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Kommentar Wäre der DFB ein Unternehmen, wären Grindel, Bierhoff und Löw längst weg

Der Fall Mesut Özil zeigt deutlich: Legt man Maßstäbe der Corporate Governance an den Fußballverband an, ist die Führung unhaltbar.
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Beim DFB scheinen in Unternehmen längst übliche Regeln keine Rolle zu spielen. Quelle: dpa
Teammanager Oliver Bierhoff (links) und DFB-Präsident Reinhard Grindel

Beim DFB scheinen in Unternehmen längst übliche Regeln keine Rolle zu spielen.

(Foto: dpa)

Das Theater um den Nationalspieler Mesut Özil nimmt absurde Züge an. Lassen wir mal die politisch und emotional aufgeladene Diskussion für einen Augenblick im Hintergrund. Sie überdeckt etwas sehr Wesentliches, den sachlichen Blick auf die desaströse Geschäftspolitik des DFB rund um die Fußball-Weltmeisterschaft. Man stelle sich einmal vor, der Fußballverband wäre eine Aktiengesellschaft, dann würde das mit Sicherheit ernste Folgen für das leitende Personal haben.

DFB-Präsident Reinhard Grindel als Äquivalent zu einem Aufsichtsratschef müsste in jedem Fall seinen Posten räumen. Er hat die Vertragsverlängerung von Bundestrainer Joachim Löw – in diesem Gedankenspiel der Manager für das operative Geschäft – bis 2022 kurz vor der Weltmeisterschaft in Russland durchgewunken. Allein aus Vorsicht und aus Risikogründen für das Unternehmen DFB hätte er bis nach dem Turnier warten müssen, wie es in aller Regel auch üblich ist.

Das Abschneiden bei einer Weltmeisterschaft bestimmt über einen wesentlichen Teil der Einnahmen des DFB. Ohne Not ist Grindel da ein zusätzliches finanzielles Risiko mit dem Millionenvertrag mit Löw für sein „Unternehmen“ eingegangen – wenn nicht vorsätzlich, dann zumindest fahrlässig. Und nach dem frühen Ausscheiden durfte Löw auch noch selbst entscheiden, ob er weitermacht.

So etwas ist in der Wirtschaft undenkbar. Mindestens hätten Klauseln zur Anpassung der Bezahlung enthalten sein müssen – ein klares Versagen der Kontrollfunktion des Aufsichtsrates. Auch hat Grindel aus Gesichtspunkten der Corporate Governance fragwürdige wirtschaftliche Verbindungen zugelassen, indem der Trainer die gleichen Berater hat wie einige Spieler, darunter Mesut Özil. Einsätze bei einer erfolgreichen WM steigern den Marktwert der Spieler und den Verdienst der Berater. Hier liegt ein Interessenkonflikt vor.

Wenn dann Grindel und Oliver Bierhoff, quasi der Vorstandschef, einen einzelnen Spieler nachträglich öffentlich zum Sündenbock machen, würde das in einem modernen Unternehmen nicht toleriert. Wenn es sich um einen Mitarbeiter mit Migrationshintergrund handelt, sind die großen internationalen Unternehmen noch sensibler. Sie haben sich strenge Regeln zur Diversity gegeben, gerade um der Diskriminierung oder auch nur dem Anschein einer solchen entgegenzuwirken.

Noch schlimmer wird es, wenn die Anschuldigungen auch noch sachlich nicht gerechtfertigt sind. Das Versagen des Unternehmens Nationalmannschaft lag mit Sicherheit nicht an Mesut Özil, wie es Bierhoff in einem abgestimmten Interview nahelegte. Zum zweiten Mal nach den Erdogan-Bildern unterschätzte Bierhoff das sensible Diversity-Thema. Beide haben damit die DFB-Kampagnen gegen Rassismus und damit dem Ansehen des Unternehmens schweren Schaden zugefügt. Vertrauensverlust führt in der Wirtschaft bei Organmitgliedern in aller Regel zur Trennung.

Anfängerfehler aus Selbstüberschätzung

Darüber hinaus sieht es so aus, als ob den Protagonisten die Causa Özil gerade Recht kommt, um vom eigenen Versagen abzulenken. Denn Bundestrainer Jogi Löw hat als CCO das operative Geschäft zu verantworten und ist dabei kolossal gescheitert. Es geht dabei nicht um unglückliches sportliches Ausscheiden, sondern massive Fehleinschätzungen. Durch seine offensive Taktik war das Spiel der Mannschaft offen wie ein Scheunentor, selbst für Gegner wie Saudi-Arabien in der Vorbereitung und Mexiko und Südkorea im Turnier.

