Kommentar Warum der Apple-Chef die Liebe zum Datenschutz entdeckt

Tim Cook bekennt sich in Brüssel zum europäischen Datenschutzrecht. Die Haltung des Apple-Chefs ist aus der Not geboren – und dennoch richtig.
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Unerwartet deutlich lobt der Apple-Chef das neue europäische Datenschutzrecht. Quelle: dpa
Tim Cook in Brüssel

Unerwartet deutlich lobt der Apple-Chef das neue europäische Datenschutzrecht.

(Foto: dpa)

Apple-Chef Tim Cook tourt dieser Tage durch Europa. Er besucht App-Programmierer, trifft Start-ups – und hält eine Brandrede auf einer EU-Datenschutzkonferenz in Brüssel. Dabei verkündet er vor allem eine Botschaft: Apple ist anders! Anders als Konzerne wie Facebook oder Google, die ihr Geld vor allem mit Onlinewerbung verdienen und für die deshalb das Sammeln von Nutzerdaten zum Kerngeschäft gehört.

Unerwartet deutlich lobt Cook das neue europäische Datenschutzrecht: Er sähe es gerne, wenn Länder in aller Welt dem guten Beispiel Europas folgten – inklusive der USA

Bemerkenswerte Worte. Denn die europäische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) soll gerade der Daten-Sammelwut großer Tech-Konzerne enge Schranken setzen, Apple durchaus mit eingeschlossen. Geschickt macht Cook aus dem strategischen Dilemma eine Marketingtugend.

Anders als bei Google, Facebook oder auch Amazon ist es Apple nie gelungen, ein relevantes werbe- oder datenbasiertes Geschäftsmodell aufzubauen. Apples iAd-Netzwerk für App-Werbung zum Beispiel hat nie funktioniert, das Team wurde inzwischen aufgelöst. Apple macht 87 Prozent seines Umsatzes mit den Verkäufen von iPhones, iPads, Computern und zunehmend auch mit der Apple Watch – vor zehn Jahren lag dieser Hardwareanteil bei 85 Prozent. 

Und so positioniert sich Apple immer klarer gegen die Datensammler bei Google und Facebook. Apple informiert genauer als andere, was es für den Schutz sensibler Informationen tut. Die Geräte übertragen zum Beispiel möglichst wenig Daten an zentrale Apple-Server. Der Apple-Browser Safari gibt immer weniger Informationen über seine Nutzer preis. Und die Nachrichten von iPhone zu iPhone sind so sicher verschlüsselt, dass nicht einmal Apple sie lesen kann. 

Auch in anderen Unternehmen spielt Datenschutz eine Rolle. Aber kein anderer Tech-CEO bezieht so deutlich Stellung wie Tim Cook, der sich vor einigen Jahren weigerte, dem FBI zu helfen, das iPhone eines Attentäters zu entsperren.

Auch wenn diese Strategie aus der Not geboren sein mag: Sie ist richtig. In einer Welt, in der Algorithmen immer mehr Entscheidungen für die Nutzer treffen, ihre Wünsche erforschen und Geheimnisse entschlüsseln, wird eine wachsende Zahl von Menschen die Frage stellen, was genau die Konzerne mit ihren Daten anstellen – und wie sie sensible Informationen im Netz schützen können.

Überzeugende Antworten darauf gibt bislang kaum ein Unternehmen. Aber vielleicht beginnt mit Cooks Brandrede nun eine Gegenbewegung, in der Datenschutz zu einem Geschäftsmodell wird. Das wäre eine Entwicklung, die Google, Facebook und Amazon genau beobachten sollten. 

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