Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Warum der Einfluss von Auftraggebern der Wissenschaft schadet

Professoren, die Aufträge aus der Wirtschaft annehmen und Aufsätze schreiben, müssen für Transparenz sorgen und ihre Auftraggeber kenntlich machen.
Kommentieren
Schon der Eindruck, dass Auftraggeber Einfluss auf Wissenschaftler nehmen, beschädigt deren Glaubwürdigkeit. Quelle: Imago
Gutachten-Stempel

Schon der Eindruck, dass Auftraggeber Einfluss auf Wissenschaftler nehmen, beschädigt deren Glaubwürdigkeit.

(Foto: Imago)

Es ist legitim, dass Wissenschaftler Privatgutachten für die Wirtschaft schreiben und damit neben ihrer regulären Tätigkeit an einer Hochschule Geld verdienen. Nicht akzeptabel ist es allerdings, wenn sie ihren Hauptberuf mit ihren Nebenjobs vermischen, ohne ihre Leser darüber aufzuklären. Der Dieselskandal bei Volkswagen ist dafür ein Beispiel.

Allein eine halbe Million Dieselkunden von Volkswagen fordern auf verschiedenen Wegen Schadensersatz vom Konzern. Das wirft naturgemäß vielfältige Fragen auf, die auch an den Jura-Fakultäten der Universitäten heftig diskutiert werden.

Volkswagen hat etliche Professoren eingespannt, um rechtliche Fragen rund um die Abgasaffäre zu beurteilen. In vielen Fällen schreiben dieselben Professoren zu diesen Themen vermeintlich wissenschaftliche Aufsätze. Das Problem: Die Hochschullehrer machen dabei nicht transparent, dass sie gegen Honorar für den Autobauer tätig waren. Oft finden sich lediglich Hinweise darauf, dass der Beitrag auf eine Anfrage aus der Privatwirtschaft zurückgeht.

Damit verstoßen die Wissenschaftler gegen fundamentale Prinzipien. Universitäten und Hochschullehrer können sich auf die Freiheit von Forschung, Wissenschaft und Lehre berufen und genießen dafür nach Artikel 5 Absatz 3 des Grundgesetzes sogar verfassungsrechtlich garantierten Schutz. Diese Sonderstellung verlangt allerdings größtmögliche Transparenz für Hochschulprofessoren, die für eine bestimmte Partei tätig werden.

Es gilt, allein den Anschein eines möglichen Interessenkonflikts zu vermeiden. Schon der Eindruck, dass Auftraggeber Einfluss auf Wissenschaftler nehmen, beschädigt deren Glaubwürdigkeit. Auch die Universitäten, die solche Professoren beschäftigen, nehmen Schaden, wenn ihre wissenschaftliche Unabhängigkeit infrage steht.

Wie problematisch das sein kann, zeigt aktuell ein Strafprozess vor dem Landgericht Bonn. Dort stehen zwei britische Aktienhändler wegen Hinterziehung von Kapitalertragsteuern in dreistelliger Millionenhöhe vor Gericht. Der Vorsitzende Richter bezeichnete Professoren, die das mutmaßliche Steuerhinterziehungsmodell in gut bezahlten Partei-Gutachten und Aufsätzen als legitim einstuften, als „Mietschreiber“.

Der Richter, naturgemäß selbst an einer Universität ausgebildet, rügte noch im Gerichtssaal diese Praxis scharf. Der Deutsche Hochschulverband fordert maximale Transparenz, das gebiete das Berufsethos des Wissenschaftlers.

Nur haben die Empfehlungen des Verbands ausschließlich appellativen Charakter. Viele Professoren ignorieren offensichtlich diese Empfehlungen. Es ist Zeit, bei Verstößen wirksame Sanktionen zu verhängen.

Mehr: Das Massenverfahren gegen VW beginnt. Schon jetzt ist klar: Das noch junge Gesetz muss reformiert werden, damit es überhaupt eine Wirkung hat.

Startseite

Mehr zu: Kommentar - Warum der Einfluss von Auftraggebern der Wissenschaft schadet

0 Kommentare zu "Kommentar: Warum der Einfluss von Auftraggebern der Wissenschaft schadet"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.