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Kommentar Wenn seine Präsidentschaft Obama eines gelehrt hat, ist es Geduld

Der Ex-Präsident rechnet zwar auf seiner Europatour mit Trumps Ideologie ab. Doch Obama ist demütig geworden. Seine Appelle richten sich vor allem an die Jugend.
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Wenn also der frühere US-Präsident vor „unsicheren Zeiten“ warnt und davor, dass „mächtige Kräfte“ das gemeinsam Erreichte zerstören wollten, warnt er auch vor seinem Nachfolger. Quelle: dpa
Barack Obama in Berlin

Wenn also der frühere US-Präsident vor „unsicheren Zeiten“ warnt und davor, dass „mächtige Kräfte“ das gemeinsam Erreichte zerstören wollten, warnt er auch vor seinem Nachfolger.

(Foto: dpa)

Berlin Das sind die USA – diese Widersprüche: Da sitzt der 45. Präsident der Vereinigten Staaten vor laufenden Kameras und hetzt gegen Einwanderer. „Es gibt Leute, die ins Land kommen“, wütete Donald Trump vor ein paar Tagen auf Besuch in Kalifornien. „Das sind keine Leute. Das sind Tiere.“ Trump entmenschlicht, Trump sät Angst.

Wenig später steht sein Vorgänger Barack Obama in Berlin und spricht jungen Menschen Mut zu. Er schwärmt von Europa als „Gipfel des menschlichen Wohlergehens“, lobt die Schülerproteste gegen die Erderwärmung und ruft die Jugend auf, sich einzumischen: „Ihr lasst euren Großvater oder eure Großmutter auch nicht entscheiden, welche Kleider ihr tragen oder welche Musik ihr hören wollt. Warum lasst ihr sie dann bestimmen, in welcher Welt ihr leben sollt?“

Obama weiß aus leidvoller Erfahrung, wohin Apathie führen kann. Weil es ihm nicht gelang, seine Anhänger bei den Präsidentschaftswahlen 2016 für seine Parteifreundin Hillary Clinton zu begeistern, regiert heute ein Präsident, der sich darauf beschränkt, niederzureißen, was Obama hinterlassen hat.

Trump lässt Kohlelobbyisten Obamas Klimaverordnungen schleifen. Er hat das Pariser Klimaschutzabkommen aufgekündigt, ebenso das Atomabkommen mit Iran. Obamas Gesundheitsreform soll vor Gericht zu Fall gebracht werden, nachdem der erste Versuch, sie zurückzunehmen, im Kongress gescheitert ist. Trump ist noch längst nicht fertig.

Das gilt auch für Europa. Während Obama die EU als Präsident „eine der größten politischen und wirtschaftlichen Errungenschaften der Gegenwart“ pries, bezeichnet Trump sie als „Widersacher“. Die Drohung mit Autozöllen steht im Raum, sie wären nichts anderes als eine wirtschaftspolitische Aggression gegen Europa.

Wenn also Obama in Berlin vor „unsicheren Zeiten“ warnt und davor, dass „mächtige Kräfte“ das gemeinsam Erreichte zerstören wollten, warnt er auch vor seinem Nachfolger. Trump hält Nationalismus und Abschottung für ein Heilsversprechen, darum beklatscht er den Brexit, darum lässt er eine Mauer bauen.

Obama dagegen bewundert den europäischen Multilateralismus: das Einigungsprojekt mit gemeinsamen Binnenmarkt und den offenen Grenzen des Schengenraums. Man hat ihn als ersten pazifischen Präsidenten der USA bezeichnet, weil er auf Hawaii aufgewachsen ist und seine Regierung eine strategische Neuorientierung Richtung Asien propagierte.

Dabei ist Obama ein glühender Europäer. Von allen Weltregionen kommt Europa seiner Idealvorstellung von internationaler Politik am nächsten, bei der Gewalt und Feindschaft zwischen Völkern durch Verständigung und Kooperation überwunden wird.

Das Wort Trump kommt Obama nicht einmal über die Lippen. Doch der Name eines Nachfolgers schwingt fast immer mit, wenn Obama dieser Tage spricht, auch als er wie ein Prediger mahnt: „Wenn wir unseren Kindern lehren zu lieben und zuzuhören, statt zu hassen, dann können unsere Gesellschaften besser funktionieren.“

Obama ist demütig geworden, wenn seine Präsidentschaft ihn eines gelehrt hat, dann ist es Geduld. „Soziale Veränderung geschieht nicht schnell, noch geschieht sie, nur weil man mutig denkt“, sagt der Mann, der die Amerikaner und große Teile der westlichen Welt einst mit Hoffnung, Wandel und der „scharfen Dringlichkeit des Augenblicks“ in den Bann schlug.

Inzwischen weiß Obama: „Gesellschaften sind träge. Wandel ist langsam.“ Und vor allem verläuft der Wandel nicht linear. Trump wirft Amerika zurück, womöglich weiter, als Obama es vorangebracht hat.

Der Stanford-Professor Robert Pogue Harrison hat innere Zerrissenheit der Vereinigten Staaten einmal so beschrieben: „Was auch immer man über Amerika sagt, das Gegenteil ist genauso richtig.“ Amerika ist herzlos und mitfühlend, ignorant und reflektiert. Amerika macht Angst und spendet Trost.

Trump und Obama verkörpern die entgegengesetzten Pole der amerikanischen Psyche. Europa muss lernen mit Amerikas gespaltener Persönlichkeit zu leben.

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