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Kommentar Was uns in der Post-Corona-Zeit blüht

Die Menschheit nach Corona wird eine andere sein: digitaler, isolierter, nationaler. Aber auch glücklicher?
02.04.2020 Update: 02.04.2020 - 15:17 Uhr 2 Kommentare
Die Welt wird nach der Pandemie eine andere sein als vorher. Quelle: dpa
Abgesperrtes Bürgerbüro in Thüringen

Die Welt wird nach der Pandemie eine andere sein als vorher.

(Foto: dpa)

Die gute Nachricht ist: Die Menschheit wird Corona überleben. Sie hat schon ganz andere Krisen überstanden. Die schlechte Nachricht: Für die Weltwirtschaft kann man noch nicht so optimistisch sein angesichts der Unbedingtheit, mit der wir uns momentan in die virologisch sicher nachvollziehbaren Rettungs-Shutdowns stürzen.

Mit einer leicht abgewandelten alten Öko-Weissagung lässt sich prophezeien: Erst wenn der letzte Blumenladen insolvent, der letzte Tiefkühlbrokkoli gehamstert und der letzte Angestellte entlassen ist, werdet ihr merken, dass man Geld doch essen kann. Dass eine funktionierende Wirtschaft uns überhaupt erst mit Impfstoffen, Beatmungsgeräten, Sozialhilfe oder auch einfach nur ein bisschen Kultur versorgt: einem Konzert, Buch oder wenigstens einem Kilo Stangenspargel.

Dass Wirtschaft eben nicht nur Handel, sondern immer auch Gemeinschaft bedeutet. Und dass wir vieles davon gerade angeblich alternativlos wegdesinfizieren. Klar ist schon jetzt: Die Welt wird nach der Pandemie eine andere sein als vorher. Weil auch wir anders sein werden. Nur wie?

Dinge verschieben sich momentan, verblassen, verlieren an Bedeutung. Erinnern Sie sich, dass Donald Trump im Januar noch mit neuen Zöllen auf europäische Waren drohte? Dass Frankfurt die Automesse IAA verlor? Dass Großbritannien offiziell aus der EU austrat? Wenn wir Mails oder Nachrichten lesen vom Jahresbeginn, überlegen wir bereits nostalgisch: Was war das denn damals für eine niedliche Gegenwart?

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    Spätestens am Freitag, dem 13. März, hatte es damit ein Ende. Aus gerade noch heiterem Himmel heraus wurde die bundesweite Schließung aller Schulen und Kitas angekündigt. Abends war das Toilettenpapier im Supermarkt ausverkauft. Nicht dass man es schon gesucht hätte. Aber die neue Leere in den Regalen war doch ein eindrucksvolles Zeichen.

    Seither ging alles Schlag auf Schlag: geschlossene Grenzen, Ausgangsbeschränkungen, Börsenkurse im freien Fall, wegbrechende Volkswirtschaften und Homeoffice – so unfassbar viel Homeoffice, dass Controller aller Länder bald vereint rufen werden: „Wozu brauchen wir denn noch all die teuren Büroflächen?!“

    Der Sektor der Gewerbeimmobilien wird nur einer von vielen sein, die die nicht allzu schöpferische Zerstörung durch Sars-CoV-2 schon bald schmerzhaft erleben werden. Doch das ist erst der Anfang.

    Deglobalisierung wird in Mode kommen

    Schulen wird es noch geben, einfach weil man während der Homeoffice-Zeit gesehen hat, wie anstrengend die Blagen sein können. Doch selbst an Unis wird vieles künftig per Videostream und Livechat zu leisten sein. Bildungsangebote via Netz werden boomen. Wer braucht noch all die Geschäftsreisen, wenn das mit den Videokonferenzen doch überraschend gut funktioniert? Wer braucht noch die vielen Messen und Konferenzen? Wer braucht noch den Flugverkehr – außer vielleicht für den Urlaub, den wir aber möglicherweise auch anders verbringen werden, als an überfüllten Stränden zu liegen?

