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Kommentar Warum die Söldnermentalität auch bei den Banken ausgedient hat

In Zeiten der digitalen Revolution sollten die Banken kreativer sein in der Steuerung ihrer Mitarbeiter – und nicht mehr mit individuellen Boni locken.
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Die Commerzbank reiht sich mit ihrem Vorstoß in einen neuen Trend der Personalführung ein. Quelle: dpa
Blick auf das Frankfurter Bankenviertel bei Dämmerung

Die Commerzbank reiht sich mit ihrem Vorstoß in einen neuen Trend der Personalführung ein.

(Foto: dpa)

FrankfurtEs ist eine kleine Revolution: Ab Anfang kommenden Jahres schafft die Commerzbank für fast alle inländischen Mitarbeiter die individuellen Boni ab. Statt Einzelkämpfertums ist bei dem Geldhaus künftig der kollektive Erfolg ausschlaggebend. Damit reiht sich das Institut ein in eine größer werdende Liste deutscher Konzerne, die sich von dem System persönlicher Prämienzahlungen verabschieden – von Bosch bis zur Deutschen Bahn.

Was in der Industrie immer mehr um sich greift, ist in der Bankenlandschaft fast noch ein Unikum. Für internationale Großbanken ist es auch zehn Jahre nach der Finanzkrise Usus, einzelne Mitarbeiter mit Millionenboni zu entlohnen. Warum auch nicht, könnte man fragen. Ist das nicht die fairste Art, Mitarbeiter zu entlohnen?

Nein, sie ist es nicht, wie die bonigetriebenen Exzesse in der Zeit vor der Finanzkrise gezeigt haben. Viele Händler haben ohne Rücksicht auf Kollateralschäden, spätere Folgen, gesetzliche Schranken oder gar moralischen Anstand Deals gemacht, die ihnen kurzfristig hohe Boni und der Bank langfristig hohe Schäden beschert haben. Es wurde eine Söldnermentalität bei den Händlern befördert, die stets dorthin wanderten, wo das schnelle Geld zu machen war.

Tempi passati, könnte man meinen. In der Tat haben sich seit der Finanzkrise die Boni der Geldhäuser radikal geändert: Erstens sind in Europa die Fixgehälter der Banker dank einer wenig durchdachten EU-Begrenzung der Boni deutlich gestiegen. Zweitens wird das Gros der Leistungszahlungen erst nach einigen Jahren und geknüpft an strikte Vorgaben ausbezahlt. Und drittens können die Prämien bei Fehlverhalten sogar wieder zurückgeholt werden.

Doch die andere Seite der Medaille sieht folgendermaßen aus: In den USA sind die Bankerboni zuletzt wieder drastisch gestiegen, wenn auch nicht ganz auf Vorkrisenniveau. Und selbst in Europa verdienen nicht nur die Topbanker deutlich mehr als hochausgebildete „Professionals“ anderer Branchen.

Warum aber erhält ein hochrangiger Ingenieur bei Bosch weitaus weniger Geld als ein Aktienhändler der Deutschen Bank? Die These, dass die Wertschöpfung der Geldhäuser größer sei als die eines Industrieunternehmens, wurde allerspätestens in der Finanzkrise widerlegt.

Es ist an der Zeit, neu zu denken

Die Gründe für das Gehaltsgefälle liegen tief. Die beiden US-Professoren Thomas Philippon und Ariell Reshef haben sich vor einigen Jahren den langfristigen Aufstieg der US-Finanzbranche seit den späten 80er-Jahren angeschaut. Damals hatte die Bezahlung der Banker im Vergleich mit anderen akademisch ausgebildeten Jobs noch nahe der Parität gelegen.

Doch seither war diese Relation stetig gestiegen; im Jahr 2007 wurden Banker mit dem 1,7-Fachen dieses Durchschnitts bezahlt. Ein Trend, der korrelierte mit der Deregulierung der Finanzbranche. Seither ist diese Relation vermutlich gesunken, neue Zahlen dazu gibt es nicht. Doch die international weiterhin hohen Boni legen nahe, dass Banker immer noch überbezahlt sind.

Aus gesellschaftlicher und volkswirtschaftlicher Sicht wäre es daher höchste Zeit, neu zu denken. Dass es anders geht, zeigt nicht nur die Commerzbank. Die extrem erfolgreiche schwedische Handelsbanken hat vor Jahrzehnten individuelle Boni abgeschafft und durch eine langfristige Gewinnbeteiligung ersetzt. Dieses in einer Stiftung angesparte Geld ist für alle – vom Pförtner bis zum CEO – gleich hoch und wird ab dem 60. Lebensjahr ausbezahlt.

Kein Modell für andere? Mal ganz abgesehen davon, dass die Boni die viel zu hohen Kosten der Banken aufblähen: In Zeiten der digitalen Revolution ist überall neues und kreatives Denken gefragt – warum nicht auch hier? Heutzutage sind längst nicht mehr die Qualitäten des einsamen Jägers gefragt. Sondern Teamarbeit sowie der Mut, neue Wege zu gehen und zu experimentieren. Eine auf individueller Leistung basierende Bezahlung ist da kontraproduktiv.

Es ist kein Zufall, dass einige große europäische Investmentbanken wie die Deutsche Bank mit veralteter und schlechter IT kämpfen: An den langfristigen und teuren Investitionen in IT-Systeme hatten die kurzfristig bezahlten Händler kein Interesse.
Die Abschaffung der Boni hätte auch Nachteile: Wenn es keine Prämien gibt, können sie auch nicht zurückverlangt werden. Doch vielleicht ist ohne Boni der Anreiz geringer, übertriebene Risiken einzugehen.

Der Konkurrenzdruck macht es den internationalen Investmentbanken allerdings fast unmöglich, einen solchen Schritt zu wagen. Die Prämien für Mitarbeiter im Ausland hat die Commerzbank wohlweislich nicht abgeschafft: Das Risiko massenhafter Abwanderung von Mitarbeitern wäre wohl zu groß.

Der ehemalige Deutsche-Bank-Chef John Cryan sagte einst, er wisse nicht, wozu er einen Bonus erhalte. Mit dieser Meinung stand er in seiner Branche ziemlich allein. Und auch die Commerzbank wird wahrscheinlich leider eine Ausnahme bleiben.
Es wäre nicht das erste Mal, dass die Banken den Umbrüchen in anderen Branchen hinterherhinken.

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1 Kommentar zu "Kommentar: Warum die Söldnermentalität auch bei den Banken ausgedient hat"

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  • Diesem Artikel möchte ich nur beipflichten.
    Das gesamte Bonidenken unterstellt dem Mitarbeiter mangelnde Eigenmotivation und ähnelt einem Dopingsystem, das kurzfristig die Leistung steigern soll und langfristig die Gesundheit gefährdet und zwar des gesamten Systems. Im Weiteren sind Bonisysteme für mich immer ungerecht und damit demotivierend. Ein gut entlohnendes System, das nur auf der Basies zusätzlicher, monetärer Anreize funktioniert, befindet sich auf einem fragwürdigem Weg. Es gibt wirklich edlere und wertvollere Motive, bei einem Unternehmen zu arbeiten.