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Kommentar Warum sich Bernie Ecclestone freikaufen darf

Die Armen hängt man, die Reichen lässt man laufen? Der Satz ist falsch. Und er wird auch nach dem nun erzielten 100-Millionen-Dollar-Vergleich im Fall Ecclestone nicht richtiger.
24 Kommentare
Bernie Ecclestone: Der Formel-1-Boss verlässt das Gericht mit weißer Weste. Quelle: dpa

Bernie Ecclestone: Der Formel-1-Boss verlässt das Gericht mit weißer Weste.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Ich weiß schon, was heute Abend bei Ihnen Tischgespräch ist. Sie werden darüber reden, dass es eine neue Gleichung gibt vor unseren Gerichten. Sie heißt: Schuldig + reich = unschuldig. Bernie Ecclestone, der Formel-Eins-Boss, wendet sie gerade an. 75 Millionen Euro, umgerechnet 100 Millionen Dollar, zahlt er dem Staat dafür an, dass beim Handel mit Formel-Eins-Anteilen zwischen ihm und der Bayerischen Landesbank nicht alles mit rechten Dingen abgelaufen ist.  Ist das schon wieder eine Form modernen Ablasshandels?

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.
Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Meine Antwort: Ja – es ist ein Ablasshandel, aber ja – er hat seine Berechtigung. In den vergangenen Verhandlungswochen ist es den Staatsanwälten nämlich nicht gelungen, Ecclestone zweifelsfrei nachzuweisen, dass er Bestechungsgeld ausgegeben hat, um zum Ziel zu kommen. Die Richter haben es mit einem 83-jährigen Fuchs zu tun, dessen Anwälte mit allen Wassern gewaschen sind.

Zweifel am Maß seiner Schuld, das hohe Alter des Angeklagten – all das würde nach deutscher Rechtsprechung dazu führen, dass am Ende eines ordentlichen Verfahrens eine Geldbuße steht, die vielleicht durch eine zur Bewährung ausgesetzte Gefängnisstrafe ergänzt wird.

Das allerdings wäre doppelt unbefriedigend: Ecclestone träfe die Bewährung nicht. In seiner Branche gilt so etwas eher als Ritterschlag. Und die Geldstrafe würde womöglich niedriger ausfallen, als das, was er jetzt bereit ist zu zahlen. 

Das Ergebnis des Deals von heute ist da besser. Es lautet: Ecclestone bekennt seine Schuld. Das Gericht öffnet ihm aber eine Tür, um diese Schuld zu tilgen. 100 Millionen Dollar kostet dieser Weg. Juristisch geht der Ablasshandel damit völlig in Ordnung. Wir sollten unsere Aufregung heute Abend bei Tisch darüber zügeln.

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24 Kommentare zu "Kommentar: Warum sich Bernie Ecclestone freikaufen darf"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Was reden Sie da? Bei Horst Mahler hat "Heil Hitler" für de facto lebenslang gereicht.

    'geht es eigentlich gar nicht um Recht sondern um Rache. Das ist leider ein Trend dieser Zeit, dass viele Zeitgenossen das verwechseln.'

    Ich weiß nicht in welcher Zeit sie leben, aber PRÄVENTION und ABSCHRECKUNG sind eben nicht mehr existent. Zumindest gelten sie nur noch für Deutsche, sofern sie nicht betucht sind oder eine Loge angehören, während man als Ausländer inzwischen sogar deutsche tottreten kann, oder Frauen vergewaltigen kann und man bleibt auf freiem Fuß.
    Wenn es so wäre, wie sie sagen, dann wären unsere Häuser und Straßen sicher. Stattdessen bleiben schon mal die Züge stehen, weil sich kulturelle "Bereicherer" wieder mal irgendwo bedient haben, weil sie die "Rache" der deutschen Justiz so fürchten...

  • @ Monika Eichner

    "Vermutlich hätte er sich dem Vollzug entzogen. Bei seinem Vermögen dürfte das kein Problem sein."

    Das ist der beste Beweis für "die Kleinen hängt man, die Großen läßt man laufen".

    Es geht bei den vorangegangenen Kommentaren nicht um Rache, sondern um Recht. Man muß sich fragen, ob diese Deals grundsätzlich im Starrecht verankert sein sollten. Denn bei einer Schuld gibt es mindestens eine Geldstrafe, bei keiner Schuld einen Freispruch.
    Und wenn die Justiz entweder zu faul oder nicht in der Lage ist, Prozesse zuende zu führen, kann man das Rechts(UN?)wesen ohnehin vergessen.

  • @Monika Eichner

    Gestern der Kommentar in den Tagesthemen (sinngemäß):

    Selbst wenn, wie im Fall Ecclestone, nur der Eindruck entsteht, daß man sich Freikaufen kann, ist das fatal für einen Rehtsstaat. Sinnvoller wäre es, den Prozeß bis zu einem Urteil (Freispruch oder Stafe) weiterzuführen.

