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Kommentar Warum die Sahel-Wüste für das transatlantische Bündnis so wichtig ist

Die USA wenden sich ab, die Europäer müssen Flagge zeigen: In Nordafrika lässt sich die Zukunft der Beziehungen der beiden Mächte beobachten.
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Deutschland hat in der Wüstenregion 1.000 Bundeswehr Soldaten stationiert. Quelle: AFP
Sahel-Zone

Deutschland hat in der Wüstenregion 1.000 Bundeswehr Soldaten stationiert.

(Foto: AFP)

Die Zukunft der transatlantischen Partnerschaft zeigt sich dort, wo sie nur wenige vermuten: in der Sahel-Zone Afrikas. Ein zartes Pflänzchen der Kooperation sprießt in den Weiten der Geröllwüste, überdauert die Zuneigungsdürre der Ära Trump und ist ein Anknüpfungspunkt für eine neue Arbeitsteilung, wenn sich nach dem Abtritt des derzeitigen US-Präsidenten das Klima zwischen Europa und den USA wieder verbessert.

Seit 2013 bekämpfen französische Soldaten in Mali Islamisten. Amerika hält sich militärisch zurück, hilft aber mit Drohnenbildern und Geheimdiensterkenntnissen. Die Mission ist noch lange nicht erfolgreich abgeschlossen, doch der Vormarsch der Dschihadisten gestoppt, der Kollaps der malischen Regierung abgewendet. Jetzt rücken die Stärkung der einheimischen Sicherheitskräfte in den Fokus und der Ausbau der Militärzusammenarbeit innerhalb der regionalen Anti-Terror-Allianz G5.

Auch Deutschland engagiert sich, etwa 1.000 Bundeswehrsoldaten sind in Mali stationiert. Bundeskanzlerin Angela Merkel unterstreicht diese Woche mit einer Reise nach Burkina Faso, Mali und Niger die Bedeutung die Sahel-Zone. In Europa wächst die Sorge, dass dort nach der Zerschlagung des IS-Kalifats in Syrien ein neuer Rückzugsraum für Terroristen entsteht. Wichtige Migrationsrouten durchziehen die Region, was ihre Bedeutung noch verstärkt.

Die Europäer wissen, dass sie noch lange auf US-Unterstützung angewiesen sind, „strategische Autonomie“ ist auf absehbare Zeit keine realistische Option. Aber die Europäer wissen auch, dass sie in der Lage sein müssen, selbst Interessen durchzusetzen. Die transatlantische Partnerschaft wird durch diesen Gestaltungswillen nicht entwertet, sie wird neu austariert. Das alte Arrangement, wonach die USA die militärischen Lasten im Zweifel allein gestemmt haben, hat keine Zukunft.

Amerika fühlt sich nicht mehr für jede Krisenregion der Welt zuständig; in Washington schlägt die Stunde der Realpolitiker. Das hat mit dem America-first-Präsidenten Donald Trump viel weniger zu tun, als es zunächst scheint. Die Besinnung auf vitale Sicherheitsinteressen, vor allem die Rivalität mit China, hat schon unter Trumps Vorgänger Barack Obama begonnen.

Ein strategisches Konzept, das in Washington derzeit Zuspruch erhält von links wie rechts, nennt sich „offshore balancing“: Amerika wird sich künftig viel öfter damit begnügen, bei fernen Konflikten Zünglein an der Waage zu spielen. „Leading from behind“ hieß das unter Obama einmal – Führen aus der zweiten Reihe. Obama wurde dafür scharf kritisiert. Doch inzwischen ist klar: Es ist das Maximum, was Europa in seiner eigenen Nachbarschaft von den USA noch erwarten kann.

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