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Schanghais Finanzdistrikt

Die Metropole verkörpert Chinas Aufstieg zur Weltmacht.

(Foto: AFP)

Kommentar Weckruf für Europa – China forciert den Kampf um Zukunftstechnologien

Europa braucht eine Strategie, um den Kampf um die Technologieführerschaft gegen China nicht zu verlieren. Schon jetzt hinkt der Kontinent hinterher.
5 Kommentare

Der Raumsonde „Chang’e 4“ gelingt die erste Landung auf der Rückseite des Mondes. Huawei steigt weltweit zum zweitgrößten Produzenten von Smartphones auf. Alibaba plant eine globale Expansion und baut eine eigene Handelsplattform in Europa auf. Inhaltlich haben die drei Meldungen wenig miteinander zu tun. Nur der Absender ist identisch: China.

Wer gehofft hatte, die Ankündigungen des chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping, China an die technologische Weltspitze zu führen, seien nur politisches Gerede, wird in diesen Tagen gleich mehrfach eines Besseren belehrt. Politik und Unternehmen in China reden nicht nur, sondern handeln – und zwar mit Erfolg. Bei einigen Zukunftstechnologien liegt China mittlerweile vorn.

Die Nachrichten aus China sind für Europa ein Weckruf. Der Kontinent läuft Gefahr, technologisch den Anschluss an die Weltspitze zu verlieren. So wichtig die Debatten über die Sicherung der europäischen Außengrenze, die Verteilung von Flüchtlingen auf die EU-Mitgliedstaaten oder die Verbesserung des Europäischen Währungssystems auch sind, im weltweiten Kampf um die Zukunftstechnologien spielen sie nicht einmal eine Nebenrolle.

Wer Arbeitsplätze der Zukunft schaffen will, muss bei Künstlicher Intelligenz, autonomem Fahren, Sensorik und Robotik Weltspitze sein. Doch die Bilanz fällt für Europa wie für Deutschland bei diesen Themen ernüchternd aus.

Den vielen politischen Ankündigungen ist bisher kaum etwas gefolgt. Funklöcher gehören in der viertgrößten Wirtschaftsnation der Welt ebenso zur Tagesordnung wie ein schleppender Ausbau schneller Internetverbindungen. Unter solchen Voraussetzungen kann die Bundeskanzlerin noch so oft davon reden, dass es der Anspruch Deutschlands sein müsse, Weltspitze bei Zukunftstechnologien zu werden – es gelingt einfach nicht.

Die jüngsten Verschiebungen im globalen Handy-Geschäft sollten Politikern wie Managern Warnung genug sein. In wenigen Jahren ist es dem chinesischen Anbieter Huawei gelungen, Apple zu verdrängen. Erreicht wurde der Coup nicht allein durch günstige Preise, sondern durch technologische Verbesserungen.

Die Machtverhältnisse im Handy-Markt haben sich nachhaltig verschoben. Nach dem Einbruch der iPhone-Verkäufe im Weihnachtsgeschäft ist kaum damit zu rechnen, dass Apple in den nächsten Jahren Marktanteile von Huawei zurückerobern könnte.

Andere Branchen und Unternehmen müssen aufpassen, dass ihnen nicht ein ähnliches Schicksal droht. In Deutschland steht vor allem die Autoindustrie unter Druck. Volkswagen-Chef Herbert Diess sieht die Chancen, dass die deutsche Autoindustrie in zehn Jahren noch zur Weltspitze gehört, nur noch bei 50 Prozent. Die These ist keineswegs übertrieben, sondern eine ziemlich realistische Beschreibung der aktuellen Verhältnisse.

Bei wichtigen Technologien haben die deutschen Autokonzerne, die nach Arbeitsplätzen wichtigste Industrie des Landes, den Anschluss bereits verloren. Das gilt vor allem für die Entwicklung von Elektromobilität und autonom fahrenden Autos. Wie riesig der Nachholbedarf ist, zeigt allein die Tatsache, dass die Google-Tochter Waymo mittlerweile die staatliche Erlaubnis erhalten hat, fahrerlose Fahrzeuge im Straßenverkehr zu testen.

