Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Werte statt Profit – Rückgrat gegenüber China wird sich auszahlen

Während Firmen wie Apple dem Druck Chinas nachgeben, beweist die amerikanische Basketball-Profiliga NBA, dass Geschäft nicht vor Werten gehen muss.
Kommentieren
Auch der Konzern aus Cupertino entschuldigte sich bei der chinesischen Regierung. Quelle: AFP
Apple in China

Auch der Konzern aus Cupertino entschuldigte sich bei der chinesischen Regierung.

(Foto: AFP)

Artikel über aufgebrachte chinesische Konsumenten sind im letzten Jahr zu einem eigenen Genre geworden. Mal soll Daimler auf Instagram nicht den Dalai Lama zitieren; mal darf das Modelabel Zara nicht Taiwan als eigenen Staat darstellen; mal benutzt ein Model von Dolce & Gabbana Stäbchen zum Essen nicht korrekt. 

In dieser Woche kam eine neue Geschichte dazu. China warf dem iPhone-Hersteller Apple vor, mit der Tracking-App HKmap.live die Demonstranten in Hongkong zu unterstützen. Aktivisten können dort die Standorte der Polizisten eintragen. Dies mache es Demonstranten leichter, sich an gewalttätigen Aktionen zu beteiligen. 

Bis jetzt sah das Ergebnis solcher Attacken immer gleich aus: Die Unternehmen machten einen Kniefall, und zwar aus einem einfachen Grund: Die eigenen Werte waren ihnen nicht so viel wert wie der chinesische Markt. Und so entfernte Apple HKmap.live aus seinem App-Store. Offiziell sorgte man sich um die Sicherheit der Polizisten und Bewohner Hongkongs. Aber die meisten ahnten, dass der strahlend weiße Tech-Konzern sich eher um seine Bilanzen sorgt.

Es scheint, als gelinge es Peking immer besser, sein Zensurregime erfolgreich in den kapitalistischen Westen zu exportieren. Das ist zu kurz gegriffen. Die chinesischen Verbraucher und die chinesische Führung mögen ihre Marktmacht ausspielen, um Gehorsam einzufordern. Aber es ist die Entscheidung jedes einzelnen Unternehmens, sich dieser Macht auch zu beugen. Die jüngsten Beispiele mit Apple und der amerikanischen Basketball-Profiliga NBA zeigen, dass sich das Einknicken oftmals nicht lohnt.

Es ist nicht das erste Mal, dass Apple Folge leistet. Ende 2017 geriet das Unternehmen in die Schlagzeilen, als es auf Pekings Geheiß sogenannte Virtual Private Networks, die Nutzern erlauben, anonym auf in China blockierte Webseiten zuzugreifen, aus seinem chinesischen Store entfernte. 

Natürlich sind Konflikte mit Peking für Apple gefährlich. In den ersten drei Quartalen 2019 erzielte Apple allein zwanzig Prozent seines Umsatzes in Festlandchina, Hongkong, Macao und Taiwan. Und: Die weltberühmten iPhones werden in China zusammengebaut.

Einknicken bringt wenig

Aber ob der Gehorsam dem Geschäft wirklich geholfen hat, ist fraglich. 2017 erwirtschaftete Apple noch im Weihnachtsquartal – wenn traditionell die meisten iPhones abgesetzt werden – 18 Milliarden Dollar in China, ein Jahr später waren es nur noch 13,2 Milliarden. Auch dieses Jahr haben sich die Verkaufszahlen weiter verschlechtert.

Vielleicht haben die zuvor schon oft eingeknickten Unternehmen die chinesische Führung zu siegessicher werden lassen. Kurz sah es ja auch so aus, als würde China im Zwist mit der amerikanischen Basketball-Profiliga NBA mit derselben Taktik durchkommen. Die erste Stellungnahme der Liga zu dem Tweet eines Basketball-Managers – „Kämpfe für Freiheit, unterstütze Hongkong“ – kam nicht gut an. Diese Äußerung sei „unerfreulich“, ließ die NBA wissen. Es folgte ein Sturm der Entrüstung in den USA. Man warf der NBA vor, Profit über Moral zu stellen. 

Dabei lässt die NBA ihre Fans immer wieder wissen, dass ihre Spieler nicht nur die Massen unterhalten sollen, sondern sich auch zu politischen Themen äußern können. Am Dienstag stellte die Liga dann unter Beweis, dass die Wertschätzung der Meinungsfreiheit keine leere Worthülse ist, und korrigierte die erste Stellungnahme. Die NBA werde weder den Spielern noch Mitarbeitern oder Besitzern der Vereine den Mund verbieten. 

Wie hoch der Preis ist, den die NBA für ihre Standhaftigkeit zahlen muss, bleibt abzuwarten. Dabei sollte man aber nicht vergessen: Die Beziehung zwischen der Liga und China ist nicht nur eine zwischen Produktverkäufer und Absatzmarkt, sondern auch zwischen Fans und Fan-Objekt. 

Natürlich wollen weder Liga noch Spieler auf geschätzten vier Milliarden Dollar Geschäft verzichten wegen eines einzigen Tweets. Aber viele der rund 500 Millionen Fans wollen auch nicht wegen eines Tweets etwas verlieren, was ihnen Freude bringt, Identität stiftet und Unterhaltung bietet. 

Und die chinesischen Sponsoren, die derzeit im Anflug von Patriotismus kurzfristig Spiele aussetzen, werden sich langfristig gut überlegen, ob sie wirklich auf die Einnahmen verzichten wollen. Ebenso wie Apple nicht nur Geld aus den Taschen chinesischer Kunden zieht, sondern auch Geld in die Taschen chinesischer Arbeiter bringt. 

Und so zeigte sich China nach der Klarstellung der NBA unerschüttert: Termine wurden abgesagt, NBA-Poster von den Fassaden entfernt; noch mehr chinesische Unternehmen suspendierten erst einmal ihre Zusammenarbeit mit der Liga. Das Spiel zwischen den Los Angeles Lakers und den Brooklyn Nets in Schanghai fand trotzdem statt: in einem Stadion ohne viele Sponsoren-Logos, aber voller Fans. 

Mehr: Der Manager der Houston Rockets solidarisiert sich im Netz mit den Hongkong-Demonstranten. Chinesische Sponsoren reagieren prompt – und beenden die Zusammenarbeit.

Startseite

Mehr zu: Kommentar - Werte statt Profit – Rückgrat gegenüber China wird sich auszahlen

0 Kommentare zu "Kommentar: Werte statt Profit – Rückgrat gegenüber China wird sich auszahlen"

Bitte bleiben Sie fair und halten Sie sich an unsere Community Richtlinien sowie unsere Netiquette. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar. Wir behalten uns vor, Leserkommentare, die auf Handelsblatt Online und auf unser Facebook-Fanpage eingehen, gekürzt und multimedial zu verbreiten.

Serviceangebote