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Kommentar Was digitales Bargeld ist und warum es eine Chance hat

Digitales Bargeld wäre eine zusätzliche Form des Geldes. Auch wenn es jetzt noch unvorstellbar erscheint: In ein paar Jahren könnte es eine Chance haben.
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Die Einführung des mobilen Bezahldienstes entfachte erneut die Debatte über das Geld der Zukunft. Quelle: obs
Google Pay

Die Einführung des mobilen Bezahldienstes entfachte erneut die Debatte über das Geld der Zukunft.

(Foto: obs)

Es ist ein Angriff auf das Bargeld: Als der US-Techgigant Google vor einigen Tagen seinen mobilen Bezahldienst in Deutschland lancierte, erhielt die Debatte über das Geld der Zukunft neue Nahrung. Werden wir in zehn Jahren alle nur noch auf elektronischem Weg bezahlen? Sind wir dann noch mehr den US-Technologiefirmen ausgeliefert?

Und vor allem: Brauchen wir in der neuen Welt des Bezahlens digitales Bargeld – sprich staatlich garantiertes Notenbankgeld in rein elektronischer Form? Die Antwort auf letztere Frage: Zurzeit gibt es keinen Druck, so etwas einzuführen. Aber in einigen Jahren könnte sich das durchaus ändern.

Doch was ist überhaupt digitales Bargeld? Bei diesem Thema herrscht eine Menge Verwirrung. Digitales Bargeld, wie es etwa derzeit bereits in Schweden diskutiert wird, wäre keine eigene „Währung“, sondern es ginge um eine digitale Form des Euros, Dollars, der Krone oder was auch immer die jeweilige Landeswährung ist.

Dieses Geld bestünde aus digitalen „Coins“, die technisch wahrscheinlich auf einer Blockchain basieren und ganz ähnlich wie traditionelles Bargeld funktionieren würden. Das Geld würde aber nicht in klassischer Form auf Konten aufbewahrt, sondern in Wallets, elektronischen Geldbörsen. Diese Wallets können von Banken und Dienstleistern verwaltet werden oder privat auf dem Computer existieren.

Ähnlich wie traditionelles Bargeld könnten die neuen „Coins“ gestohlen werden, nur hier eben von Hackern, oder verloren gehen, etwa mit der Festplatte des eigenen Computers. Braucht man so etwas? Wahrscheinlich nicht. Aber man braucht auch keine Kreditkarten oder Karten für kontaktloses Bezahlen. Die Menschheit ist lange genug ohne Plastikgeld ausgekommen.

Digitales Bargeld wäre einfach eine zusätzliche Form von Geld. Die einen werden es mögen, die anderen nicht. Immerhin wäre Digi-Cash echtes Zentralbank-Geld, sprich es wäre vom Zusammenbruch einer Bank nicht tangiert. Digitale Coins lassen sich, wenn sie richtig konstruiert sind, relativ einfach, billig und schnell weltweit verschicken, das ist der Charme der Blockchain-Technik.

Die Zentralbanken, auch die Bundesbank, arbeiten an anderen technischen Lösungen, die ebenfalls schnelles Bezahlen ermöglichen. Aber die bauen auf einer teuren, bestehenden Infrastruktur auf. Spätestens, wenn die einmal in die Jahre kommt, wird sich zeigen, ob der Umstieg auf Blockchain-Technik nicht doch einfacher und billiger ist.

Es gäbe bei der Einführung eine ganze Reihe an Problemen zu beachten – aber andere, als oft genannt werden. Niemand müsste ein Konto bei der Notenbank unterhalten, weil Bargeld gar nicht auf Konten liegt. Theoretisch wäre denkbar, dass sich irgendwann ein großer Teil des Zahlungsverkehrs auf die Blockchain verlagert, sodass den Banken die Einlagen wegbrechen.

Dem könnten sie aber entgegenwirken, indem sie entsprechende Zinsen anbieten. Sie würden vielleicht eine Menge an kleinen Girokonten verlieren, damit aber auch eine Menge an Kosten vermeiden. Im Gegenzug könnten sie höhere Einlagen besser verzinsen.

Häufig ist auch das Argument zu hören, dass ein Bankrun noch leichter ausbrechen könnte, weil man dann nicht mehr in einer Schlange vor dem Geldautomaten steht, sondern jeder per Knopfdruck Sichtguthaben in Digi-Cash umwandelt. Mag sein. Aber die Notenbank könnte diese Art von Cash auch schneller zur Verfügung stellen und so die aufflammende Panik beruhigen.

Denn bei Bargeld geht der Run ja erst richtig los, wenn sich herumspricht, dass die ersten Ausgabeautomaten leer sind.

Die wirkliche Herausforderung liegt, wenig erstaunlich, im technischen Bereich. Wer stellt bei so einer Blockchain den sogenannten Konsens her? Anders gefragt: Wer verhindert, dass jemand dasselbe Geld mehrfach an verschiedene Empfänger verschickt? Bei Bitcoins und den meisten anderen Kryptowährungen geschieht das durch einen extrem energieaufwendigen Prozess, der für Zahlungsverkehr im größeren Umfang gar nicht geeignet wäre.

Sollte eine Notenbank schon in näherer Zukunft mit digitalem Cash experimentieren, so müsste sie wahrscheinlich selbst diesen Konsens herstellen. Das heißt: bei jeder Zahlung prüfen, ob das betreffende Geld nicht schon einmal verwendet wurde. Das wäre technisch aufwendig, aber ohne den gigantischen Energieaufwand möglich, der bei einer dezentralen Lösung anfällt.

Vorstellbar ist aber auch, dass die Zentralbanken erst relativ spät auf den Zug aufspringen, wenn es schon eine offene Blockchain gibt (eventuell auch mehrere), auf der verschiedene Kryptowährungen im großen Maßstab und effizient verschickt werden können.

In dem Fall würde die Notenbank sich in die entsprechende Blockchain einklinken und einfach nur ihre Coins darüber an die Banken verschicken, die sie dann bei Bedarf wie Bargeld auszahlen. Aber von dieser technischen Infrastruktur sind wir noch ein gutes Stück entfernt.

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