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Kommentar Wäre das deutsche Schulwesen ein Unternehmen, es würde vom Markt verschwinden

Den Schulen fehlen Tausende Lehrer. Doch Geld allein hilft nicht, das Arbeitsumfeld muss stimmen – sonst suchen sich die jungen Menschen einen anderen Beruf aus.
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Mitunter landen angehende Lehrer sogar in prekären Verhältnissen. Quelle: dpa
Lehrermangel

Mitunter landen angehende Lehrer sogar in prekären Verhältnissen.

(Foto: dpa)

Das neue Schuljahr fängt an, und es fehlen Tausende Pädagogen. Einen derart dramatischen Lehrermangel habe es seit Jahrzehnten nicht gegeben, warnt der Lehrerverband: 10.000 Lehrerstellen seien gar nicht besetzt und 30.000 weitere nur notdürftig mit Nicht-Lehrern, also Seiteneinsteigern, Rentnern und Studenten. Ganz besonders schwierig ist die Situation für die Allerkleinsten: In Berlin sind 70 Prozent der neu eingestellten Lehrer in Grundschulen Seiteneinsteiger ohne jegliche pädagogische Vorbildung.

Wäre das deutsche Schulwesen ein Unternehmen, das im Wettbewerb steht, es würde vom Markt verschwinden. Nur haben die meisten Schülerinnen und Schüler kaum eine Alternative. Und so leidet eine ganze Generation unter den Fehlplanungen: Zu lange gingen Politiker und Behörden von sinkenden Schülerzahlen aus – dabei wächst die Zahl der Geburten seit Jahren.

Es fehlte der bildungspolitische Weitblick, zu erkennen, dass all die zusätzlichen Babys eines Tages das schulpflichtige Alter erreichen werden. Gleichzeitig haben die Behörden nie verstanden, dass sie sich die besten Lehrer in Zeiten knapper Fachkräfte nicht mehr einfach aussuchen können. Sie müssen sich um die klugen Köpfe bemühen – wie Siemens, SAP und Daimler auch.

Denn junge Menschen überlegen schon vor dem Studium, welche Ausbildung ihnen die besten Entwicklungschancen und ein gutes Arbeitsumfeld verspricht. Es geht dabei nicht nur um Geld.

Viele Schulen aber haben wenig mehr zu bieten als Wände mit bröckelndem Putz und Computer aus den Neunzigerjahren. Personalentwicklung findet oftmals kaum statt. Mitunter landen angehende Lehrer sogar in prekären Verhältnissen: Einige Bundesländer lassen Zeitverträge (oft jüngerer) Vertretungslehrkräfte vor den Sommerferien auslaufen – um sie anschließend wieder anzustellen. Das spart zwar Millionen Euro, hat aber hohe Kosten für das Image des Berufs.

Versäumnisse aus der Vergangenheit belasten heute Familien, Kinder und Schulen. Der Schaden ist auf die Schnelle nicht einmal mit Geld zu reparieren, weil es Jahre dauert, neue Lehrer auszubilden. Gelernt hat die Regierung offenbar nicht daraus, sie gibt Milliarden Euro für Leistungen wie Baukindergeld, Rente mit 63 und die Herdprämie aus, deren Kosten sich in voller Pracht auch erst in ein paar Jahren offenbaren werden.

Es ist der erklärte Wille der Bundesregierung, dass Deutschland in Zukunft eine führende Rolle spielen soll bei lernenden Algorithmen, selbstfahrenden Autos und vollautomatisierten Fabriken. Derzeit wird es den Schülern schwer gemacht, in dieser Zukunft jemals anzukommen, wenn sie von Hobby-Lehrern, Rentnern oder immer öfter gar nicht unterrichtet werden.

Eine Gewissheit, die den Kindern von heute bleibt, ist, dass sie dann die Renten derjenigen bezahlen dürfen, die heute als Erwachsene - als Politiker und auch als Wähler - die für sie so wenig nachhaltigen Entscheidungen getroffen haben.

Damit es ihren Geschwistern einmal besser geht, ist es an der Zeit, den Lehrerberuf für Menschen, die etwas gestalten wollen, wieder attraktiver zu machen. Denn gerade die haben keine Lust darauf, in vergammelten Bauten nur den Mangel zu verwalten.

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