Kommentar Was die Euro-Retter verschweigen

Wir versuchen, den Euro mit Konzepten zu retten, die alles noch schlimmer machen. Und das nur, weil die Regierungen Angst haben, offen zuzugeben, dass es teuer wird. Ein Kommentar.
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Die Politik baut Rettungsschirme, um den Euro zu retten. Quelle: dpa

Die Politik baut Rettungsschirme, um den Euro zu retten.

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Was tun wir nicht alles, um den Euro zu retten: Wir bauen Rettungsschirme und -fonds, geben Bürgschaften, ersinnen trickreiche Versicherungslösungen, lassen die Notenbank Geld drucken, bitten die Banken zur Kasse und zwingen ihnen gleichzeitig Kapital auf - die Hexenküche aus Goethes Faust war im Vergleich dazu eine transparente und gut verständliche Veranstaltung. Niemand kann die Folgen realistisch abschätzen - wann künftige Parlamente hohe Schecks abnicken müssen, platzende Blasen an den Märkten Vermögen vernichten oder sich im Hintergrund langsam, aber unaufhaltsam eine Inflationsdynamik aufbaut.

Ein Thema bleibt in der verworrenen Diskussion tabu: direkte Zahlungen der starken an die schwachen Euro-Länder. Dieses fatale Tabu ist der Grund dafür, dass wir auf den Zauber der Rettungs-Hexenküche zurückgreifen müssen.

Es ist verständlich, dass Politiker ungern über direkte Zahlungen reden. Wer Geld verschenkt, muss es den eigenen Bürgern wegnehmen. Und die fragen zu Recht, womit sie das verdient haben. Direkte Zahlungen vertragen sich schlecht mit der vertraglichen Konstruktion der Euro-Zone, und sie zeigen deutlich, wie teuer die Euro-Rettung wird. Außerdem nähren Erfahrungen mit dem deutschen Finanzausgleich die Sorge, dass solche Zahlungen zur Dauereinrichtung werden.

Nur: Die Alternativen haben alle diese Nachteile auch - und dazu noch ein paar mehr. Garantien werden irgendwann mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls zu Zahlungen führen und Kredite zu Abschreibungen. Das gilt zumindest im Fall von Griechenland, das augenscheinlich aus eigener Kraft weder mit immer härteren Sparprogrammen noch mit Schuldenschnitten auf einen grünen Zweig kommt, weil die Leistungsbilanz so nicht zu reparieren ist. Und alle Tricks der Europäischen Zentralbank (EZB) führen indirekt auch dazu, dass Kaufkraft zu den schwachen Euro-Staaten umverteilt wird. Der Unterschied zu direkten Zahlungen ist lediglich, dass diese Umverteilung nicht so offensichtlich ist.

Und damit wären wir bei den zusätzlichen Nachteilen der bisherigen Lösungen: Sie sind intransparent - niemand weiß, wie viel am Ende umverteilt wird. Sie sind undemokratisch, weil sie zukünftige Parlamente über Gebühr binden oder auf Umwegen über die EZB laufen. Bei direkten Zahlungen steht dagegen die Höhe fest, sie werden im Parlament beschlossen, und sie können jedes Jahr neu mit den Empfängerländern ausgehandelt werden.

Nur zur Klarstellung: Natürlich ist die Euro-Zone nicht zu retten, wenn Staaten wie Griechenland, Italien und Spanien es nicht schaffen, die verlorene Wettbewerbsfähigkeit wieder zu erhöhen. Aber das dauert Jahre. Und die Frage ist ja jetzt, wie dieser Prozess unterstützt werden soll.

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78 Kommentare zu "Kommentar: Was die Euro-Retter verschweigen"

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  • Asterix und Obelix geht nach Hause. Der Zaubertrank vergangener Tage hat sich aus dem Staube gemacht, wenn nicht gänzlich verflogen.

  • Das Verhängnis nimmt seinen Lauf mit der Herabstufung
    der BRD durch Egan-Jones auf die Note AA.
    So nehmen die marktwirtschaftlichen Entwicklungen den
    EU-Bankrotteuren die Initiative, die sie niemals ent-
    wickelt haben, aus der Hand, die aus der Entfernung
    von einer Ratingagentur wohl besser gesehen werden
    als von einer betriebsblinden EU.

