Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Warum die Politisierung der Geldpolitik so gefährlich ist

Der Rauswurf des türkischen Notenbankchefs Murat Cetinkaya ist ein Extrembeispiel für die zunehmende Einflussnahme von Regierungen auf Notenbanken weltweit.
Kommentieren
Der türkische Präsident hat im Streit über die seiner Ansicht nach zu hohen Zinsen den Notenbankchef Murat Cetinkaya entlassen. Quelle: AFP
Recep Tayyip Erdogan

Der türkische Präsident hat im Streit über die seiner Ansicht nach zu hohen Zinsen den Notenbankchef Murat Cetinkaya entlassen.

(Foto: AFP)

Der türkische Präsident Erdogan hat nicht lange gefackelt. Per Dekret entließ er Notenbankchef Murat Cetinkaya – ohne auch nur einen einzigen Grund zu nennen. Der Rauswurf ist ein Extrembeispiel für die zunehmende Einflussnahme von Regierungen auf Notenbanken weltweit. Der Trend ist gefährlich.

In der Türkei empfiehlt Erdogan der Notenbank seit Jahren möglichst niedrige Zinsen. Er behauptet, dass sie zu einer geringeren Inflation führen würden – im Widerspruch zu den historischen Erfahrungen. Letztlich war es diese Logik, die dazu geführt hat, dass die Inflation in der Türkei im vergangenen Jahr zeitweise auf fast 30 Prozent gestiegen ist. Nun besteht die Gefahr, dass sich diese fatale Entwicklung wiederholt.

Auch US-Präsident Trump attackiert die amerikanische Notenbank Fed und fordert Zinssenkungen. Die Wirtschaft würde „abgehen wie eine Rakete“, wenn die Geldpolitik gelockert würde, sagt er. Politisch könnte sich das auszahlen.

Entweder die Fed lenkt ein und senkt die Zinsen. In diesem Fall würde das vor den Wahlen die US-Wirtschaft stützen – und damit Trumps Wahlchancen verbessern. Oder die Fed senkt die Zinsen nicht. Dann könnte er sie zum Sündenbock machen, falls die Wirtschaft schwächelt. Die Einlassungen schwächen die Unabhängigkeit der Notenbank.

Im Vergleich dazu ist die Europäische Zentralbank (EZB) in einer besseren Position. Ihre Unabhängigkeit ist in den EU-Verträgen verankert. Auch hier gibt es aber den Trend zu einer stärkeren Politisierung. So stehen bald mit Christine Lagarde als Präsidentin und Luis de Guindos als Vize zwei frühere Wirtschafts- und Finanzminister von Frankreich und Spanien an ihrer Spitze.

Sicher ist Lagarde fachlich qualifiziert. Dennoch besteht das Risiko, dass sich die EZB stärker von der Politik für ihre Belange einspannen lässt. Die Unabhängigkeit der Notenbanken, die sich in den vergangenen Jahrzehnten weltweit durchgesetzt hat, ist auf Dauer längst nicht garantiert.

Mehr: Zentralbankchef Murat Cetinkaya hatte die Forderungen nach einer Zinssenkung von Präsident Erdogan stets zurückgewiesen. Nun hat er seinen Job verloren.

Startseite

Mehr zu: Kommentar - Warum die Politisierung der Geldpolitik so gefährlich ist

0 Kommentare zu "Kommentar: Warum die Politisierung der Geldpolitik so gefährlich ist"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote