Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch sollte zurücktreten

Die Großaktionäre Porsche und Niedersachsen haben den Wolfsburger Konzern in eine prekäre Lage gesteuert. Es gibt nur eine saubere Lösung für diese Situation.
25.09.2019 - 17:17 Uhr Kommentieren
Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat Anklage gegen den Chefkontrolleur der Wolfsburger erhoben. Quelle: AP
Hans Dieter Pötsch

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat Anklage gegen den Chefkontrolleur der Wolfsburger erhoben.

(Foto: AP)

Diese Botschaft war zu erwarten: Am Mittwoch stellten die Kontrolleure des Volkswagen-Konzerns dem Vorstandsvorsitzenden Herbert Diess und dem Aufsichtsratschef Dieter Pötsch einen Persilschein aus. Das Gremium stellt sich ungeachtet der Anklageerhebung der Staatsanwaltschaft und eines möglichen Gerichtsverfahrens hinter die beiden Topmanager. Was auch anderes hätte der Aufsichtsrat jetzt beschließen sollen?

Vier Jahre nachdem die tausendfache Manipulation von Dieselmotoren aufgeflogen ist, bahnt sich ein juristisches Nachspiel an, das den Wolfsburger Automobilhersteller erneut in eine schwere Krise stürzen könnte. Es ist an sich nur die Fortsetzung einer verfehlten Strategie durch die Eigentümer des Unternehmens.

Denn die Familien Porsche und Piëch hatten vereint mit dem Land Niedersachsen beschlossen, die Krise – konzernintern immer verniedlichend Dieselproblematik genannt – seit 2015 durch konsequentes Aussitzen zu bewältigen.

Im Spitzenpersonal zeigte sich das so: Der damals amtierende Finanzchef Pötsch wurde als Vertrauter der dominierenden Eigentümer zum Chefkontrolleur ernannt. Obwohl schon zu diesem Zeitpunkt klar sein musste, dass auch er Gegenstand der dann folgenden Untersuchungen sein würde über das Was und Wie – vor allem aber auch um die Frage, wer etwas vom Skandal gewusst haben könnte und wann Informationen den Entscheidungsträgern vorlagen.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Alle bisherigen Untersuchungen und auch die jetzt vorliegende 636-seitige Anklageschrift der Braunschweiger Staatsanwaltschaft zeigen: Das Thema muss den Entscheidungsträgern des Konzerns schon vor dem 18. September 2015 bekannt gewesen sein. Dem Tag, an dem sich Volkswagen erstmals an die Öffentlichkeit traute.

    Nun steckt VW im Dilemma: Ein Aufsichtsratschef, der sich selbst eventuell wegen Manipulation des Aktienkurses vor Gericht verantworten muss, soll darüber entscheiden, wie es mit dem Vorstandsvorsitzenden, der sich desselben Vorwurfs erwehren muss, weitergehen soll.

    Pötsch kann deshalb nicht an Entscheidungen des VW-Aufsichtsrats teilnehmen, die sich mit Diess beschäftigen. Anders formuliert: Würde sich der Aufsichtsrat dieses führenden deutschen Unternehmens von seinem Chef trennen, dessen Mandat während der Gerichtsverhandlung ruhen lassen oder einen Vergleich schließen wollen, so wäre der wichtigste Mann in dem Gremium kaltgestellt. Eine absurde Vorstellung.

    Dass jetzt auch noch in Kreisen des VW-Konzerns argumentiert wird, weder auf Diess noch auf Pötsch verzichten zu können, treibt den Irrsinn auf die Spitze.

    Natürlich ist Volkswagen wie BMW, Daimler und andere Automobilhersteller in einer extrem schwierigen Umbauphase vom Verbrennungsantrieb zu emissionsarmen Antriebsformen. Eine gigantische Herausforderung für die Industrie.

    Aber niemand hat die Entscheider bei VW dazu gezwungen, in dieser komplexen Lage mit ebendieser brisanten Personalkonstellation zu agieren. Diess wie Pötsch hätten schon längst gegen unbelastete Manager ausgetauscht werden können. Der radikale Wandel der Autoindustrie ist mindestens genauso lange bekannt wie der Dieselskandal.

    Doch in Wolfsburg gilt die Parole „durchhalten!“. Und die wird von den Familien Porsche und Piëch sowie dem Land Niedersachsen ausgegeben. Der Feind steht immer vor den Werkstoren.

    Dabei sitzt er zuweilen im Sitzungssaal des Aufsichtsrats. Die Großaktionäre tragen die Verantwortung dafür, dass sich das Management – und hier speziell Diess und Pötsch – in einer ausweglosen Lage befindet.

    Vergleichbare Fälle aus der Vergangenheit könnten vielleicht sogar den Weg aufzeigen, wie sich auch bei VW der Knoten lösen lässt. Gleich mit der Anklageerhebung zu Wochenbeginn kam die Frage auf: Kann ein Vorstandschef eigentlich neben seinem Job den Sitzungsmarathon vor einem Gericht durchhalten?

    Die Antwort lautet: Ja, er kann. Bestes Beispiel dafür ist der ehemalige Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, der sich wegen des Vorwurfs der Untreue im Mannesmann-Prozess über mehrere Jahre sogar vor Gericht verantworten musste. 2006 wurde das Verfahren eingestellt. Ob das zulasten des Unternehmens geht, steht auf einem anderen Blatt.

    Der Korruptionsfall Siemens dagegen dürfte für Chefaufseher Pötsch eine wichtige Lehre hergeben. Damals ging es um schwarze Kassen und natürlich auch um die Frage, wer wann was gewusst hat. Auch bei Siemens standen Aufseher wie Vorstände unter Verdacht. Und auch in München hätte ein belasteter Chefaufsichtsrat über ebenso belastete Vorstände entscheiden müssen.

    Das Ergebnis ist bekannt: Heinrich von Pierer trat 2007 von seinem Posten als Siemens-Chefkontrolleur zurück und machte damit zugleich den Weg frei für eine saubere Aufarbeitung des Schmiergeldskandals.

    Bei Volkswagen gibt es jetzt auch nur noch eine saubere Lösung: Dieter Pötsch muss sein Amt niederlegen.

    Mehr: VW und die angeklagten Manager blenden in ihrer Verteidigung manches Argument aus, findet Kapitalmarktrechtler Klaus Ulrich Schmolke.

    Startseite
    Mehr zu: Kommentar - VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch sollte zurücktreten
    0 Kommentare zu "Kommentar: VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch sollte zurücktreten"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%