  • Danke für diesen uneingeschränkt guten und sachgerechten Artikel.
    Wie man an den meisten Kommentaren hier sieht, geht es eigentlich gar nicht um Recht sondern um Rache. Das ist leider ein Trend dieser Zeit, dass viele Zeitgenossen das verwechseln. Und es geht auch um Neid. Neid auf einen Herrn, der sich vermeintlich widerrechtlich 'freikaufen' kann, aber auch der normale Ersttäter hat eine Chance das er mit einer Geldstrafe davonkommt. Diese fällt nur (Gott sei Dank) kleiner aus als bei Herrn Ecclestone.
    Ich frage mich, ob die Kommentatoren hier bis zum Ende durchdenken.
    Was wäre passiert, wenn er zu Gefängnis verurteilt worden wäre.
    Vermutlich hätte er sich dem Vollzug entzogen. Bei seinem Vermögen dürfte das kein Problem sein.
    Oder er wäre von seinen Ärzten für haftunfähig erklärt worden. Sorry, aber mit 84 Jahren geht keiner mehr in den Knast.
    So ist die Lösung wie sie gefunden wurde, eigentlich die beste.

    Das sie den Rache- und Lynchjustizbedürfnissen vieler Zeitgenossen nicht unbedingt entgegen kommt wird zur Kenntnis genommen, aber zum Glück gibt es doch noch Menschen die auf Basis unserer Gesetze urteilen. Wem das nicht passt, der muss für eine Änderung derselben eintreten.

  • Sehr geehrter Herr Stock,
    wir haben uns nicht an Ihre Empfehlung gehalten und gestern Abend bei Tisch über den Freikauf von Herrn Ecclestone diskutiert. Was meiner Meinung ja auch noch erlaubt sein sollte. Ergebnis der Diskussion war, wie viele Vorkommentatoren auch schon geschrieben haben, dieses Urteil ist eine Schande für unsere Rechtsprechung. Als Millionär und Milliardär kann man sich in Deutschland künftig für Peanuts von jeglichen Straftaten frei kaufen. Und noch eins, es wird doch niemand glauben, dass Herr Ecclestone oder seine Anwälte nicht wussten welche Rechtsform die BayernLB hat. Steht auf der Homepage der BayernLB unter Impressum. Herr Stock, Ihre Aufgabe als Journalist wäre jetzt, zu recherchieren was der Freistaat Bayern jetzt mit diesen 100.000.000 USD macht? Oder ist das für das Handelsblatt nicht von Interesse?

  • Nachtrag:

    Das Grundgesetzt steht über dem Strafgesetz.

    Aufgabe des Strafrechts ist es NICHT, so viel Geld wie möglich aus den Angeklagten herauszuholen.

    Ich vermute mal, dass Herr Stock beauftragt wurde einen solchen Kommentar zu schreiben, um hier ein bisschen für Stimmung zu sorgen. Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass das hier von ihm dargestellte wirklich sein Meinung ist.
    Ich will es hoffen.

  • @G. Nampf

    Was besagt das Urteil?

    Aussage:
    In Deutschland kann man sich mit Geld von der Strafverfolgung freikaufen!

    Gibt es noch ein vernichtenderes Urteil für einen Rechtsstaat, an den die Bürger glauben sollen? Wir sind in der unteresten Kiste angekommen. Korruption regiert Deutschland.

    Oder gibt es etwa einen anderen Rückschluss?

  • Bin immer wieder überascht das gerade die Liberalen Printmedien dem Tycon beistehen.Für das Demokratische Verständnis ist dieser Vorgang eine Schandtat!Es stellt sich immer mehr die Frage in welcher Richtung diese Aushöhlung der Justiz und Ablasshandel das Land treibt?

  • Das geht so gar nicht! Im Zweifel für den Angeklagten. Hatte der Richter Zweifel an der Schuld, ist der Angeklagte freizusprechen, und zwar ohne irgend eine Zahlung. Hatte der Richter keinen Zweifel an seiner Schuld, so ist der Angeklagte zu verurteilen, und zwar so, wie es das Gesetz vorsieht, - ggf. auch mit Bewährung oder eben Knast. Nix nachzuweisen aber dennoch zahlen geht gar nicht. Sollte das im Gesetzt so vorgesehen sein, so ist das zu ändern. Ansonsten schließe ich mich den Vorrednern an: der Bestochene ist verurteilt worden, - war wohl ein anderer Richter. Top Anwälte kann ich mir nicht leisten und die 100 Mio. auch nicht. Dumm gelaufen. Geht gar nicht!

  • Ich habe persönlich gar nichts gegen Bernie Ecclestone,
    aber er war angeklagt wegen Bestechung. Der "Bestochene", lt. Ecclestone ein Erpresser
    wurde verurteilt wegen Vorteilsnahme, ist aber bereits im freien Vollzug. Das Gericht habe sich schwer getan auch weil die Aussagen seither nicht eindeutig waren. Also nimmt man lieber das Geld, d.h. man lässt sich auch bestechen, und begründet das mit dem Alter und der raschen Beilegung des Falles. Na wunderbar, aber passt genau in die Reihe der Skandale ,die man von Bayern langsam gewöhnt ist.
    Was Herr Stock da geschrieben hat ist des HBs unwürdig,
    er bräuchte dringend jemand der ihm über die Schulter sieht, denn er blamiert sich nicht zum ersten mal.

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