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Kommentar Wer den Börsenflüsterern folgt, wird langfristig verlieren

Die Art, wie Aktien zum Kauf empfohlen werden, hat sich geändert. Das Problem ist: Antworten auf komplexe Fragen gibt es nicht auf Twitter.
19.02.2021 - 13:54 Uhr 1 Kommentar
Der Vorstands-Chef von Tesla bewegt mit seinen indirekten Kaufempfehlungen die Kryptomärkte. Quelle: ddp socialmediaservice
Elon Musk

Der Vorstands-Chef von Tesla bewegt mit seinen indirekten Kaufempfehlungen die Kryptomärkte.

(Foto: ddp socialmediaservice)

In früheren Zeiten liefen Börsentipps nach folgendem Schema ab: Insider, oftmals auch nur selbsternannte, teilten ihr Wissen mit Kleinanlegern und erklärten ihnen anhand von Kennziffern oder wirtschaftlichen Prognosen, warum diese oder jene Aktie unbedingt gekauft werden muss.

Das beste Beispiel für Börsentipps alter Schule war die Fernsehsendung „3SatBörse“. Wichtigster Bestandteil: die Rubrik „Börsenspiel“, bei der drei Investmentbanker, Finanzberater oder Fachjournalisten ihr virtuelles Kapital von 100.000 Mark, später Euro, mehren sollten. Die Teilnehmer begründeten ihren Kauf und ihren Verkauf, der Kurszuwachs oder -verlust wurde nachverfolgt.

Die Zeiten haben sich geändert. Die neuen Börsenflüsterer sind Outsider, sie teilen auf dem Kurznachrichtendienst Twitter höchstens ihren Ruhm, den sie als Musikstar oder Unternehmer erworben haben. Mit Kennziffern oder einer Nachverfolgung von Gewinnen oder Verlusten geben sie sich gar nicht ab.

Unternehmer wie der Tesla-Chef Elon Musk oder Mark Cuban, Musiker wie die Rapper Ja Rule und Snoop Dog oder Gene Simmons von der Hard-Rock-Band Kiss rufen mit den maximal 280 Zeichen, die ein Tweet bietet, direkt oder indirekt einfach nur zum Kauf eines bestimmten Wertpapieres auf. Manchmal sind es sogar nur einzelne Bilder. Das beschädigt letztendlich nur die Aktienkultur.

Denn erfahrene Börsianer wissen: Der Kauf einer Aktie allein ist nicht entscheidend für den Erfolg an der Börse. Viel wichtiger ist es, Antworten auf folgende Fragen zu haben: Wie groß darf der Anteil der Aktie in meinem Depot sein? Sollte ich verkaufen oder nachkaufen, wenn der Kurs fällt? Wann sollte ich verkaufen? Passt das Papier überhaupt zu meiner Depotstruktur? Es gibt noch viele weitere Fragen dieser Art – es ist jedoch nahezu unmöglich, die Antwort in 280 Zeichen zu formulieren.

Ein Fall von Frontrunning?

Auch moralisch-rechtliche Begriffe wie Frontrunning – eine Form des Insiderhandels, bei der bestimmte Marktakteure eine Aktie kaufen und sie nachträglich in die Höhe jubeln – spielen bei den neuen Börsenflüsterern keine Rolle mehr. Das offenbart etwa das Verhalten des kanadisch-amerikanischen Unternehmers Chamath Palihapitiya.

Der Chef des Investmentunternehmens Social Capital erklärte seinen 1,3 Millionen Twitter-Followern am 26. Januar, wenigen Stunden, bevor Elon Musk für die Gamestop-Aktie warb, dass er Call-Optionen auf den US-Computerspielehändler gekauft hatte.

In der folgenden Minute vervierfachte sich das Handelsvolumen, nach Berechnungen des „Wall Street Journal“ sorgten mehr als 10.000 Kleinanleger für ein Kursplus von knapp zehn Prozent.

Doch bereits am anderen Morgen hatte Palihapitiya seine Positionen aufgelöst. Er kündigte an, von dem Gewinn 500.000 Dollar zu spenden. Um hier ein abgewandeltes Sprichwort zu nutzen: Ein Schelm ist, wer dabei an den eigenen Geldbeutel denkt.

Mehr: Wie Elon Musk auf Twitter die Märkte bewegt.

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