  • Ist es nicht eine Ironie, dass die "Concordia", was übersetzt Eintracht/Einigkeit bedeutet, in bzw. an Italien zerbrochen ist?!
    Ein Spiegelbild der Situation in der EU. Ich würde vorschlagen das sinkende Schiff zu verlassen, bevor es noch mehr Opfer gibt.

    Nichts passiert zufällig...

  • Dieser Artikel sagt klar und deutlich was Sache ist.
    Das schlimme ist nur, daß man ur zuschauen kann, wie
    wieder hundert Tausende Milliarden (Krisentopf)verpulvert werden.

    Wie kann man Einhalt gebieten und wer kann das überhaupt?
    Es klingt zwar gut - EURO-Rettung doch es sollte besser
    heißen - für Milliarden-Rettung sorgen, die verpuffen und immer mehr Länder sich für den Rettungsschirm anmelden werden.

  • @ Frank62

    Alternativlos ist der von Ihnen angezeigte Schuldenschnitt nicht.
    Das hat Argentinien schon erfolgreich vorgemacht.
    Nur ob das bequeme GR diesen harten Weg gehen will, ist fraglich. Das Ergebniss für die Investoren ist erst mal das gleiche.

    Schönen Tag noch.

  • "Der EURO würde nicht wertlos werden."

    Eben. Aber damit rauben Sie natürlich all den debilen Schwtzern hier, die sich drauf freuen am Geldautomaten zu stehen und kein Geld mehr abheben zu können, die letzte Hoffnung auf die Katastrophe, die sie Tag für Tag nicht müde werden, an die Wand zu malen.

    Was die Herrschaften am meisten ärgert: Niemand nimmt sie ernst, schon gar nicht "der" Deutsche. Wenn man dem hysterischen Alarmton, in dem hier täglich aufs neue die selben Dummheiten ins Nirvana gefeuert werden, folgen würde, wäre Deutschland längst bankrott.

    Maulhelden allerorten, unfähig eine eigene Partei auf die Beine zu stellen - wahrscheinlich machen die das nur deshalb nicht, weil ihnen so die Peinlichekit eines Wahlergebnisses erspart bleibt.

    So lange man sich dem Wähler nicht stellen muss, läßt es sich halt hervorragend kreischen und so tun, als sei man die "Mehrheit"

    Die Herrschaften sind nicht "Mehrheit", sie haben hier halt Narrenfreiheit und machen intensiv Gebrauch davon, sich vor aller Augen der Lächerlichkeit preiszugeben.

  • "der euro ist tod."

    Und du bist doov

    Jeder halt so, wie er kann.

  • Copy & Paste Spambot ...

  • @Freiheit

    "Wann wacht dieser Michel endlich auf?"

    Der "deutsche Michel" nimmt sich die Freiheit, Euch euroneortischen Plärrer schlicht und ergreifend als das zu betrachten, was Ihr nun mal seid: Dummschwätzer

  • Warum sollte das mit dem Euro nicht funktionieren, wenn sich die Länder an die Spielregeln gehalten hätten? (Die ersten, die von Mumpiz gesprochen haben, waren übrigends D und Frankreich...) In USA gibts keinen Länderfinanz-ausgleich, und trotzdem klappts. Ich behaupte, daß der "europäische Finanzausgleich" nur deshalb eingeführt werden soll, weil dann völlig verschleiert werden kann, wer eigentlich für was Verantwortung trägt. Wenn man bei den ersten Schwierigkeiten Griechenlands die Finanzmärkte auf die Verträge und Gesetze verwiesen hätte, wäre - nach einer Bankenrettung - Ruhe im Karton. Jetzt sind natürlich die Märkte völlig außer sich, weil kein Mensch weiß: Was gilt eigentlich (noch)? Zustände wie in Zentralasien oder Süditalien, wo andere als der Staat die Macht haben? Unsicherheit ist für Märkte, die mit nichtfaßbaren Produkten handeln, in denen Vertrauen das A und O ist, absolutes Gift. Ich habe gerüchteweise gehört, daß UK bei der Einführung des Euro gesagt haben soll, "ein 2. Versailles - bloß die Deutschen wissen es noch nicht."

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