Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Wie Inflation zu vermeiden ist

Die Staaten verschulden sich, die Notenbanken kaufen ihre Anleihen auf. Muss die Schuldenlast nicht irgendwann in einen deutlichen Inflationsschub münden?
14.07.2020 - 09:50 Uhr 2 Kommentare
Quelle: Kostas Koufogiorgos
Karikatur
(Foto: Kostas Koufogiorgos)

Noch nie seit Gründung der Bundesrepublik wurde die Welt so mit Geld geflutet wie heute. Die Staaten verschulden sich, die Notenbanken kaufen ihre Anleihen auf. Jetzt macht auch noch die Europäische Union eigene Schulden, die ebenfalls leicht von der Europäischen Zentralbank (EZB) erworben werden können.

Die Dringlichkeit, trotz Corona die Unternehmen und die Bürger ausreichend mit Geld zu versorgen, hat zusammen mit den rekordniedrigen Zinsen alle Bedenken hinweggeschwemmt. Kann das auf Dauer gut gehen? Muss die Schuldenlast nicht irgendwann in einen deutlichen Inflationsschub münden?

Werden die Investoren ab einem bestimmten Punkt das Vertrauen verlieren und die Taschen zuhalten, sodass Staatsanleihen und andere Verpflichtungen nicht mehr zu finanzieren sind?

Die Antwort auf diese Fragen ist simpel, aber unbequem: Es kommt darauf an, ob Geld- und Finanzpolitiker in den kommenden Jahren maßvoll und aufeinander abgestimmt agieren. Maßvoll kann auch, wie zurzeit, heißen, sehr großzügig zu sein. Aber das gilt eben nicht für jede Situation.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Abgestimmt heißt nicht, dass die EZB sich den Regierungen unterordnet oder ihnen umgekehrt quasi Auflagen als Bedingung für ihre Unterstützung macht. Aber wichtig ist, dass beide Seiten verstehen, was die andere Seite tut, und dass sie miteinander reden. Es gibt kein Patentrezept für den Ausweg aus der Krise, und die wirtschaftliche Entwicklung, einschließlich der Preise, verläuft nicht auf einem unausweichlichen Pfad.

    Beunruhigte Sparer

    Viele Sparer machen sich Sorgen um ihr Geld. Die Immobilienbranche erlebt trotz Krise noch gute Nachfrage, die zum Teil von Inflationsängsten getrieben ist. Der Goldpreis steigt. Das Metall gilt als Schutz gegen Geldentwertung, und das Fehlen einer Verzinsung fällt kaum auf in einem weithin zinslosen Umfeld.

    Die Sorgen sind berechtigt: Bei rasant steigenden Preisen verlieren Sparguthaben und Anleihen an Wert. Aktien sind zwar reale Werte, knicken aber trotzdem oft ein, wenn mit der Inflation nominale Zinsen steigen.

    Andererseits ist vorerst wenig von steigenden Preisen zu spüren. Das Gegenteil ist der Fall: Geschäfte werben mit Corona-Rabatten. In Unternehmen wird eher über Gehaltsverzicht als über Zuschläge diskutiert. Die Wirtschaft stockt, die Nachfrage ist schwach, die Kapazitäten sind nicht ausgelastet.

    Die Sparquoten sind hoch. Es gibt scheinbar endlosen Bedarf, Geld anzulegen, und wenig Lust, es auszugeben. Zudem zeigt das Beispiel Japan: Man kann die Staatsverschuldung und die Bilanz der Notenbank noch weit stärker ausdehnen, ohne dass die Inflation sich rührt.

    In einem idealen Szenario, wie es Ökonomen gern entwerfen, kehren nach dem Abebben der Pandemie und ihrer wirtschaftlichen Folgen die Staaten behutsam zu einer disziplinierten Ausgabenpolitik zurück und versuchen, wo nötig, mit Strukturreformen das Wachstum zu stärken.

    Notenbanken wie die EZB bremsen das Wachstum ihrer Bilanzsummen und lassen sie sehr allmählich wieder schrumpfen, indem sie auslaufende Anleihen in ihrem Bestand nicht wieder voll ersetzen.
    Wenn alles gut geht, können so die Staaten aus der Verschuldung herauswachsen.

    Möglicherweise wäre das von etwas höheren nominalen Zinsen und einer leicht verstärkten Inflation begleitet. Genau das haben die Notenbanken ja vor der Coronakrise angestrebt. Bessere Nominalzinsen würden der Finanzbranche das Leben erleichtern. Etwas mehr Inflation würde wirtschaftliche Anpassungen, etwa auf dem Arbeitsmarkt, einfacher machen.