Eigentlich war das ein taktischer Anfängerfehler. Da Löw kein Anfänger ist, handelt es sich wohl um Selbstüberschätzung. Dazu passen zögerliches, halbherziges Entscheiden in Krisensituationen, was auch schon bei anderen Turnieren zu sehen war – Weltmeisterschaft vor vier Jahren hin oder her. Als Trainer hat er seine Mannschaft nicht mehr erreicht. In der Bundesliga hätte er schon längst gehen müssen.

Verglichen mit einem Unternehmen liegt hier ein ganz klares Managerversagen vor. Durch das unnötig frühe Ausscheiden hat er seinen Arbeitgeber massiv in finanzielle Bedrängnis gebracht. Viele getroffene Personalentscheidungen waren falsch. Nicht gemeint ist dabei die Entscheidung, Özil trotz der Erdogan-Bilder mitzunehmen.

Es ist schon ein starkes Stück, nach dem Ausscheiden zweieinhalb Wochen früher nach Hause zu fahren und erst einmal Urlaub in den Urlaub gehen, statt sich gleich an die Analyse zu machen. Man stelle sich vor: in einem Unternehmen brennt die Hütte, und der zuständige Manager geht erstmal in den Urlaub.

Man würde sicher noch mehr Beispiele finden. Beim DFB scheinen jedenfalls in Unternehmen längst übliche Regeln keine Rolle zu spielen. Kontrolle von Vorstand durch den Aufsichtsrat Fehlanzeige, Filz statt Corporate Governance.

Der DFB schaut auf die Wirtschaft, vor allem wenn es um Sponsorengelder geht. Dabei könnte der DFB beim Thema Unternehmensführung sich einiges von so manchem Konzern abschauen. Bei Mercedes scheinen sie jedenfalls nicht unglücklich mit dem Auslaufen des Sponsorenvertrages. Eine gute, dem Leistungsgedanken und der Corporate Governance verpflichtete Unternehmensführung sieht jedenfalls anders aus.

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5 Kommentare zu "Kommentar: Wäre der DFB ein Unternehmen, wären Grindel, Bierhoff und Löw längst weg"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Herr Buchenau, Sie sprechen endlich die wahren Punkte an, das Versagen der "Heiligen Drei".
    Ich würde mir wünschen, Ihr Artikel wird weit gestreut und zeigt Wirkung -> alle 3 MÜSSEN das DFB-Schiff verlassen! Verantwortung für ein desaströses Abschneiden übernehmen.

  • Herr Buchenau,
    welch ein Vergleich.
    Wären die deutschen Regierungen in den letzten 25 Jahren einem Unternehmen gleich gestellt, wären sie schon längst total Pleite.
    Also sind solche Vergleiche nur Blödsinnig.

  • Hallo Herr Buchenau,

    schade, dass Sie in Ihrer fiktiven Story nicht auf die zu erwartenden Reaktionen der Kundschaft eingegangen sind. Viele Leser werden sich nämlich fragen, wann die ersten Sponsoren das schlingernde Schiff verlassen werden.

    Warum lassen Sie Ihre Story nicht damit enden, dass in einem realen Unternehmen die Kunden (hier: Sponsoren) mindestens zum Teil abspringen, in der festen Überzeugung, dass sich bei ihrem Hersteller oder Lieferanten nur damit etwas ändern wird?

    Viele Grüße
    Wilhelm Wilming
    Freier Journalist

  • Sie sprechen mir aus der Seele. Ich bin selbst Unternehmer und hätte mich von diesen leitenden Mitarbeiter eines wichtigen Projektes (oder dem Projekt überhaupt) längst trennen müssen.

    Der Schaden wird immens sein und man kann nur hoffen, dass der DFB zumindest komplett neu durchstrukturiert wird.

    Einschliesslich den leitenden Mitarbeitern.

  • Nun die Industrie als Vorbild zu nehmen ist mehr als lächerlich.

    Verweise hier nur auf VW, Audi, Porsche, Daimler usw., aber auch andere Industriezweigen halten es mit Gesetzen nicht so genau.

    Manche Industriezweige gleichen eher der Mafia, Gesetze werden nicht eingehalten, Kunden betrogen, die Bevölkerung mit gefährlichen Schadstoffen belastet und die Bosse kassieren Jahresgehälter im zweistelligen Millionenbereich. Rücktritte kaum und wenn mit Millionen Abfindungen.
    Ja das sind Vorbilder wenn auch nicht für redliche bürger.

    Beim DFB geht es um schnöden Fußball, für manche die schönste Nebensache der Welt aber mehr nicht.

    Herr Buchenau, hätten sie geschwiegen wären sie ein Weiser geblieben, mit dem Vergleich DFB mit Industrie sieht jetzt jeder ihre Unfähigkeit.