Davon ist Deutschland noch weit entfernt. Zwar gibt es auf ausgewählten Autobahnabschnitten auch hierzulande Teststrecken für autonomes Fahren. Aber die Fähigkeiten, autonom im Stadtverkehr zu fahren, sind technisch ungleich komplexer und anspruchsvoller. Gleiches gilt für die Forschung und Produktion von Batteriezellen für das Elektrozeitalter.

Weltspitze ist in diesem Zukunftsbereich nicht Europa, sondern Asien – und da vor allem China. Die technologischen Mängel führen dazu, dass mit CATL ein chinesischer Konzern eine Batteriefabrik in Deutschland baut. Warum die Autokonzerne bisher nicht den Anspruch hatten, die Batterien mit der besten Leistung und größten Reichweite selbst zu entwickeln, bleibt ein Rätsel. Die Folgen für die Technologieführerschaft sind gleichwohl immens.

Noch zeigen sich die Folgen dieses Missmanagements nicht in den Verkaufsstatistiken, da schneiden BMW, Daimler und Volkswagen weiter gut ab – sogar trotz der Dieselkrise. Das muss nicht so bleiben, sollten die versprochenen Fortschritte bei Elektromobilität und autonomem Fahren ausbleiben.

Ähnlich frustrierend ist der Befund beim Thema Künstliche Intelligenz. Nicht nur sind die drei Milliarden Euro, die die Bundesregierung bis 2025 für diese Zukunftstechnologie investieren will, ein Tropfen auf den heißen Stein. Bis heute ist nicht einmal geklärt, in welchem Bereich der Künstlichen Intelligenz Deutschland Weltspitze werden will. Gleiches gilt für Europa – die Nische, in der man ganz vorn mitspielen will, ist noch nicht ausgemacht.

Europa muss endlich aufwachen, um technologisch den Anschluss zu halten. Ansonsten endet der Kontinent so, wie man ihn in China längst sieht: als technologisches Museum.

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5 Kommentare zu "Kommentar: Weckruf für Europa – China forciert den Kampf um Zukunftstechnologien"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Brain-Drain sehe ich nicht als ernsthaftes Problem.
    Dann doch eher die German-Angst. Geldeinsammeln für ein StartUp ist zwar besser geworden aber immer noch ein Bettelgang. Nicht jeder jagt den nächsten 10% mehr Gehalt hinterher. 4000$ Dollar für die Wohnung nur um 100.000$ bei Google zu verdienen lohnt sich auch nur für den Lebenslauf.
    Datenschutz und sonstige Regulierung sind eher Hemmnisse für technologische Innovationen. Ich finde die Erfolge der ESA übrigens nicht geringer als die der Chinesen. Wir sollten uns generell weniger Angst um die Zukunft. Einzig Überbevölkerung würde ich als eine Gefahr ansehen.

  • Nunja, da stellt sich natürlich die Frage, warum die Chinesen in diesem angeblichen technologischen Museum auf Einkauftour bezüglich Technologien gehen. Das passt ja irgendwie nicht ganz zusammen, oder?

    Es sind übrigens die chinesischen Metropolen, die gerade im eigenen Smog ersticken. Umweltstandards? Was ist das? Arbeitschuu...tz? Noch nie gehört! Also hier das China-Wunderland einfach über den grünen Klee zu loben ist schon eine etwas kurzfristige Betrachtung. Zudem ist und bleibt es eine kommunistische Diktatur. Und der Hr. Xi Ping hat sich gerade zum Imperator auf Lebenszeit ausrufen lassen. Das kann man sich "schön saufen" wie man will. Aber Errungenschaften wie Wahlen, freie Meinungsäußerung oder Menschenrechte scheinen zu verblassen, wenn der Hr. Jack Ma zum Sprung ansetzt um sein "wir verhökern alles online" Imperium weltweit auszurollen.

    "Den vielen politischen Ankündigungen ist bisher kaum etwas gefolgt.". Das ist übrigens der Normalfall. Egal wohin man blickt.