    Deflation ist auch eine Gefahr

    Aber wie gesagt: Kein Pfad ist vorgezeichnet. Wenn zu viele Staaten sich zu ungehemmt weiter verschulden, kann es irgendwann zu dem Punkt kommen, wo Geld- und Finanzpolitik nicht mehr gleichlaufende, sondern gegensätzliche Interessen haben. Die EZB müsste dann, um ihr Mandat zu erfüllen, die Zinsen erhöhen, um die Inflation einzufangen.

    Wenn das zu einer Schuldenkrise führt, könnte die Euro-Zone gleich in eine Deflation, eine Phase sinkender Preise, abrutschen. Wenn die EZB dagegen ihr Mandat vernachlässigt, droht dann tatsächlich eine unangenehme Form von Inflation: aus heutiger Sicht weit weg, aber keineswegs undenkbar.

    Tatsächlich gibt es aber noch weitere Szenarien, die zu einer Deflation führen könnten. Wenn die Regierungen zu früh wieder anfangen zu sparen, stoßen sie möglicherweise die Wirtschaft in eine Rezession. Oder wenn sie eine insgesamt wachstumsfeindliche Politik verfolgen. Ganz zu schweigen von der Möglichkeit, dass die Seuche mit voller Wucht oder gar in veränderter Gestalt zurückkehrt.

    Es gibt aber das Szenario der fortschreitenden Japanisierung in Europa und, vielleicht mit etwas Verzögerung, in den USA. Japan hat früher lange in einer Deflation gesteckt und schafft es nur mit viel Schulden und hohem Einsatz der Notenbank, ein erneutes Abrutschen dorthin zu verhindern. Möglicherweise blüht anderen Regionen ein ähnliches Schicksal, vor allem weil die Bevölkerung im Schnitt immer älter wird.

    Corona hätte den Trend zu niedrigen Zinsen und sinkenden Preisen dann nur noch verstärkt. Wenn das passiert, stellt sich eine schwierige Frage: Sollen Geld- und Finanzpolitik unter Einsatz aller Mittel dagegen ankämpfen? Oder versuchen sie, mit einer begrenzten Deflation klarzukommen? Nicht einmal Japan hat bisher eine gute Antwort darauf gefunden.

    Mehr: Wie der Angriff des Verfassungsgerichts auf die EZB als Farce endet.

    Startseite
    Mehr zu: Kommentar - Wie Inflation zu vermeiden ist
    2 Kommentare zu "Kommentar: Wie Inflation zu vermeiden ist"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • ich glaube an keine Inflation mehr - falls sie doch kommt wird sie per Gesetz verboten (Mietpreisbremse ...) wegsubventioniert (Baukindergeld ...) oder mit einer Inflations-Steuer belegt.

    • Sie HABEN schon jetzt massive Inflation, da Inflation eine allgemeine Ausweitung des Geldangebotes ist:
      "Inflation is a general increase in the money supply. It is the opposite of deflation."
      https://wiki.mises.org/wiki/Inflation
      Preisinflation = Teurung ist immer nur die Folge von Inflation. Mit der Verwechslung von Inflation und Teuerung werden die eigentlichen Verursacher von Inflation verschleiert: nämlich einmal die Zentralbanken und zweitens die Geschäftsbanken durch deren Kreditgeldschöpfung / Kreditexpansion.
      Und selbstverständlich haben wir bereits jetzt schon aufgrund der massiven Liquiditätsflut der Zentralbanken Preisinflatiion bzw. Teuerung - und zwar als Teuerung bei den Vermögenspreisen ("Asset-Preisinflation"), und hier aktuell im besonderen bei den Aktien (aber auch z.B. Edelmetallen).
      Dass es (bis jetzt) noch nicht zu einem starken Anstieg der Teuerung / Preisinflation bei den Konsumgüter- und Dienstleistungspreisen gekommen ist, ist insbseondere die Folge des sogenannten Cantillon-Effektes. Die Aufblähung der Geldmenge (also eigentliche Inflation) hat nämlich immer einen Umverteilungseffekt.
      So befindet sich der größte Anteil der Weltliquidität in den Händen des Finanzsektors und nicht in den Händen des Bürgertums. Und der Finanzsektor sucht eben nach Veranlagung der Liquidität. Aus diesem Grunde kommt es zunächst zu massiver Teuerung bei den Vermögenspreisen, während die Teuerung bei den Konsumgüter- und Dienstleistungspreisen verzögert einsetzt. Zudem ist die Geldumlaufgeschwindigkeit eingebrochen, was aktuell noch einer Starkteuerung entgegenwirkt.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%