Kommentar Warum eine Zwangsabgabe für Kinderlose falsch ist

Mit der Forderung nach einer Strafabgabe für Kinderlose hat der CDU-Jungpolitiker Wanderwitz eine Lawine ausgelöst. Die Idee klingt populär - sie ist aber nur populistisch. Wer Kinder fördern will, muss anders ansetzen.
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Georg Watzlawek, Ressortleiter Wirtschaft und Politik bei Handelsblatt Online. Quelle: Pablo Castagnola

Georg Watzlawek, Ressortleiter Wirtschaft und Politik bei Handelsblatt Online.

(Foto: Pablo Castagnola)

Ich  kann Marco Wanderwitz gut verstehen. Er hat drei Töchter. Ich auch. Er ärgert sich darüber, dass sich seine Single-Freunde so schicke Autos leisten. Ich auch. Er hält es für eine gute Idee, Kinderlose mit einer Strafabgabe zu belegen. Ich nicht. Dabei hat Wanderwitz ganz offenbar einen empfindlichen Nerv in der Gesellschaft getroffen: Kinderlose sollen ein Prozent ihres Einkommens abliefern, wer „nur“ ein Kind hat 0,5 Prozent. Ein forsche Forderung, die Anklang findet. In den sozialen Medien liefern sich die meistens recht jungen Nutzer wortreiche Debatten. Und in der Politik kann selbst die kinderlose Kanzlerin das populistische Thema mit ihrem Ordnungsruf nicht beenden. Quer durch die Parteien und Alterskohorten finden sich Politiker, die sich für Wanderwitz wahnwitzige Idee einsetzen.

Tatsächlich spricht nichts für, aber einiges gegen den Vorschlag. Doch zunächst einmal muss man meinen Leidensgenossen Wanderwitz fragen, was das Ziel einer solchen Maßnahme sein soll. Gerechtigkeit, antwortet er: „Es gibt eine Schieflage in unserem Land. Familien tragen höhere Lasten als Kinderlose. Sie stehen finanziell schlechter. Alle Transferleistungen wiegen nicht die echten Kosten für ein Kind auf.“

Ganz subjektiv kann ich das nachvollziehen – aber auf die Idee, Kosten und Nutzen meiner Kinder nachzurechnen, wäre ich nie gekommen. Und dass ausgerechnet ein konservativer Politiker den Vorschlag macht, den Kinderwunsch fiskalisch zu steuern, macht mich (fast) sprachlos. Das ist zwar etwas marktwirtschaftlicher gedacht, als es Chinas Kommunisten vor 30 Jahren praktizierten. Aber es wäre dennoch ein eklatanter Eingriff in unsere Freiheitsrechte.

Was wirklich sinnvoll wäre
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139 Kommentare zu "Kommentar: Warum eine Zwangsabgabe für Kinderlose falsch ist"

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  • dieses finde ich auch angebracht denn Kinderlose Leben schon immer gut auch wenns nachher an die Rente geht Leben sie Gut.
    Aber Eltern die Kinder erzogen haben das heißt Vater oder Mutter bleiben zu Hause und erziehen die Kinder Leben wärend der Kindererziehungszeit schlecht wie recht
    und nachher wenns ans den Rententopf geht auch Schlecht weil sie weniger Rente bekommen durch die Kindererziehung bzw. weil sie im Beruf nicht so schnell vorankommen durch die Ausfallzeit Kindererziehung.
    Leider haben wir eine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht gewonnen aber die Bundesregierung ist nicht gewillt diese umzusetzen trotz Mahung des Bundesverfassungsgerichtes (soviel zu Klagen vor dem Bundesverfassungsgericht)Recht bekommen ist schon schwer Recht behalten um so mehr.

  • Im Umlagesystem der staatlichen Rentenversicherung bezahlt man mit seinen Beiträgen die Rente seiner Eltern. Denkt man sich die black box dieser staatlichen Einrichtung einmal weg, käme wohl niemand auf die Idee, daß er mit der Unterstützung der eigenen Eltern einen Anspruch gegen anderer Leut's Kinder auf finanzielle Leistungen im Alter erwirbt. Also müsste die logische Konsequenz eigentlich heißen, daß Kinderlose keine Rente bekommen. Verglichen damit ist die geringe Zusatzbelastung von 1% eher moderat.

  • Wie kommen Sie eigenlich auf bestrafen? Da Sie in dieser Gesellschaft leben wollen, sollten Sie Ihren solidarischen Beitrag erbringen. Aber: die Umverteilung oder besser der Verteilungskampf wird doch schon seit langem von Ihnen bestimmt und gewonnen. Die Kaufkraft der (kinderlosen) Doppelverdiener, welche die Preise treibt, horrente saisonale Urlaubskosten, die zwangsläufig Familien trifft, Konkurrenz- und Zeitdruck mit dem sich in den Beruf rückkehrwillige Mütter stressen lassen müssen, Rentenpunkte sammeln (Kinder zählen kaum, Sie können es sich ja nicht leisten!) usw., das alles ist doch in Ordnung, nicht? Und Sie werden bestraft?? Weil die "Anderen" Ihnen ständig bessere Startchanchen und Vorteile, durch die, mit Entbehrungen und Mühe der Eltern herangewachsene junge Generation, geboten hat? Sie haben ja sicher Ihre Altersvorsorge im Trockenen, nicht wahr?

