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Kommentar Wie der MDax für strauchelnde Konzerne zur Chance werden kann

Thyssen-Krupps Abstieg aus der ersten Börsenliga kostet Prestige, bietet aber große Chancen. Denn die Riege kranker Dax -Konzerne wird immer größer.
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Die Aufnahme in den MDax bietet für schwache Dax-Konzerne die Chance, sich auf zukunftsträchtige Segmente zu fokussieren. Quelle: dpa
Frankfurter Börse

Die Aufnahme in den MDax bietet für schwache Dax-Konzerne die Chance, sich auf zukunftsträchtige Segmente zu fokussieren.

(Foto: dpa)

Thyssen-Krupps bevorstehender Abstieg aus dem Dax vollendet den Niedergang einer Industrieikone. Einzeln waren Krupp und Thyssen zwei Schwergewichte. Zusammen erreichen sie nicht mehr genug Gewicht für die erste deutsche Börsenliga, in der ein Senkrechtstarter wie Wirecard fast dreimal so teuer ist wie der Traditionskonzern mit seinen 161.740 Mitarbeitern.

Dessen Niedergang begann vor über einem Jahrzehnt, als das Management um Gerhard Cromme und Ekkehard Schulz ausgerechnet auf dem Höhepunkt des Stahlbooms zwölf Milliarden Euro in Stahlhütten in Südamerika investierte, die im wahrsten Sinne des Wortes auf Sand gebaut waren. Doch Thyssen-Krupp ist kein Einzelfall. Die Riege kranker Dax-Konzerne wird immer größer.

So leidet die Deutsche Bank wie kaum eine andere internationale Großbank immer noch unter den Folgen der Finanzkrise und veralteten IT-Strukturen, für die sich offenbar nie ein Vorstand zuständig gefühlt hat. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hofft seit Jahren darauf, dass die Ticketpreise endlich steigen.

Doch gerade deshalb bietet die Bilanz jedes Mal viel Enttäuschungspotenzial – eben weil die Preise angesichts des ruinösen Wettbewerbs nicht zulegen. Anleger warten vergeblich auf Ideen, wie sich mit Flügen (mehr) Geld verdienen lässt.

BMW, Daimler und Volkswagen haben viel zu lange auf Benzin und Diesel gesetzt und nicht erkannt, wie sehr sich die mobile Welt weiterentwickelt hat, in der Verbraucher und die Regierungen vieler Staaten umweltschonendere Antriebssysteme favorisieren. Jetzt steht Deutschlands wichtigste Branche vor ihrem teuersten Umbau in der Geschichte. Anleger bezweifeln, dass die drei Autobauer künftig noch Weltspitze sind. Das spiegeln die historisch niedrigen Aktienbewertungen gemessen an den immer noch üppigen Konzerngewinnen dramatisch wider.

Weltkonzerne sind in Deutschland außerhalb des Dax zu finden

Ursache für die wachsende Zahl kranker Dax-Konzerne ist nicht die schlechte Zusammensetzung des Betreibers Deutsche Börse, sondern die deutsche Wirtschaft: Sie hat mit SAP im Grunde genommen nur einen wirklich großen, auch an der Wall Street anerkannten Börsenkonzern hervorgebracht.

Selbst kleinere Industrieländer sind erfolgreicher, etwa Korea mit Samsung, Frankreich mit LVMH und L‘Oréal oder die Schweiz mit Nestlé, Roche und Novartis. Grund für diese Entwicklung ist die in Deutschland immer noch weit verbreitete Abneigung gegenüber Aktien als geeignete Form der Geldanlage und der Finanzierung von Ideen und Geschäftsmodellen.

Deutschland vereint stattdessen mit Unternehmen wie Bosch, Haniel, Phoenix, Heraeus und Bertelsmann sowohl abseits der Börse (Familien-)Konzerne mit Weltklasseniveau als auch unterhalb des Dax. Firmen wie der Großküchenhersteller Rational, der IT- und Cloud-Spezialist Cancom und das Wirkstoffforschungsunternehmen Evotec zählen in ihrem Segment zur Weltspitze und deshalb zu den Shootingstars an der deutschen Börse.

Sie sind aber zu klein, um in den Dax aufgenommen zu werden. Dieser vereint stattdessen viele Schwergewichte, die kraft ihrer vielen ausgegebenen Aktien zu groß sind, um aus der ersten deutschen Börsenliga abzusteigen. Dazu zählt im Übrigen auch die Deutsche Telekom.

Angesichts des stagnierenden Heimatmarktes und schwachen Großkundengeschäfts bietet die T-Aktie Anlegern keine Kursfantasie. Gemessen an ihrem Ausgabekurs von 14,57 Euro hat die Aktie in 23 Jahren ganze vier Prozent zugelegt.

Schwache Konzerne ziehen den gesamten Dax herunter

Die vielen schwachen Konzerne spiegeln sich in der unterdurchschnittlichen Wertentwicklung des Gesamt-Dax wider. 1988 mit 1.000 Punkten gestartet steht der Dax heute bei rund 12.000 Punkten. Der MDax ist im selben Zeitraum von 1000 auf knapp 26.000 Zähler gestiegen. Im Schnitt erzielten Anleger hier also mehr als doppelt so viel Gewinn.

Ursache für die so unterschiedliche Entwicklung sind aber nicht nur die schwachen Schwergewichte, die den Dax seit Jahren herunterziehen. Ein Großteil der kleineren Firmen im MDax ist wendiger, hat sich fokussiert und kann als Weltmarktführer in Nischen höhere Preise durchsetzen. Das beschert bessere Margen, was Anleger mit höheren Kursaufschlägen und höheren Bewertungen goutieren.

Hinzu kommen Übernahmefantasien und tatsächliche Übernahmen, weil die vielen erfolgreichen Geschäftsmodelle im MDax weltweit Begehrlichkeiten wecken, so etwa beim Kranhersteller Demag Cranes, der 2011 vom Wettbewerber Terex in den USA gekauft wurde.

Anleger profitieren in solch einem Fall gleich doppelt: erst von jahrelangen Kursgewinnen, dann obendrauf mit einem kräftigen Kursaufschlag bei der Übernahme, weil Käufer für gute Unternehmen satte Prämien zahlen. Solche Aussichten gibt es bei den großen Dax-Konzernen fast nie. Sie sind zu groß, um übernommen zu werden.

Der Abstieg Thyssen-Krupps ist ein Imageverlust. Doch die Aufnahme in den MDax bietet die Chance, sich auf zukunftsträchtige Industriesegmente zu fokussieren. So, wie es viele Firmen in der zweiten Börsenliga schon lange erfolgreich praktizieren.

Mehr: Nachdem sich der Aktienkurs innerhalb eines Jahres halbiert hat, läuft die Zeit Thyssen-Krupps im Dax ab. Doch ein Abstieg in den MDax kann heilsam sein.

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