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Kommentar Wie Christine Lagarde die Finanzmärkte verunsichert – statt sie zu beruhigen

Die neue EZB-Chefin Christine Lagarde hat die Maßnahmen der EZB schlecht verkauft und mit missverständlichen Aussagen für Verunsicherung gesorgt.
12.03.2020 - 22:27 Uhr Kommentieren
EZB: Wie Christine Lagarde die Finanzmärkte verunsichert Quelle: imago images/Xinhua
Christine Lagarde

Die EZB-Präsidentin bei ihrer Pressekonferenz am Donnerstag.

(Foto: imago images/Xinhua)

Frankfurt Die aktuelle Situation an den Märkten ist außergewöhnlich. Es herrscht weitverbreitete Panik über die wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus. In dieser Situation waren die Entscheidungen der EZB am Donnerstag und der Auftritt in der Pressekonferenz der erste große Test für die neue Notenbankchefin Christine Lagarde. Leider ist er gründlich misslungen. Lagarde hat die Maßnahmen der EZB schlecht verkauft und dadurch die Unsicherheit an den Finanzmärkten noch verstärkt.

Natürlich muss man berücksichtigen, dass die Vorbedingungen äußerst ungünstig waren. Einerseits gab es an den Märkten im Vorfeld extrem hohe Erwartungen an die Notenbank – anderseits ist ihr Spielraum deutlich kleiner als in früheren Zeiten. Viele ihrer wirksamsten Mittel hat sie bereits ausgeschöpft. Zudem ist die Geldpolitik schlecht geeignet, um die durch das Coronavirus verursachten Probleme zu lösen.

Bei den geldpolitischen Maßnahmen geht es vor allem darum, die wirtschaftlichen Strukturen zu erhalten, damit die Wirtschaft wieder wachsen kann, wenn die Probleme mit dem Coronavirus gelöst sind. Hier liegt das beschlossene Paket der EZB weitgehend im Rahmen dessen, was sie machen kann. So erweitert sie ihr Angebot an besonders günstigen Krediten für die Banken und senkte den dafür erhobenen Zins von minus 0,5 auf bis zu minus 0,75 Prozent. Außerdem dürfen Banken künftig jeweils rund zwei Drittel mehr als bisher von diesen subventionierten Krediten bekommen.

Das dürfte vor allem italienischen Banken helfen, die diese Kredite in der Vergangenheit stark nachgefragt haben. Teil des Pakets sind außerdem zusätzliche Anleihekäufe von 120 Milliarden Euro bis Jahresende, die flexibel einsetzbar sind, etwa für Käufe von Unternehmensanleihen.

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    Dagegen verzichtete die EZB auf eine Zinssenkung. Dies an sich ist kein Problem, auch wenn die Märkte einen solchen Schritt erwartet hatten. Gegen eine Zinssenkung gibt es durchaus Argumente. Viele Ökonomen warnen davor, dass bei den Zinsen der Punkt erreicht ist, wo eine weitere Senkung der Wirtschaft eher schadet als nützt, etwa wegen möglicher negativer Effekte für den Finanzsektor.

    Lagarde: Coronavirus braucht „ambitionierte Antwort“

    Das Problem jedoch war, dass Lagarde diese Entscheidung der EZB auch auf mehrfache Nachfrage nicht richtig erklärte. Stattdessen sagte sie, die EZB habe bei den Zinsen noch Spielraum nach unten und sei weit vom sogenannten Umkehrzins (reversal rate) entfernt, also der Marke, wo eine weitere Zinssenkung das Wachstum eher schwächt.

    Ein Schwachpunkt des Pakets ist außerdem, dass die EZB die sensible Frage ihrer Ankaufgrenzen für Anleihekäufe offenlässt. Laut ihren selbst gesteckten Regeln darf sie nicht mehr als ein Drittel der ausstehenden Anleihen eines Landes kaufen. Diese Marke ist für einige Länder wie Deutschland nicht mehr weit entfernt. Auch wenn die aktuellen Käufe sich noch bewältigen lassen, schränkt die Grenze den Spielraum der EZB ein, um bei einer Verschärfung der Krise reagieren zu können. Daher wäre es besser gewesen, sie anzuheben.

    Grundsätzlich ist die Zurückhaltung der Notenbanker verständlich. Sie haben zu Recht Angst, dass ein solcher Schritt die Politik dazu verleitet, weniger gegen die Krise zu tun und sich stärker auf die EZB zu verlassen. In der aktuellen Situation, in der die Märkte in Panik sind, kommt es aber immer noch stark auf die EZB an, um sie zu beruhigen. Eine Ausweitung der Grenze wäre hierfür ein deutliches Signal gewesen.

    Dagegen hat Lagarde selbst mit einer unbedachten Äußerung für Unsicherheit gesorgt. Auf eine Frage zu Italien antwortete sie, es sei nicht die Aufgabe der EZB, Zinsunterschiede zwischen einzelnen Ländern zu mindern. Daraufhin stiegen die Zinsen für italienische Staatsanleihen deutlich. Später korrigierte Lagarde ihre Aussagen, indem sie in einem Fernsehinterview nach der Pressekonferenz darauf verwies, dass hohe Zinsunterschiede die Geldpolitik beeinträchtigen. Ein gewisser Schaden bleibt dennoch.
    Nahezu allen Notenbankchefs unterlaufen Fehler in der Kommunikation. Das gilt für Lagardes Vorgänger Mario Draghi genauso wie für den früheren Chef der US-Notenbank Federal Reserve Ben Bernanke oder den aktuellen Chef Jerome Powell. Lagarde muss jedoch aufpassen. Gerade die Phase zu Beginn ihrer Amtszeit ist wichtig, weil die Akteure an den Märkten sich ein Urteil über sie bilden, das sich später nur noch sehr schwer korrigieren lässt.

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