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Kommentar VWs Schritt Richtung Batterieproduktion sollte der Autobranche ein Vorbild sein

Energiezellen machen 40 Prozent der Wertschöpfung bei E-Autos aus. Deutsche Autohersteller sollten das profitable Geschäft nicht der Konkurrenz überlassen.
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Bald könnte VW zum Vorreiter in der europäischen Batteriezellenproduktion werden. Quelle: dpa
Südkoreanische Batteriezellen in VW-Autos

Bald könnte VW zum Vorreiter in der europäischen Batteriezellenproduktion werden.

(Foto: dpa)

Für Dieselfahrer ist das keine gute Nachricht: Die Restwerte ihrer Autos werden weiter fallen, wahrscheinlich noch viel stärker als in Zeiten der Abgasaffäre. Für den Wertverlust werden künftig allerdings keine Softwaremanipulationen verantwortlich sein. Autos mit Verbrennungsmotor – wie der Diesel – sind ein Auslaufmodell. Die Automobilindustrie steht vor einer groß angelegten Elektrooffensive.

Die verschärfte Emissionsgesetzgebung der EU zwingt sie dazu. Künftige Abgasgrenzen lassen sich nur mit einem rasch steigenden Anteil an Elektroautos einhalten. Am Freitag wird der Aufsichtsrat von Volkswagen den Umbau von zwei Fabriken beschließen. In Emden und in Hannover laufen in fünf Jahren fast nur noch Elektrofahrzeuge von den Bändern.

Dann wird der Wolfsburger Konzern voraussichtlich etwa eine Million E-Autos allein in Deutschland produzieren, das wären dann fast 20 Prozent aller heute in der Bundesrepublik gefertigten Pkws. Doch die Produktion von Elektroautos ist nur die halbe Sache. Mit der Entscheidung, die Herstellung der E-Modelle hochzufahren, ist noch nicht die Frage beantwortet, wer die Batterien und die dafür benötigten Zellen fertigt.

Die Branche ist zerstritten: Sollte ein Hersteller die Fertigung der Batteriezellen selbst in die Hand nehmen? Oder ist das Ganze doch die Aufgabe für einen Zulieferer? Und, ganz wichtig, weil damit die Frage nach den Arbeitsplätzen verbunden ist: Müssen solche Fabriken in Deutschland entstehen?

Bislang waren die Antworten auf diese Fragen immer eindeutig. Deutschland hatte die Kompetenz für die Zellfertigung schon in den 70er-Jahren verloren. Hersteller in Japan und Korea entwickelten sich zu den führenden Anbietern von Batteriezellen, Unternehmen aus China sind in jüngster Zeit als Anbieter dazugekommen.

Standort Deutschland? Zu teuer, zu aufwendig, der Vorsprung der Asiaten ist zu groß. Mit diesen Argumenten haben deutsche Unternehmen den Bau eigener Zellfabriken bislang abgelehnt. Bosch ist das prominenteste Beispiel. Zu Jahresbeginn hatte sich der größte Autozulieferer der Welt gegen eine eigene Zellfertigung entschieden. Continental hatte die hohen Energiekosten in Deutschland dafür verantwortlich gemacht, hierzulande keine Zellfabriken hochzuziehen.

Inzwischen dreht sich der Wind, in Sachen Zellfabrik denkt die Autoindustrie neu nach. Vielleicht liegt es an der jüngsten Verschärfung der Emissionswerte durch die EU, die die Einführung von Elektroautos beschleunigen wird. Vielleicht liegt es auch an der Erkenntnis, dass die Batterie samt Zellen bis zu 40 Prozent der Wertschöpfung eines Elektroautos ausmachen wird. Also auch ein gutes Geschäft sein kann. Die Autobranche ist Deutschlands wichtigster Industriezweig.

Da fällt es schwer, einen so hohen Anteil der Wertschöpfung an ausländische Hersteller einfach abzutreten. Das hat zum Glück auch die Bundesregierung erkannt. Wirtschaftsminister Peter Altmaier denkt darüber nach, bis zu eine Milliarde Euro an Steuergeldern für den Bau einer Zellfabrik in Deutschland bereitzustellen. Und einige Firmenkonsortien prüfen gerade, ob sie mit staatlicher Hilfe eigene Zellfabriken errichten sollen.

Volkswagen hat als Marktführer eine Vorreiterrolle für die gesamte Branche, auch bei der Batteriezelle. Und es tut sich etwas in Wolfsburg: VW denkt inzwischen über den Bau eigener Zellfabriken nach – in Kooperation mit dem koreanischen Konzern SK Innovation.

Ein Joint Venture hätte den Charme, dass sich Volkswagen den Milliardenaufwand und damit auch das Risiko für neue Fabriken mit einem Partner teilen könnte. Trotzdem bekäme VW vollen Zugriff auf die Technologie. Angesichts der großen Bedeutung, die die Batterie für das Elektroauto hat, ist das ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

Deshalb ist es eine richtige Entscheidung, dass sich Volkswagen Schritt für Schritt auf eine eigene Zellfertigung zubewegt. Wer heute in die Technologie einsteigt, der kann mitbestimmen, in welche Richtung es geht. Die Entwicklung der zukunftsträchtigen Feststoffzellen wieder nur den Asiaten zu überlassen würde die Abhängigkeit auch der nächsten Stufe der Zelltechnik verschärfen.

Vor allem die größeren Reichweiten der Fahrzeuge machen Feststoffzellen hochattraktiv. Die Hilfe des Staates ist dabei willkommen, haben die chinesischen Anbieter sich schließlich ebenso nur mit staatlicher Hilfe etablieren können. Volkswagen ist der größte Autohersteller der Welt. Die Wolfsburger können ihre Größenvorteile auch in der Zellfertigung ausspielen.

Trotzdem sollten die Wettbewerber prüfen, ob sie bei ihrem Nein bleiben wollen. Der VW-Konzern beschreitet jetzt erst einmal nur seinen eigenen Weg – aber es wäre der richtige für die gesamte Branche.

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