    Während die Büros leer stehen und die KfW sich zur mächtigsten Bank der Republik aufpumpt, werden wir mit dem letzten Geld, das wir noch haben, im Cocooning-Fieber unsere Wohnungen und Kleingärten dekorieren. Ansonsten werden wir nicht mehr so viel unterwegs sein, dafür holen wir Teile der industriellen Produktion ins Land zurück, weil die aktuelle Weltkrise zeigt, wie schnell die Lieferketten erodieren können. Deglobalisierung wird in Mode kommen, was vielen Schwellen- und Entwicklungsländern endgültig den Garaus macht.

    Corona wirke „wie ein Katalysator“, sagte Douglas-Chefin Tina Müller diese Woche im Handelsblatt-Interview. Gerade musste sie fast all ihre 2 400 Shops schließen – und hat jetzt nur noch ihren E-Commerce, der die Verluste nicht ausgleicht. Noch nicht. Was Müller also auch meint: Wenn mittlerweile jede Oma gezwungenermaßen per Skype oder Facetime kommuniziert, ist klar, dass die Digitalisierung jetzt erst ihre wahre Wucht entwickeln wird.

    Alles, was noch analog ist, wird das zuerst zu spüren bekommen. Von den kleinen Shops und liebenswerten Kneipen wird ohnehin nur noch ein Teil den Shutdown und die folgende Rezessionswüste überleben. In der Post-Corona-Zeit werden unsere Fußgängerzonen weiter veröden, weil die Ladenmieten selbst für die großen Filialketten einfach zu teuer sind. Bargeldloser Zahlungsverkehr, Big Data, KI – derlei wird boomen. Google, Amazon und Alibaba werden die Welt noch weit mehr beherrschen als eh schon.

    Und wir? Werden Arbeit und Leben immer mehr von zu Hause aus organisieren, wo wir allmählich nicht nur modisch leicht verlottern, bis das nächste Virus kommt und uns endgültig erledigt. Es wird vielleicht nicht mal eine leicht mutierte Corona-Schwester sein, sondern ein von Menschen gemachtes Virus, ein Computervirus, das uns final die Lichter ausbläst.

    Und wenn Sie denken, dass Sie jetzt mal allmählich aufwachen sollten aus diesem grotesken Der-Shutdown-rettet-uns-Traum, dann versuchen Sie’s doch einfach! Vielleicht klappt’s ja noch.

    Mehr: Philosophin Fleury zum Lockdown: „Vielen droht der soziale und wirtschaftliche Tod“

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    2 Kommentare zu "Kommentar: Was uns in der Post-Corona-Zeit blüht"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Zum wiederholten mal erweist sich Herr Tuma als eine Stimme der Vernunft und Differenzierung in diesen hysterischen Tagen - herzlichen Dank dafür (, wenngleich seine Kommentare auf der Handelsblatt-homepage gefühlt immer schwerer auffindbar sind). Der konstruierte Widerspruch zwischen (moralisch überhöhten) medizinischen und (als zynisch diffamierten) ökonomischen Argumenten führt m.E. völlig in die Irre. Die verbleibende Lebenserwartung einer 65 jährigen Frau ist in den letzten 45 Jahren (1972-2018) in Deutschland um 4,7 Jahre, bei Männern um 4,1 Jahre gestiegen. Der Anteil der über 80-Jährigen ist im gleichen Zeitraum von 2,0% auf 6,0% gestiegen. Diese Entwicklungen fallen nicht vom Himmel. Dahinter steht eine prosperierende Volkswirtschaft, die einen guten Teil der erreichten Wohlstandsgewinne in Medizintechnik, Pflege-Infrastruktur und den Ausbau von Renten- und Pflegeversicherung investiert hat. Wenn wir nun meinen, die erreichten demographischen Fortschritte ohne jede Abwägung und Rücksicht auf Verluste verteidigen zu müssen, legen wir die Axt an das System und die Lebensperspektiven der Generationen, die uns den (willkommenen) Luxus erst möglich machen, uns über corona-bedingt erhöhte Sterberisiken hochbetagter multi-morbider Menschen sorgen zu können.

    • ALS OB HERR TUMA DAS WISSEN WÜRDE.....

      UNTER SERIÖSER BERICHTERSTATTUNG VERSTEHEN DIE LESER, SICHERLICH, ANDERES....

      BESTE GRÜßE AUS HAMBURG

      DR L.

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