  • Wie kommen Sie eigentlich auf bestrafen? Ich denke, wenn Sie in dieser Gesellschaft leben wollen, sollten Sie Ihren selbstverständlichen Beitrag leisten. Die Umverteilung in unserer Gesellschaft oder besser gesagt, der Verteilungkampf wird doch seit langem durch die kinderlosen Doppelverdiener bestimmt. Und wenn die nun aufbegehren, werden Sie bestraft??

  • Wollt Ihr den Vatikan in die Insolwenz treiben ?!

  • 1. ist noch gar nicht sicher, dass Ihre Kinder wirklich einmal unsere (vor allem meine) Rente auch (ohne Rebellion) bezahlen werden. Was viel sicherer ist, wenn Sie Ihre Kinder gut behandeln, dass sie sich um SIE kümmern werden. Wenn diese SIE ambulant pflegen müssen sie nicht Haus und Hof verkaufen müssen um die Pflegeheime zu löhnen.

    2. Wenn ich davon spreche, dass ich mir ein (teilweise) anderes Rentensystem wünsche, habe sie mit der Bemerkung Recht, dass dies nur hypothetisch ist. Ich denke allerdings, dass man den Fehler unseres Rentensystems dann eben einfach akzeptieren sollte (sofern man es nicht mehr ändern kann) und nicht mit finanziellen Umverteilungen nun versuchen sollte die Dinge im Nachhinein zurecht zu biegen, da dies wieder zu anderen Problemen führt und man aus dem ständigen Ausgleichen letztlich kaum mehr raus kommt.

  • " .... folglich stellen Sie Ihre Kinder in Rechnung ...."

    Auch bei nochmaligem Lesen: Sie ticken nicht ganz richtig!

    Sie selber aber stellen Ihre Bezüge aus dem Sozialsystem ausdrücklich nicht in Rechnung, wie Sie schreiben. Das ist schon eine ebenfalls in der zuvor genannten Personengruppe häufig anzutreffenden Form der Schizophrenie.

    ... und OVER

  • @ Meyer

    Wie gesagt, Sie brauchen Beratung.

    Da Sie offenbar kinderlos sind, wird es mit zunehmendem Alter übrigens immer schlimmer .....!

    Lassen Sie isch beraten, bevor Sie auf der Starße Falschparker aufschreiben oder für den Hund Rinderfilets beim Metzger kaufen gehen ......!

  • @ Meyer

    Immerhin gestehen Sie im ersten Satz indirekt ein, dass die Lasten ungleich verteilt sind. Meine Kinder, werden Ihre Rente bezahlen sollen. So ist das. Meine Rente sollen die selben Kinder auch bezahlen.

    Dagegen wissen Sie erneut kein durchgreifendes Argument und geben auf. Inhaltlich. Auch eine Art der Erkenntnis.

    Nochmals: Ich verlange keine Ausgleichszahlungen! Ich fordere eine gerechte Lastenverteilung zwischen Familien und Kinderlosen, zur Finanzierung des Sozialstaates. Wie oft soll ich Ihnen das wiederholen? Nehmen Sie gefälligst meine Worte. Die sprechen für sich. Die braucht man nicht umdichten. Es steht Ihnen nicht zu, mir eine von IHNEN gewählte Formulierung zu unterstellen.

    Wenn Sie aus einer ausgewogenen Lastenverteilungen hähere Zahlungen erwarten, dan gestehen Sie ja die Schieflage ein.

    Aber Ihr Verhalten, das erlebe ich auch beruflich recht oft. Es ist typisch für die meisten Frauen, die kinderlos die 50 erreichen.

    Lassen Sie eich beraten.

  • Realist,

    ich geb es auf! Sie begreifen es nicht!

    Sie fordern von den Kinderlosen zugunsten der Kindererziehenden Geld- und Ausgleichszahlungen (Sie nennen es Lastenausgleich - auch ein "schönes" Wort für die Kosten einer Kindererziehung) mit der Begründung, dass die Kinder Geld kosten und die Kinder unsere Rente finanzieren, folglich stellen Sie Ihre Kinder in Rechnung, aber nicht nur das - Sie beanspruchen sogar noch die Leistungen Ihrer Kinder für sich. Hier lesen Sie Sich ruhig mal Ihre früheren Kommentare durch.

    Ich kritisiere die IFO-Studie überhaupt nicht. Allerdings haben Sie die Studie überhaupt nicht verstanden. In der besagten Studie wird lediglich festgestellt, dass ein Kind in etwa 80.000 € mehr einbezahlen wird als es herausbekommt. Das hat erstmal gar nichts mit Kindererziehenden oder Kinderlosen zu tun. Und das sind schon mal gar nicht die Kosten der Erziehenden. Das zeigt aber sehr schön, dass unser Umlagesystem zu Ungunsten nachfolgender Generationen nicht funktioniert.

    Sie behaupten, dass ich meine sozialen Leistungen in Rechnung stelle. Eben gerade nicht. Ich verlange im Gegensatz zu Ihnen, keine Entschädigung dafür, oder wie sie es nennen, einen Lastenausgleich.

    Sie stellen permanent wilde und falsche Behauptungen auf und nennen das Fakten. Hier lohnt es sich nicht, mit Ihnen in eine sachliche Diskussion einzusteigen.

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