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Kommentar Warum sich Google plötzlich für mehr Datenschutz starkmacht

Google singt ein neues Hohelied auf die Privatsphäre – und will so strengeren Gesetzen zuvorkommen. Doch diese neue Strategie ist kaum mehr als Mittel zum Zweck.
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In Mountain View erklärte Google, sich mehr für Datenschutz einzusetzen. Quelle: dpa
Entwicklerkonferenz Google I O

In Mountain View erklärte Google, sich mehr für Datenschutz einzusetzen.

(Foto: dpa)

Ausgerechnet Google, die Firma, die vielleicht mehr über unser digitales Leben weiß als jede andere, will also unsere Daten besser schützen. Privatsphäre sei für jedermann, erklärte Google-Chef Sundar Pichai zum Auftakt der Entwicklerkonferenz I/O in Mountain View. Und: Datenschutz und Sicherheit seien von jeher das Fundament für alles, was Google tue.

Der Internetnutzer reibt sich erstaunt die Augen. Wirklich überzeugend ist das nicht. Doch das neue Hohelied aufs Private zeigt, wie sehr die Technologiekonzerne aus dem Silicon Valley seit dem Skandal um Cambridge Analytica unter Druck geraten sind.

Google weiß: Strengere Regeln gegen die Datensammelwut der mächtigen Firmen sind nur eine Frage der Zeit. Der US-Senat debattiert bereits seit Längerem ein neues föderales Datenschutzgesetz nach europäischem Vorbild. Der Heimatstaat Kalifornien verordnete Bürgern und Unternehmen schon jetzt mehr Schutz der persönlichen Daten.

Und die europäische Datenschutzrichtlinie DSGVO, die Google-Chef Pichai nun allerorts lobt, aber zuvor mit harter Lobbyarbeit bekämpfte, zielte vor allem auf Google und Co.

Die neue Strategie beim Datenschutz ist kaum mehr als Mittel zum Zweck. Statt weitere Gesetze abzuwarten, schafft Chef Pichai lieber selbst Fakten. Für den global agierenden Konzern dürfte es ohnehin sehr viel kostengünstiger sein, sich einmal auf bestehende Regeln einzustellen, so hart sie auch sein mögen, als das Geschäft immer wieder anzupassen.

Nicht zuletzt weiß Pichai doch: An der Dominanz seiner Firma im Netz und bei digitaler Werbung dürften strengere Privatsphäregesetze ohnehin nichts ändern. Der Milliardenkonzern kann sich eine gut besetzte Rechtsabteilung leisten – kleinere Konkurrenten hingegen nicht.

So dürften Zugeständnisse von Google hinsichtlich der Privatsphäre sowie strengere Gesetze eher dazu führen, die Macht des Suchmaschinenriesen zu zementieren. Dringend nötigen Wettbewerb im Internet bei der Suche oder mobilen Betriebssystemen schaffen sie nicht.

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