerhin etwas. Denn obwohl die Problematik der Armutszuwanderung nicht neu ist, ist bisher nichts passiert. Auch wenn der Ausschuss die Ängste in den Köpfen nicht unbedingt beheben wird – vielleicht wird die Diskussion nun sachlicher. Und schützt vor Vorverurteilung mit gutem Gewissen.

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16 Kommentare zu "Kommentar: Vorurteile mit reinem Gewissen"

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  • Es wird langsam schon peinlich, wie hirnentleerte grünrote Deutschlandhasser dämlichst versuchen das Arbeitskräfte-Argument für ihre Umverteilungstaktik zu missbrauchen. Keiner von der CSU will verhindern, dass Rumänen bei uns arbeiten, auch wenn die Gutmenschenfraktion das immer wieder kolportiert.

  • Ich bin für die Zuwanderung der Osteuropäer und Zigeuner.
    Zu DDR-Zeiten habe ich diese Menschen schätzen und lieben gelernt. Und es wäre doch höchst unanständig, ihnen die dringend benötigten Sozialleistungen zu verweigern.
    Vielleicht könnte man auch für diese besonders bedürftige
    Gruppe die Sätze ev. verdoppeln?
    Elli Hörnlein

  • Maike Freund
    ist entweder extrem desinformiert oder eine Lügnerin, wenn sie behauptet:

    >>Es gibt viele hochgebildete Zuwanderer, auch aus Rumänien und Bulgarien, und Deutschland ist auf diese Fachkräfte angewiesen<<

    Nein sind wir nicht. Wir haben 3 Millionen Menschen ohne Arbeit, die Fachkräfte sind oder zu solchen werden können.
    Der Fachkräftemangel ist eine Theorie für die es bis heute keine harten Beweis gibt, im Gegenteil es gibt Belege, die gegen die Existenz des Fachkräftemangels zu sprechen-

    Wirtschaftslobbyisten haben ein Interesse nach Zuwanderung, das diese Lohndumping Vorschub leistet. Sie haben also auch ein Interesse daran Fachkräftemangel zu klagen um trotz Massenarbeitslosigjeit und ungelöster Probleme mit Teilen der alteingessenen Migranten weitere Zuwanderung rechtfertigen zu können.

    Es ist ein Zeugnis von extremer Unkenntnis oder aber Anstandslosigkeit, diese Motivation von Arbeitshebern und Wirtschaftslobbyisten einfach so zu verschweigen.

  • Wie wäre es wenn man die ganzen Problemmigranten einfach außer Landes schafft?

    Also Türken, Araber, Afrikaner, Roma und die Migrantenbevölkerng auf europäische, kulturnahe (nicht-Roma) beschränkt.

    Ein Deutschland nur von ethnischen Europäern - ohne Probleme mit Gettos, Gewalt, Brennpunktschulen wäre das nicht schön und eigentlich besser für alle?

  • @LotharFritsch

    Ist es ok dass reiche norwegische Rentner ganze Dörfer in der Standzone in Spanien bevölkern ohne sich sprachlich und kulturell zu integrieren, bloß weil sie reich sind? Bald muss der spanische Staat wohl die Dolmetscher im lokalen Krankenhaus finanzieren.

    Auch hier liegen Sie falsch.

    Diese sogenannten Residenten sind größtenteils älter und verbringen ihren Lebensabend in Spanien. Sie benötigen häufig Hilfe und bezahlen dafür. Dadurch werden Arbeitsplätze vor Ort geschaffen. Meist beherschen sie sogar die Landessprache, man hat ja Zeit und möchte geistig nicht verrosten.

    Dies werden Sie bei Bulgaren, Rumänen und Zigeunern vergeblich suchen.

    zum Artikel:
    Habe im HB Online selten einen so realitätsfremden Artikel gelesen. Fakten werden verniedlicht und ignoriert. Die Ängste der vorausschauenden Deutschen werden nicht ernst genommen, obwohl die Einwanderung erst beginnt. Ob eine Integration möglich ist, ist noch nicht absehbar oder es endet in der türkisch, arabischen Variante.

    Schönen Tag noch.

