Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Warren Buffett kann sich irren – und trotzdem das Richtige verraten

Das Orakel von Omaha wird der Berkshire-Hathaway-Chef genannt. Zuletzt agierte er eher glücklos. Und das ist ein schlechtes Omen für die Märkte.
Kommentieren
Im Februar räumte der 88-jährige Warren Buffett ein, bei der Übernahme des Lebensmittelkonzerns Kraft zu viel bezahlt zu haben. Quelle: imago images / Xinhua
Warren Buffett

Im Februar räumte der 88-jährige Warren Buffett ein, bei der Übernahme des Lebensmittelkonzerns Kraft zu viel bezahlt zu haben.

(Foto: imago images / Xinhua)

Warren Buffett hat sich geirrt. Das Orakel von Omaha, wie der Starinvestor mit Bezug auf seinen Wohnsitz und die Zentrale seiner Holding Berkshire Hathaway genannt wird, ist nicht unfehlbar.

Seine Firma kaufte jetzt erst zum ersten Mal Aktien von Amazon, und ihr Chef und Gründer bekannte öffentlich, dass er zu lange damit gezögert habe. „Ich war ein Idiot, dass ich nicht gekauft habe“, kommentiert er die zurückliegenden Jahre. Der Milliardär hat sich nicht zum ersten Mal geirrt.

Im Februar räumte der 88-Jährige ein, bei der Übernahme des Lebensmittelkonzerns Kraft zu viel bezahlt zu haben. Er hatte das Unternehmen zusammen mit dem Finanzinvestor 3G erworben und zu Kraft Heinz fusioniert. Dieses fusionierte Unternehmen musste zuletzt hohe Abschreibungen auf Marken und Verluste einstecken.

Zugleich lamentierte Buffett über die hohen Preise für Unternehmen, die es ihm fast unmöglich machen, das Bargeldpolster von satt über 100 Milliarden Dollar bei Berkshire für Investitionen zu nutzen.

Hat der alte Mann seine Magie verloren? Hat sich seine Strategie, auf Unternehmen mit starken Marken, guter Führung und hohen Geldrückflüssen zu setzen, überlebt in einer Zeit, wo Tech-Firmen wie Amazon und Facebook die Welt beherrschen? Oder ist seine Firma Opfer ihres eigenen Erfolgs, weil sie aufgrund ihrer Größe immer mehr Mühe hat, ihr Geld vernünftig anzulegen? Vielleicht. Vielleicht steckt in dem Problem von Buffett aber auch eine Warnung an alle Investoren.

Grafik

In der Vergangenheit schnitt Buffett auch immer mal wieder relativ schlecht ab. Aber meist war das ein schlechtes Omen für den Aktienmarkt. Das Prinzip ist simpel: Wenn alle Aktien zu teuer werden, findet einer, der billig einsteigen will, keine Kaufgelegenheiten mehr.

Und wer im Boom nicht einsteigt, macht dabei auch keinen Schnitt. Wenn dem Boom ein Crash oder eine Durststrecke folgt, steht er vergleichsweise wieder besser da. Und wird die Chance nutzen, zu niedrigen Preisen zu kaufen.

Teure Aktien

Zurzeit sind nicht nur die Aktien relativ teuer. Sondern Beteiligungsgesellschaften stecken voll Geld, das sie unter dem Druck ihrer Anleger investieren müssen. Zum Teil hebeln sie die Rendite durch Schulden künstlich hoch – was Buffett nicht tut. Deswegen aber ist auch der Beteiligungsmarkt recht teuer – und der alte Mann aus Omaha findet keine attraktiven Angebote. Bei Heinz und Kraft hat er mit 3G, also einer Beteiligungsgesellschaft, zusammengearbeitet.

Sie ist dafür bekannt, Kosten bei übernommenen Unternehmen radikal zu senken: Auch das ist eine Möglichkeit, bei eigentlich zu hohen Einkaufspreisen als Unternehmenskäufer noch einen Schnitt zu machen. Es war zuvor nie Buffetts Strategie – und er ist prompt damit reingefallen.

Buffett ist schon 2016 bei Apple eingestiegen, immerhin auch ein Tech-Wert. Aber er sieht dieses Unternehmen mehr als Konsumunternehmen: mit einer starken Marke und treuen Kunden sowie hohen laufenden Gewinnen. Amazon ist ein anderer Fall.

Zwar ist auch dort die Kundenbindung hoch. Außerdem hat Buffett eine sehr hohe Meinung von Jeff Bezos, dem Gründer und Chef. Aber der Konzern hat, seit er besteht, kaum Gewinn gemacht und ist heute mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von fast 100 enorm teuer.

Ein ungewöhnlicher Kauf

So besehen ist der jüngste Kauf ungewöhnlich für Buffett. Doch wahrscheinlich hat der enorme Expansionskurs des Konzerns ihn davon überzeugt, dass hohe Verluste in neuen Geschäftsfeldern als Investitionen zu werten sind und so die Ertragslage verschleiern. Trotzdem bleibt die Frage: Ist das System Buffett zukunftsfähig? Zunächst ist festzuhalten: Er trifft seine Entscheidungen nicht allein, sondern hat mit Ted Weschler und Todd Combs jüngere Manager und mögliche Nachfolger zur Seite.

Beide gelten als aufgeschlossener für Tech-Werte als er selbst. Trotzdem verfolgen alle bei Berkshire dieselbe Grundlinie: möglichst wenig beeinflusst von Bankanalysten urteilen, auf ein überzeugendes Geschäftsmodell und ein gutes Management setzen, mit offenem Ende, also sehr langfristig investiert bleiben.

Ted Weschler hat einmal im Interview geschildert, dass er selbst über Milliardenbeträge häufig relativ allein entscheidet und dabei alle erdenklichen Informationen einbezieht und die Meinung von externen Experten möglichst ausblendet.

Es ist Kapitalismus im besten Sinne: Das Geld soll langfristig den größten Nutzen bringen. Wahrscheinlich gibt es kaum einen anderen Stil zu investieren, der so sehr von der individuellen Erfahrung und dem Urteilsvermögen der handelnden Personen abhängig ist.
Wahrscheinlich muss es hin und wieder Anpassungen des konservativen Modells geben, um Chancen wie bei Amazon nicht zu verpassen. Aber der Kapitalismus kann nur lebendig bleiben, wenn Kapitalentscheidungen umfassend unternehmerisch und nicht nur nach Kennzahlen oder zunehmend auch Algorithmen getroffen werden.

Startseite

Mehr zu: Kommentar - Warren Buffett kann sich irren – und trotzdem das Richtige verraten

0 Kommentare zu "Kommentar: Warren Buffett kann sich irren – und trotzdem das Richtige verraten"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote