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Kommentar VW-Aktionärs-Klagen haben einen Hauch von Heuchelei

Die groß angelegten Klagen von Aktionären gegen ihre eigene Firma grenzen an Absurdität. Sie verschleudern damit ihre eigenen Vermögenswerte.
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Viele Aktionäre verklagen den Konzern wegen der Verfehlungen im Diesel-Skandal. Quelle: dpa
Volkswagen Hauptversammlung

Viele Aktionäre verklagen den Konzern wegen der Verfehlungen im Diesel-Skandal.

(Foto: dpa)

Mehr als 2.000 Kläger haben sich versammelt, um gegen den Volkswagen-Konzern zu klagen. Sie werfen ihm vor, er habe zu spät über seine Verstöße gegen Abgasvorschriften berichtet und sie damit geschädigt. So beginnt, nach der Erfahrung mit ähnlichen Prozessen der Vergangenheit, ein jahrelang dauerndes Verfahren, das Unsummen verschlingt.

Arme Aktionäre gegen einen mächtigen Konzern – das hat etwas von David gegen Goliath. Aber die juristische Konstruktion vernebelt die wirtschaftliche Realität.

Es ist grundsätzlich schon richtig, dass Unternehmen im juristischen Sinne Personen sind, also auch vor Gericht belangt werden können. Sonst würde ja jede Klage, etwa durch Arbeitnehmer oder Kunden, ins Leere gehen. Aber Aktionäre sind eben nicht irgendwelche Kläger, sondern die Eigentümer. Jeder Euro, den sie einklagen, wird ihr Eigentum weniger wert.

Wenn Aktionäre ihre eigene Firma verklagen, dann verlangen sie im Grunde Geld von sich selbst. Genauer: Eine Gruppe von Aktionären, die Kläger, möchte Geld von einer anderen Gruppe – denen, die nicht klagen. Es geht gar nicht um David gegen Goliath, sondern um Aktionär gegen Aktionär. Das grenzt ans Absurde, der Hauch von Heuchelei ist nicht zu leugnen: Würden alle Aktionäre klagen, müssten sie sich am Ende selbst entschädigen. Und wenn nicht alle klagen, dann sind die Geschädigten in der Regel genauso wenig schuld an den Verfehlungen des Unternehmens wie die Kläger.

Solange Unternehmen juristische Personen sind, wird es auch Aktionärsklagen und darauf spezialisierte Anwälte geben. Es wird auch immer aktivistische Aktionäre geben, die sich auf solche Prozesse fokussieren und sich dabei als Robin Hood, als Wohltäter der ärmeren Miteigner, aufspielen. Aber auch dieser Mythos wäre eine falsche Beschreibung. Es geht hier noch weniger als bei manchen anderen Gerichtsverfahren um Gerechtigkeit, sondern nur ums Geld. Aber vielleicht war Robin Hood in Wahrheit ja auch nur ein ganz simpler Räuber.

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