  • Viele der Kommentare hier lesen sich merkwürdig aus meiner Sicht. Ich bin Zuwanderer - als Deutscher in der Informatikforschung in Norwegen. Und hier tobt die gleiche Debatte, bei der Flüchtlinge, Kriminelle und EU-Bürger munter in einen Topf geworfen werden. Man debattiert in Norwegen nun sogar, gegen den "Export von Sozialleistungen" vorzugehen - anlässlich vieler polnischer Handwerker, die hier arbeiten und Steuern in Norwegen zahlen und deshalb norwegisches Kindergeld ausgezahlt bekommen. Dieses soll nun bei Familie in Polen auf Polnisches Preisniveau gesenkt werden. Davon, dass die Steuerzahlungen der Arbeiter auch auf polnisches Niveau gesenkt werden sollen, redet natürlich niemand.
    Spielen wir diese Gedanken mal durch. Eine über Grenzen mobile Arbeitskraft erbt irgendwann mal ein Elternhaus. Oder heiratet über Grenzen. Wie will man in diesen Fällen eigentlich diese absurde Debatte über "Armutsmigration" weiter führen? Die Gründe für Migration lassen sich ja nicht einmal sauber voneinander trennen. Ist das "Armutsmigration", wenn ich als Akademiker lieber im wohlhabenden Norden auf festen Arbeitsverträgen zu norwegischem Lohn arbeite als im deutschen Postgraduierten-Prekariat auf befristeten Verträgen? Ist das anders bei rumänischen Gelegenheitsarbeitern oder Erntehelfern?
    Und mal anders herum: Ist es ok dass reiche norwegische Rentner ganze Dörfer in der Standzone in Spanien bevölkern ohne sich sprachlich und kulturell zu integrieren, bloß weil sie reich sind? Bald muss der spanische Staat wohl die Dolmetscher im lokalen Krankenhaus finanzieren.


    Um Sozialbetrug wirksam zu bekämpfen, muss die Polizei ran. 3 Monate auf Schengen-Touristenvisum, dann geht's nach Hause. Sozialbehörden brauchen Informationssysteme, in denen sie Daten mit anderen Behörden austauschen können. Wer erinnert sich noch an den Proteststurm, als dies vor einer Weile angekündigt wurde?
    Was Bayern und die CSU angeht,so bin ich einig mit "Wer betrügt, fliegt!" Vor allem bei Fussballclubs.

  • Nichts gegen die Zuwanderung von Menschen, die etwas mitbringen z.B. deutsche Sprache,Schulbildung, Berufsausbildung. Sie sind bei uns gern gesehen, aber wir müssen bei der Einreise auf diese Dinge achten.
    Menschen aber, die nichts mitbrigen muß gesagt werden: "Es tut und leid, geht bitte wieder nach Hause.Wir bezahlen gerne die Heimreise. Deutschland hat ca. 7 Billionen Staatsschulden und kann euch nicht unterhalten."
    Ich darf hier auch an die Zuwanderung der Hugenotten, Salzburger Evengelen u. a. erinnern, sie brachten alle etwas mit und haben in unserem Land hervorragendes Geleistet. Von den heutigen Zuwanderen müssen wir dieses auch verlangen.
    Dies gilt nicht nur für Zuwanderer aus dem EU-Bereich sondern erst recht für Menschen aus Afrika.Ich möche nicht , daß diese Menschen in wenigen Jahren durch die Straßen gejagt werden, weil sie primär auf Sozialleistung fixert sein könnent

  • Irgendwie vergeht kein Tag, an dem nicht in einer deutschen Tageszeitung davon berichtet wird, dass die Zuwanderung für den Wohlstand und das Wirtschaftswachstum unerlässlich sind.
    Vielleicht brauchen wir mehr Aufklärung über die Zustände in Städten, z. B. Mannheim wo viele der zugewanderten Menschen leben. Ein Spaziergang durch ehemals schöne Stadtteile verdeutlicht die Folgen einer ungeplanten und kontrollierten Zuwanderung. Prostitution, Bettelei und Verwahrlosung kommen nur optisch zutage. Eine Berichterstattung in den Medien über Straftaten dieser Zuwanderer wird nicht veröffentlicht.
    Eine wirklichkeitsnahe Lagebeschreibung der Beamten vor Ort wird von Medien ignoriert. Bereits jetzt haben wir uns ein Proletariat geschaffen, und soziale Folgen und auch politische Gefahren werden unter "den Teppich gekehrt".
    Eine volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, die ableitet, mehr Zuwanderung gleich mehr Wachstum, ist doch sehr naiv dargestellt. Gesellschaftlich werden wir uns über Jahrzehnte mit Spätfolgen beschäftigen, politisch werden extremistische Parteien mehr Zulauf erhalten.

  • Warum sollen wir zusehen, wenn sich die osteuropäischen Länder von einer ungeliebten Minderheit befreien, indem sie diese ins reiche, wohlgeordnete soziale Netz Deutschlands einreisen lassen? Unser soziales Netz wird von hiesigen Steuerzahlern finanziert und sollte auch diesen vorbehalten sein.

  • @ Michl

    Der Beamtenapparat geht davon aus dass die Zuwanderung Umverteilung notwendig macht und dies langfristig Beamtenarbeitsplätze sichert. Mehr gut dotierte Beamtenstellen in Justiz und Steuererhebung. Viele immer noch gut bezahlte Beamtenstellen in der Verwaltung der Zugereisten.
    Warum fordern Lehrer und die Polizei gerade wieder einmal mehr Planstellen?

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