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Kommentar VW-Lkw-Tochter Traton muss sich globaler aufstellen

Die VW-Truck-Sparte Traton könnte den US-Konkurrenten Navistar doch noch übernehmen. Eine richtige Entscheidung, denn die Sparte muss globaler werden.
31.01.2020 - 09:11 Uhr Kommentieren
Die Truck-Sparte will nach dem Börsengang expandieren. Quelle: Reuters
Traton-Chef Andreas Renschler

Die Truck-Sparte will nach dem Börsengang expandieren.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf Im vergangenen Sommer kurz nach dem eigenen Börsengang hatte Traton-Vorstandschef Andreas Renschler der kompletten Übernahme des US-Konkurrenten Navistar noch eine klare Absage erteilt. „Wir sind mit unserer Partnerschaft mit Navistar sehr zufrieden, so wie sie ist“, sagte er damals in einem Interview mit dem Handelsblatt. Die Volkswagen-Lkw-Sparte Traton hält bislang knapp 17 Prozent am amerikanischen Lastwagen- und Bushersteller. Beide Unternehmen kooperieren, etwa in der Motorenentwicklung.

Ein halbes Jahr später sind die Worte von Traton-Chef schon wieder vergessen. Jetzt will die VW-Tochter Navistar doch komplett übernehmen – und Andreas Renschler hat es sich wieder anders überlegt. In einem kompletten Kauf sieht er jetzt die größeren Vorteile.

Aber wahrscheinlich hat Traton die vollständige Übernahme von Navistar immer als eigentliches Ziel verfolgt. Andreas Renschler konnte diesen Plan in der Öffentlichkeit nur nicht zugeben, um die Erwartungen niedrig zu halten und einen Übernahmepreis nicht unnötig in die Höhe zu treiben.

Aus strategischer Sicht wäre die komplette Übernahme von Navistar absolut richtig. Das Projekt „Traton“ ist bei Volkswagen vor allem darauf ausgerichtet, die eigene Wettbewerbsfähigkeit über Synergien deutlich zu erhöhen. Die beiden Lkw-Töchter Scania und MAN haben in der Vergangenheit sehr stark für sich allein agiert. Unter dem Traton-Dach sollen die beiden europäischen Lastwagen-Hersteller zusammenwachsen und vor allem die Entwicklungskosten teilen.

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    Das gilt in erster Linie für die Motoren, den aufwendigsten und teuersten Teil eines Lkw. Durch die bevorstehende Verschärfung der Kohlendioxid-Grenzwerte wird die Motorenentwicklung zudem noch deutlich teurer. Außerdem müssen die Lastwagen-Hersteller in neue Antriebsarten wie etwa die Brennstoffzelle verschieben.

    Traton würde zu einem globalen Spieler

    MAN und Scania haben allerdings bislang eine größere strategische Lücke aufzuweisen. Mit ihren Geschäften konzentrieren sie sich bislang sehr stark auf Europa, in Nordamerika gibt es einen weißen Fleck. Nach einer kompletten Übernahme von Navistar bekommt Traton viel bessere Möglichkeiten, sich auch auf dem amerikanischen Lastwagenmarkt festzusetzen.

    Andere europäische Lkw-Produzenten haben diesen Einstieg in den US-Markt schon vor Jahren geschafft. Die Daimler-Tochter Freightliner gehört zu den großen Truck-Anbietern in den Vereinigten Staaten.

    Lastwagen in Nordamerika und in Europa sind sehr unterschiedlich konstruiert. US-Trucks sind meistens größter und schwerer, sie brauchen deshalb eine stärkere Motorisierung. Trotzdem muss es Andreas Renschler und Traton vor allem darum gehen, nach einer Übernahme von Navistar noch mehr Synergien in der Zusammenarbeit mit Scania und MAN zu entwickeln. Dann lohnt sich der finanzielle Aufwand einer kompletten Übernahme von Navistar. Traton würde damit auch zu einem globalen Spieler auf dem Lkw-Markt aufsteigen.

    Umgerechnet etwa 2,6 Milliarden Euro will Traton für die Übernahme ausgeben. Nach dem Teilbörsengang aus dem vergangenen Jahr sind die Kassen bei der Münchener VW-Tochter ordentlich gefüllt. Außerdem naht der Verkauf der früheren MAN-Töchter Renk und MAN Energy Solutions, was noch einmal zusätzlich für Liquidität sorgen wird.

    Traton will Navistar zu einem vergleichsweise günstigen Zeitpunkt übernehmen. Der Lkw-Markt in den USA steht derzeit vor einem konjunkturellen Abschwung, Lastwagen-Hersteller sind an den Börsen deshalb niedriger bewertet. Volkswagen bietet den Navistar-Aktionären einen Aufschlag von 19 Prozent über dem Durchschnittskurs der vergangenen 90 Tage. Üblich sind 30 bis 40 Prozent. Allerdings gehört der bekannte US-Investor Carl Icahn zu den größten Navistar-Aktionären. Sein Verhandlungsgeschick ist bekannt. Er dürfte versuchen, noch einen größeren Aufschlag auszuhandeln.

    Traton und Volkswagen sind mit der geplanten Übernahme von Navistar auf dem richtigen Weg. Trotzdem bliebe aber auch nach einem erfolgreichen Vollzug dieses Geschäfts eine wichtige strategische Lücke: China. Auch dort ist Traton bislang vergleichsweise schwach vertreten. In der Volksrepublik hält die VW-Tochter vergleichbar zu Navistar eine Beteiligung am chinesischen Lkw-Hersteller Sinotruk. Traton-Chef Renschler zeigt bei Navistar, dass ihm am Ende eine Übernahme doch lieber ist als eine einfache Beteiligung. Vielleicht gibt es also auf absehbare Zeit einen ähnlichen Traton-Deal in China.     

    Mehr: Für den Traton-Chef Renschler ist die Transaktion der „logische nächste Schritt“. Der Konzern bietet 45 Prozent mehr für die Navistar-Aktie als der Schlusskurs vom Donnerstag.

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