  • Dieser Weckruf ist gut und nötig. Wir brauchen aber auch dringend eine Entwicklung der Wasserstoff-Technologie für die Motilität und die Energiewende allgemein. Pflanzen und Tiere nutzen Wasserstoff für den Energie-Stoffwechsel seit 1 Milliarde Jahren mit grossem Erfolg und ohne dem Welt-Klima zu schaden. Die Menschheit hat durch den Einsatz von Kohle und Öl sowie Gas das Klima in den letzten 100 Jahren schon stark verändert. Die Zukunft lässt weitere katastrophale Klimaänderungen erwarten, wenn eine umweltverträgliche Transformation nicht schnell gelingt.
    Für die Auto-Industrie heisst das, wir brauchen dringend die Brennstoffzelle als ökonomisch sinnvolle und wirkungsvolle Energielieferantin. Einzelheiten finden sich unter H2 Mobility.
    Auch hier liegen Toyota und Hyundai schon vorn. VW will damit nach 2025 beginnen.
    Die geplanten Batteriefabriken stellen sich wahrscheinlich in Zukunft als Fehlinvestitionen heraus: wegen der nötigen teuren Lade-Infrastruktur, der langen Ladezeiten, des hohen Gewichtes der Akkus, der kurzzeitigen Effektivität der Akkus, der geringen Reichweite der Fahrzeuge und der schwierigeren Speicherung von überschüssigem Strom aus alternativen Energiequellen. Dr. Gerhard Raydt

  • (diesmal mit weniger Rechtschreibfehlern)

    Sie haben voellig Recht, Her Afhueppe. Deutschland muesste aufwachen. Aber bedenken Sie diese Fakten:

    In Deutschland herrscht seit Jahrzehnen der "Brain-Drain". Das heisst, dass etwa 160.000 Menschen Deutschland pro Jahr verlassen, weil sie mit ihren Faehigkeiten und Erfahrung irgendwo anders mehr verdienen. Der Staat versucht die Leute mit Peanuts (Erdnuessen) erfolglos wieder zurueck zu holen. Es ist aber nicht die Aufgabe des Staates sondern der Industrie und Wirtschaft dies zu tun. Machen sie aber nicht, weil sie nicht die gleichen Gehaelter wie z. B. in den USA zahlen wollen. Denn die sind 2-3x so hoch wie in Deutschland.

    Politiker und viele Medien bekaempfen aktiv den Kapitalismus - das Marktsystem, das Leistung und Inovation foerdert. Viel zu verdienen ist in Deutschland ein Manko. Steuern und Abgaben sind in Deutschland so hoch, dass jeder Arbeitnehmer mehr als ein halbes Jahr fuer den Staat arbeitet. Mit der Anerkennung von "Ausbildung" und "Diplomen" aus der Zweiten und Dritten Welt, wird der deutsche Leistungsstandard sukzesive erodiert. Was also ist der wirtschaftliche Vorzug des Standortes Deutschland?

    Deutschland muesste seit 30 Jahren aufwachen. Macht es aber nicht. Es muss erst wieder zu einem grossen Knall kommen, bevor sich etwas aendern kann, sorry.

  • Sie haben voellig Recht, Her Afhueppe. Deutschland muesste aufwachen. Aber bedenken Sie siese Fakten:

    In Deutschland herrscht seit Jahrzehnen der "Brain-Drain". Das heisst, dass etwa 160.000 Menschen Deutschland pro Jahr verlassen, weil sie mit ihren Faehigkeiten und Erfahrung irgendwo anders mehr verdienen. Der Staat versucht die Leute mit Peanuts (Erdmuessen) erfolglos wieder zurueck zu holen. Es ist aber nicht die Aufgabe des Staates sondern der Industrie und Wirtschaft dies zu tun. Machen sie aber nicht, weil sie nicht die gleichen Gehaelter wie z. B. in den USA zahlen wollen. Denn die sind 2-3x so hoch wie in Deutschland.

    Politiker und viele Medien bekaempfen aktiv den Kapitalismus - das Marktsystem, das Leistung und Inovation foerdert. Viel zu verdienen ist in Deutschland ein Manko. Steuern und Abgaben sind in Deutschland so hoch, dass jeder Arbeitnehmer mehr als ein halbes Jahr fuer den Staat arbeitet. Mit der Anerkennung von "Ausbildung" und "Diplomen" aus der Zweiten und Dritten Welt, wird der deutsche Leistungsstandard sukzesive erodiert. Was also ist der wirtschaftliche Vorzug des Standortes Deutschland?

    Deutschland muesste seit 30 Jahren aufwachen. Macht es aber nicht. Es muss erst wieder zu einem grossen Knall kommen, bevor sich etwas aehndern kann, sorry.