Kommentar Warum die US-Behörden immer mehr Fusionen erschweren

Nicht nur bei der Fusion von Linde und Praxair hat die FTC Bedenken. Dabei geht es aber nicht um Donald Trumps „America first“.
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Der deutsche Technologiekonzern wird bei der Übernahme von Praxair derzeit noch von den US-Kartellbehörden in Schach gehalten. Quelle: mauritius images
Linde

Der deutsche Technologiekonzern wird bei der Übernahme von Praxair derzeit noch von den US-Kartellbehörden in Schach gehalten.

(Foto: mauritius images)

Bayer übernimmt Monsanto, die Deutsche Telekom steht mit ihrer Tochter T-Mobile US vor dem Kauf von Sprint. Und Linde will dieses Jahr noch die Fusion mit Praxair vollziehen.

Eine wahre deutsche Invasion von zweistelligen Milliardenübernahmen rollt auf die USA zu. Da liegt der Schluss nahe, dass die jüngsten Zweifel der Aufsichtsbehörde an der Linde-Praxair-Fusion dem „America first“-Kurs des US-Präsidenten geschuldet sind. Aber das ist nicht gesagt.

Es stimmt zwar, dass mit Donald Trumps Nominierungen bei den mächtigen Kartellbehörden ein neuer Wind weht. Aber da geht es nicht unbedingt um die Nationalität der Käufer. Solange die nationale Sicherheit nicht berührt wird, geht es Trump in erster Linie darum, dass die Produktion und die Gewinne in den USA verbleiben.

Aus diesem Grund hat er schließlich die Unternehmensteuern drastisch gesenkt. Es ist vielmehr ein neuer, typisch republikanischer Ansatz, der die jüngsten Äußerungen der Kartellbehörden prägt. Dieser Ansatz will möglichst wenig Einmischung vonseiten des Staates – vor allem nach der Fusion.

Von Demokraten geprägte Entscheidungen erlauben Fusionen und sichern mit verschiedenen Auflagen und Kontrollen, dass sie später den Wettbewerb nicht verzerren. Den Republikanern dagegen sind staatliche Kontrollen prinzipiell zuwider und bei Unternehmen erst recht. Deshalb fordern sie lieber vor der Fusion den drastischen Verkauf von Unternehmensteilen, bei denen es Probleme geben könnte. Dann können sie nachher freier walten.

Das hat Bayer bei Monsanto zu spüren bekommen – und musste im letzten Moment noch weitere Teile abstoßen. Das bekommt derzeit auch Linde zu spüren, wo die FTC die geplanten Verkäufe kritisiert.

Mit „America first“ hat das nichts zu tun, zumal Linde Praxair in Zukunft de facto von den USA aus geführt wird. Trump könnte eher stören, dass der Unternehmenssitz demnächst nach Dublin verlegt werden soll.

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