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Kommentar Warum der Reformplan für den Dax zu kurz gesprungen ist

Die Börse will nach dem Wirecard-Skandal den Leitindex auf 40 Unternehmen erweitern. Das reicht nicht, denn die deutsche Wirtschaft hat mehr zu bieten.
06.10.2020 - 20:17 Uhr Kommentieren
Reicht es, künftig 40 statt wie bislang 30 Gesellschaften in den Topindex Dax aufzunehmen? Quelle: AFP
Deutsche Börse in Frankfurt

Reicht es, künftig 40 statt wie bislang 30 Gesellschaften in den Topindex Dax aufzunehmen?

(Foto: AFP)

Die Deutsche Börse renoviert ihren Vorzeigeindex Dax. Getrieben vom Wirecard-Skandal und der Frage, warum so ein windiges Unternehmen so lange unerkannt als einer der vermeintlichen Topwerte der deutschen Wirtschaft gehandelt werden konnte, machen sich die Verwalter der Finanzmarkt-Nomenklatur daran, dem Index wieder Glanz zu verschaffen. Strengere Regeln, aber auch eine Erweiterung um zehn auf 40 Teilnehmer sollen es richten.

Allein die Ankündigung des mehr oder weniger erzwungenen Reförmchens wird schon gefeiert, als würde der Leitindex der heimischen Börse neu erfunden und die Wirtschaft quasi gleich mit in eine große Zukunft führen. Mitnichten ist das der Fall. 40 Unternehmen im Dax sind nur ein halbherziger Schritt und viele der jetzt avisierten strengeren Regeln eine Selbstverständlichkeit.

Zum Beispiel das Einhalten von Corporate-Governance-Maßstäben, mithin Regeln der guten Unternehmensführung. Oder die nachhaltige Gewinnung von Gewinn, was in einer Marktwirtschaft selbstredend das Ziel eines jeden Unternehmens sein sollte.

Nein, die Dax-Reform greift schlicht zu kurz. Womöglich liegt es daran, dass sich die zuständige Börsenkommission eher hat treiben lassen, statt erst einmal grundlegend über die Frage nachzudenken, was der Deutsche Aktienindex eigentlich ist. Oder besser: was er sein soll.

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    Ein Spiegel der heimischen Wirtschaft, wie oft behauptet, ist er bisher jedenfalls nicht. Die 30 Aktiengesellschaften hatten regelmäßig Schlagseite. Mal war es die Finanzindustrie, die den Dax dominierte, was allenfalls in Zeiten der alten Deutschland AG zu begründen war, weil Banken und Versicherungen überall die Finger im Spiel hatten. Mal gab es gleich mehrere Konzerne aus der Siemensfamilie, die durch Abspaltung auf dem Dax-Parkett landeten.

    Noch heute beobachten wir das Kuriosum, dass die Fresenius-Gruppe gleich zwei Plätze besetzt, was zwar mit den Regeln zu begründen, aber ansonsten wohl kaum zu verstehen ist.
    Den Börsenindex Dax einfach nur ein bisschen größer zu machen, das bringt nichts.

    Kritiker sagen, das neue Mitgliedsviertel bringe nur zehn Prozent der künftigen Gesamtkapitalisierung mit, was die Spanne zwischen Groß- und Kleinkonzern in der Dax-Familie strapaziere. Aber das ist die falsche Perspektive. Größe kann nicht das wichtigste Kriterium sein.

    Erst recht nicht in Deutschland. Ein Vergleich mit den USA macht das deutlich. Hierzulande repräsentieren 30 Dax-Konzerne rund 75 Prozent der Marktkapitalisierung. Der US-amerikanische Leitindex S&P deckt ebenfalls drei Viertel der Marktkapitalisierung, muss dafür aber 500 Unternehmen unter seinem Dach sammeln.

    Einen Dax-500 würden wir gar nicht zusammenbekommen. So viele relevante börsennotierte Unternehmen gibt es nicht. Schon bei 250 würde uns die Luft ausgehen, weil dann Mikro-AGs den Index auffüllen müssten. Das Klein-Klein unserer Indexlogik hat eben auch einen Grund. Deutschland ist kein Aktienland, ganz im Gegensatz zu den USA und anderen Ländern.

    Stiftungsunternehmen als Sonderfall

    Viele milliardenschwere Konzerne sind hierzulande in Privat- oder Stiftungseigentum. Bosch ist das klassische Beispiel dafür. Das Stiftungsunternehmen wird wohl nie den Weg aufs Börsenparkett finden.

    Ein anderer Weltkonzern, Knorr-Bremse, hat es erst vor einem Jahr an die Börse geschafft, wenigstens mit einem kleinen Teil. Und jetzt ist das Unternehmen noch viel zu sehr vom Großaktionär dominiert, als dass es als vollwertiges Mitglied in die Dax-Familie aufgenommen würde.

    Noch mehr Unternehmen in Deutschland zeichnen sich nicht durch Umsatz- und anderen Gigantismus aus, sondern durch Marktführerschaft in der Nische. Der typische Mittelstand eben, wo Chefin und Chef das alleinige Sagen haben. Diese Firmen hätten nach den geltenden Dax-Zugangsregeln ohnehin kaum eine Chance, jemals in der ersten Börsenliga mitzuspielen.

    Wollen wir den Dax aber zu einem echten Vorzeigeindex machen, der die Vielfalt der Wirtschaft abbildet, den Besonderheiten der stark mittelständischen geprägten Strukturen Rechnung trägt und jungen erfolgversprechenden Digitalunternehmen eine Chance gibt, dann müssen wir Zweierlei schaffen. Einerseits führende Konzerne wie Siemens oder SAP aufnehmen und andererseits wachstumsstarke und aufstrebende Firmen integrieren, die sich an die Börse getraut haben.

    Das ist sicher nicht einfach, aber machbar. Ein Dax 50, vielleicht sogar ein Index mit 60 oder 70 Werten hätte genug Plätze zu vergeben, um auch Newcomer, Durchstarter und traditionsreiche Familiengesellschaften aufzunehmen.

    Die Börse könnte innerhalb des Dax Teilsegmente mit unterschiedlichen Aufnahmekriterien bilden und damit Platzierungen für unterschiedliche Unternehmenstypen. Gemeinsam muss allen künftigen Dax-Firmen nur sein, Bilanzierungsstandards und Regeln der guten Unternehmensführung einzuhalten. Der Dax muss mutiger werden und könnte so auch neue, bislang desinteressierte Unternehmen anlocken.

    Mehr: Dax-Umbau: Diese Kandidaten haben die besten Aufstiegschancen

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